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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Siebenzehnte Homilie.

I.

12. Alles steht mir zu Gebote, aber nicht Alles frommt; Alles steht mir zu Gebote, aber ich soll unter keines Dinges Botmäßigkeit stehen.

I. Hiermit deutet er auf die Bauchdiener. Denn weil er auf den Unzüchtigen wieder zurückkommen will, die Unzucht aber aus Wohlleben und Unmäßigkeit entspringt, so rügt er diese Leidenschaft mit aller Schärfe. Er redet hier nicht von sündhaften Dingen, denn diese sind ja verboten, sondern von solchen, die an sich gleichgiltig scheinen. So ist z. B., wie er sagt, Essen und Trinken erlaubt, Schwelgerei aber frommt nicht. Und wie er sonst oft auf eine bewunderungswürdige und auffallende Weise die Rede auf das Gegentheil lenkt, so macht er es auch hier und zeigt, daß es nicht nur Nichts frommt, Alles zu thun, was erlaubt ist, sondern daß Dieses sogar nicht ein Beweis von Freiheit, sondern eher von Knechtschaft ist. Zuerst mahnt er davon ab, weil es Nichts nütze, indem er sagt: „Aber es frommt nicht;“ dann aber auch durch das Gegentheil mit den Worten: „Ich aber soll unter keines Dinges Botmäßigkeit stehen.“ Er will damit sagen: Es ist dir [S. 279] erlaubt, zu essen; bewahre also diese Freiheit und siehe zu, daß du kein Sklave dieser Leidenschaft wirst; denn wer sich einer Sache, wie es sich ziemet, bedient, der bleibt Herr derselben; wer aber die Gränzen der Mäßigkeit überschreitet, der ist nicht mehr Herr, sondern Knecht, indem die Völlerei ihn tyrannisirt. Siehst du, wie er darthut, daß Derjenige, der da wähnt, die Herrschaft zu üben, unter der Herrschaft stehe? Denn Paulus pflegt, wie ich schon sagte, aus den Einwürfen oft das Gegentheil zu beweisen, so wie er es hier thut. Betrachte nur: Jeder von ihnen sagt: Schwelgen ist mir erlaubt; er aber sagt: Du treibst aber Das nicht so, als haltest du es in deiner Gewalt, sondern du bist seiner Gewalt unterworfen; denn solange du ein Schwelger bist, hast du nicht die Herrschaft über den Bauch, sondern der Bauch herrscht über dich. Dasselbe läßt sich vom Gelde und von andern Dingen behaupten.

13. Die Speisen sind für den Bauch.

Unter Bauch versteht er nicht den Magen, sondern die Schlemmerei, gleichwie er anderswo sagt: „Deren Gott ihr Bauch ist“1 und darunter nicht den Bauch, sondern die Unmäßigteit versteht. Daß Dem aber so sei, entnimm aus dem Folgenden: „Und der Bauch für die Speisen; der Leib aber ist nicht für die Unzucht, sondern für den Herrn.“ Nun aber gehört doch auch der Bauch zu dem Leibe. Er verbindet aber zwei Gegenstände: die Speise und die Schlemmerei, welche er durch den Ausdruck „Bauch“ bezeichnet, und ferner Christus und den Leib. Was heißt aber Das: „Die Speisen sind für den Bauch“? Es heißt: Die Speisen und die Schlemmerei sind Freunde, ebenso diese und der Bauch. Daher können sie uns nicht zu Christus hinführen, sondern sie ziehen uns an sich; denn es ist eine arge und viehische Lei- [S. 280] denschaft, die uns zu Sklaven macht und ihr uns unterjocht. Warum also sehnst du dich denn, o Mensch, so gierig nach Speise? Denn das Ende jener Sklaverei ist viehisches Wesen und weiter Nichts. Gleich einer Gebieterin dient ihr der Sklave beständig und kennt nichts Anderes als diese thörichte Beschäftigung. Beide — der Magen und die Speisen — sind mit einander verbunden und vergehen mit einander. So bilden sie einen nie zu beendenden Kreislauf, wie wenn aus dem modernden Leib sich Würmer erzeugen und wieder von den Würmern der Körper zerstört wird, oder wie wenn die Woge sich bis zum höchsten Gipfel erhebt und dann ohne weitere Wirkung zerschellt. Dieses aber sagt er nicht in Bezug auf Speise und Leib, sondern tadelt das Laster der Völlerei und Unmäßigkeit, wie das Folgende zeigt; denn er fügt bei: „Gott aber wird sowohl diese als jenen zerstören,“ was er nicht in Bezug auf den Magen, sondern auf die unmäßige Begierde, nicht in Bezug aus die Speisen, sondern auf das Übermaß sagt. Denn die Speisen verwirft er nicht, sondern gibt sogar in Betreff derselben die Vorschrift: „Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, so lasset uns damit zufrieden sein!“2 So rügt er die Unmäßigkeit und wirkt durch Rath und Wünsche zur Besserung. Einige aber behaupten, diese Worte seien eine Weissagung, welche den Zustand im künftigen Leben enthülle; dort werde man weder essen noch trinken. Wenn nun selbst der mäßige Genuß aufhören wird, um so viel mehr geziemt es sich, die Unmäßigkeit zu fliehen. Damit man aber nicht wähne, dieses sei eine Anklage gegen den Leib, und die Rüge eines Theiles gelte dem Ganzen, und damit man nicht sagen könne, die Natur des Körpers sei Ursache der Unzucht, so höre, was er ferner sagt: Nicht die Natur des Körpers klage ich an, sondern die unordentliche Begierde der Seele: „Der Leib aber ist nicht für die Unzucht, sondern für den Herrn.“ [S. 281] Denn er wurde nicht dazu gebildet, daß er unordentlich lebe und Unzucht treibe, gleichwie auch der Bauch nicht zur Schwelgerei geschaffen ist, sondern damit er Christo, seinem Haupte, folge und der Herr den Leib regiere. Schämen sollen wir uns und erschaudern, daß wir, einer solchen Ehre gewürdigt und Glieder Desjenigen, der im Himmel thront, uns durch so große Laster entehren. Nachdem er nun die Schlemmer scharf gerügt hatte, schreckt er sie auch durch die Furcht vor den künftigen Dingen von diesem Laster zurück mit den Worten:

1: Philipp. 3, 19.
2: I. Tim. 6, 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger