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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Achtzehnte Homilie.

II.

19. Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch wohnt?

Er sagt nicht einfach: „des Geistes,“ sondern: „des Geistes, der in euch wohnt,“ und dadurch spendet er Trost. Erklärend setzt er dann bei: „den ihr von Gott empfangen habt.“ Er nennt den Geber und erhöht dadurch die Würde seiner Zuhörer und flößt ihnen Furcht ein sowohl durch die Größe des Geschenkes als durch die Erhabenheit des Gebers. „Und daß ihr nicht euch selbst angehöret?“ Das ist nicht bloß beschämend, sondern nöthigt sie auch zur Tugend. Wie? Du thust, was dich gelüstet? Du bist nicht dein eigener Herr. Das spricht er, obne die Freiheit des Willens aufzuheben. Denn als er sprach: „Alles steht mir zu Gebote, aber nicht Alles frommt,“ hob er die Freiheit nicht auf. Ebenso hier, wenn er schreibt: „Ihr gehöret nicht euch selber an,“ schädigt er nicht die Willenskraft, sondern will uns vom Laster abhalten und an die Fürsorge Gottes erinnern. Darum setzt er hinzu:

20. Denn ihr seid um einen hohen Preis erkauft worden.

Wenn ich aber mir selber nicht angehöre, wie forderst du von mir Tugendwerke? Und wie kannst du im Fol- [S. 294] genden wieder verlangen: „Verherrlichet Gott an eurem Leibe und im Geiste, die Gott angehören“? Was heißt jenes: „Ihr gehöret euch nicht selber an“ und was will er mit Diesem sagen? Er will uns befestigen und bewahren, daß wir nicht sündigen und den schnöden Begierden des Herzens folgen. Denn wir begehren Vieles, was nicht in der Ordnung ist; aber diese Begierden sollen wir zähmen, denn wir vermögen es ja; wenn wir es nicht könnten, so wäre die Ermahnung überflüssig. Siehe nun, wie er uns befestigt! Nach den Worten: „Ihr gehöret euch nicht selber an“ sagt er nicht: Ihr seid dem Zwang unterworfen, sondern: „Denn ihr seid um einen hohen Preis erkauft worden.“ Wozu sagt er Dieses? Hätte er nicht auf andere Weise uns ermahnen und zeigen sollen, daß wir einen Herrn haben? Den haben wir mit den Heiden gemein; Dieses aber: „Ihr seid um einen hohen Preis erkauft worden“ — ist ein Vorzug auf unserer Seite. Er ruft uns nämlich die Größe der Wohlthat in’s Gedächtniß und die Weise der Rettung und zeigt, daß wir, obwohl Gott entfremdet, erkauft und zwar nicht einfach, sondern um einen hohen Preis erkauft worden sind. „Verherrlicht also Gott an eurem Leibe und im Geiste!“ Dieses sagt er, damit wir die Unzucht nicht nur dem Leibe, sondern auch dem Geiste nach fliehen, in der Seele nichts Böses denken und nicht die Gnade vertreiben. „Die Gott angehören;“ denn weil er gesagt hatte: „eurem,“ fügt er bei: „die Gott angehören“ und erinnert uns ohne Unterlaß daran, daß wir ganz mit Leib und Seel’ und Geist dem Herrn angehören.

Einige sind der Meinung, er verstehe unter dem Ausdruck: „im Geiste“ die Wundergabe; denn wenn diese bei uns bleibt, wird Gott verherrlicht; sie bleibt aber, wenn wir ein reines Herz haben. Leib und Geist nennt er Gottes Eigenthum, nicht nur weil er beide erschaffen, sondern, auch, obgleich entfremdet, wieder erkauft hat durch das Blut [S. 295] seines Sohnes. Siehe, wie er Alles auf Christus bezieht und uns in den Himmel versetzt! „Ihr seid Glieder Christi,“ sagt er, „Tempel des hl. Geistes;“ werdet also nicht Glieder einer Buhlerin; denn es wird nicht „euer“ Leib geschändet; denn der Leib gehört nicht euch, sondern Christo an. Dieß aber sagt er, um uns sowohl die Liebe Christi, dem unser Leib angehört, vor Augen zu stellen, als auch uns vor frevelhaftem Eingriff zu bewahren. Denn wenn der Leib einem Andern gehört, und mehr noch, wenn er dem Herrn gehört, so ist es auch nicht ertaubt, ihn zu entehren, den Tempel des heiligen Geistes zu entweihen. Denn wenn schon Derjenige, der eine fremde Wohnung betritt und sich darin muthwillig aufführt, hart bestraft wird, so bedenke, welche Strafe Den treffen werde, der den Palast des Königs in eine Räuberhöhle verwandelt!

Dieses also erwäge und habe Ehrfurcht vor Dem, der in dir wohnt; denn es ist der hl. Geist! Fürchte Denjenigen, der mit dir vereint und verbunden ist; denn es ist Christus! Hast du dich selbst zu einem Gliede Christi gemacht? Das bedenke, wessen Glieder es waren, und wessen Glieder es geworden sind, und bleibe züchtig! Hurenglieder waren es früher, und Christus hat sie zu Gliedern seines eigenen Leibes gemacht: du hast also fernerhin keine Gewalt mehr darüber; Dem sollst du dienen, der dich befreit hat. Hättest du eine eigene Tochter im höchsten Wahnsinn einem Kuppler zum Dienste der Unzucht verkauft, und es käme der Sohn des Königs und befreite sie aus dieser Sklaverei und nähme sie zur Gemahlin, so stände es nicht mehr in deiner Gewalt, sie wieder in’s Schandhaus zu führen: denn einmal hast du sie übergeben und verkauft. So verhält es sich auch mit uns: unsern Leib1 haben wir dem Teufel, jenem argen Kuppler, verkauft. Christus sah Das, entriß ihm denselben und befreite ihn von jener harten Ty- [S. 296] rannei. Er gehört also nicht mehr uns an, sondern seinem Erlöser. Willst du ihn als Braut des Königs gebrauchen, so verwehrt dir das Niemand; willst du ihn aber zu den frühern Lastern mißbrauchen, so trifft dich die gerechte Strafe für eine solche Schändung. Daher soll man ihn vielmehr ausschmücken als mit Schande bedecken. Denn es steht dir nicht frei, das Fleisch zum Dienste schändlicher Begierden zu gebrauchen, sondern einzig zu Dem, was Gott dir befiehlt. Betrachte also, von welcher Schande Gott dasselbe befreit hat; denn häßlicher als eine Buhlerin war vorhin unsere Natur; denn Raub und Mordlust und alle möglichen bösen Begierden gesellten sich zu derselben und machten die Seele um einen geringen und elenden Preis — um eine augenblickliche Wollust zur Buhlerin. Diese Wollust war das Einzige, was die Seele aus dieser Buhlschaft mit schändlichen Gedanken und Werken davon trug.

1: Τὴν σάρκα, das Fleisch (Leib).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger