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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Achtzehnte Homilie.

III.

Daß Dieses früher geschah, war zwar schlimm, aber nicht so schlimm (als es jetzt ist). Denn welche Vergebung verdienst du wohl, wenn du dich jetzt wieder befleckest, nachdem dir der Himmel und das ewige Reich versprochen ist, nachdem du zu jenen schauerlichen Geheimnissen Zutritt erhalten? Glaubst du nicht, daß es der Teufel auch mit den Geizigen und allen Andern, die der Apostel aufzählt, zu thun hat? Glaubst du nicht, daß er sich mit den zur Unzucht reizend geschmückten Weibern verbinde? Wer wollte Das läugnen? Will Jemand Dieses in Abrede stellen, so möge er die Seele solch’ unverschämter Weiber in ihrer Blöße darstellen, und er wird sich gewiß überzeugen, daß jener arglistige Geist in heftiger Liebe mit ihnen buhlt. Denn es ist schwer, ihr Geliebten, schwer, ja fast unmöglich, daß ein so schön gezierter Leib auch eine schön geschmückte Seele habe: pflegt nämlich Jemand das Eine, so vernachlässigt er das Andere; denn ihrer Natur nach kann nicht Beides gleichzeitig geschehen. Darum sagt er: „Wer einer Buhlerin anhangt, ist ein Leib (mit ihr); wer aber dem Herrn anhangt, ist ein Geist (mit ihm).“ Ja, ein [S. 297] Solcher wird nachgerade ein Geist mit ihm, obgleich er noch die körperliche Hülle trägt. Wenn er nichts Körperliches, nichts Materielles und Irdisches sucht, sondern nur noch den sterblichen Leib trägt, die ganze Herrschaft aber der Seele, dem Geist überläßt, so wird Gott dadurch verherrlicht. Darum wird uns auch befohlen, beim Gebete zu sprechen: „Geheiliget werde dein Name!“ Und Christus sagt: „Euer Licht leuchte vor den Menschen, auf daß sie euere guten Werke sehen und den Vater preisen, der im Himmel ist!“1 So verherrlichen ihn auch die Himmel, ohne Stimmenlaut, indem der bewunderungswürdige Anblick derselben den Ruhm des Werkmeisters verkündet. So wollen auch wir ihn verherrlichen und zwar noch mehr als die Himmel; denn wir können es, wenn wir nur wollen. Denn nicht der Himmel, nicht Tag und Nacht verherrlichen Gott so sehr als eine heilige Seele. Gleichwie nämlich Jemand, die Schönheit des Himmels bewundernd, ausruft: „Gepriesen seist du, o Gott, wie schön sind deine Werke!“ ebenso, ja noch viel mehr wird er Gott preisen, wenn er einen tugendhaften Menschen betrachtet. Aber nicht Alle preisen Gott in jenen Geschöpfen, sondern Viele behaupten, sie seien aus sich selber entstanden. Andere schreiben die Erschaffung und Erhaltung der Welt den Dämonen zu und begeben die unverzeihlichsten Laster. Aber in Bezug auf die Tugend des Menschen wird Niemand unverschämt sein können, sondern sicher Gott preisen, wenn er sieht, Derjenige, der Gott dient, führe ein heiliges Leben. Denn wer sollte nicht staunen, wenn er einen Menschen sieht, der dieselbe Natur hat wie er, der mitten unter Menschen lebt und dennoch im Schwarme der Leidenschaften wie ein Diamant unerschütterlich aushält? der unter Feuer und Schwert und wilden Thieren fester als ein Diamant bleibt und durch seine Gottesfurcht Alles besiegt? der segnet, wenn er geschmäht wird? der, wird er verleumdet, Gutes nachredet? [S. 298] der, wird er verflucht, für seine Beleidiger betet? der, wird er heimtückisch verfolgt, seinen Verfolgern und Widersachern Gutes erweist? Diese und ähnliche Tugenden verherrlichen Gott mehr als die Himmel. Die Heiden sehen den Himmel an und achten es nicht. Sehen sie aber einen heiligen Mann, der ein strenge geregeltes Leben führt, so schämen sie sich und klagen sich selber an. Denn wenn ein solcher Mann, mit ihnen gleicher Natur, sie hoch, ja höher als der Himinel die Erde überragt, so werden sie auch wider ihren Willen auf den Gedanken gebracht, daß eine göttliche Kraft Dieses bewirke. Darum sagt er: „daß sie euren Vater preisen, der im Himmel ist.“

Willst du auch andere Beweise haben, wie Gott durch den Wandel seiner Diener und durch Wunder verherrlichet werde? Einst ließ Nabuchodonosor die drei Jünglinge in den Glutofen werfen; als er aber sah, daß das Feuer sie nicht bezwinge, sprach er: „Gott sei gepriesen, der seinen Engel gesandt und seine Diener aus dem Glutofen errettet hat, weil sie auf ihn vertrauten und den Befehl des Königs nicht achteten.“2 Was sagst du? Du bist verachtet worden und bewunderst Diejenigen, die dich verachteten? Ja, sagt er, und gerade deßwegen, weil ich verachtet worden bin, und er stellt Dieses als Ursache des Wunders hin. Es wurde also Gott nicht durch dieses Wunder allein, sondern auch durch den Willen Derer verherrlicht, die man in den Ofen geworfen. Falls Jemand Dieses mit Jenem vergleicht, so ist das Erste nicht weniger groß als das Zweite. Denn die Rettung aus dem Glutofen ist in Bezug auf das Wunder nicht mehr, als sich mit muthiger Seele in die Flammen zu wagen. Ist es nicht zum Erstaunen, daß der König des Erdkreises, umgeben von einer so zahlreichen Kriegsmacht, von Feldherren, Satrapen und Statthaltern, der Herrscher über Länder und Meere, von gefangenen [S. 299] Jünglingen der Verachtung bloßgestellt wird? und daß die Gefesselten Denjenigen, der sie in Bande gelegt, überwinden und jenes ganze Kriegsheer besiegen? Denn die Umgebung des Königs vermochte Das, was sie wollte, nicht zu erreichen, obgleich sie dieses und den Glutofen zu Verbündeten hatte; sondern jene Nackten, jene Sklaven und Ausländer, jene Wenigen (die geringe Zahl drei!) besiegten in ihren Banden das unermeßliche Kriegsheer. Jetzt schon wurde der Tod verachtet, weil Christus bald erscheinen sollte; und gleichwie ein helles Tageslicht den Sonnenstrahlen vorhergeht, so wich auch der Tod, bevor die Sonne der Gerechtigkeit aufging. Was ist herrlicher als dieser Anblick? was rühmlicher als dieser Sieg? was glänzender als diese Trophäen?

1: Matth. 5, 16.
2: Dan. 3, 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger