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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Dreizehnte Homilie.

V.

Dieses sage ich euch, nicht als wenn Reichsein eine Sünde wäre, sondern weil es Sünde ist, den Armen den Reichthum nicht mitzutheilen und ihn zu mißbrauchen. Denn Gott hat nichts Böses erschaffen, sondern „Alles ist sehr gut“. So ist denn auch das Geld etwas Gutes, aber erst dann, wenn es seinen Besitzer nicht beherrscht und den Nächsten der Armuth entreißt. Denn auch jenes Licht ist nicht gut, das die Finsterniß nicht aufhebt, sondern noch erhöht; so möchte ich auch jenen Reichthum, der die Armuth nicht aufhebt, sondern vermehrt, nicht Reichthum benennen. Denn wer reich ist, sucht nicht von Andern zu empfangen, sondern ihnen zu helfen; wer hingegen von Andern zu empfangen sucht, der ist nicht reich, sondern arm. So ist denn auch nicht der Reichthum schlimm, sondern die arme Seele, die den Reichthum in Armuth verwandelt. Diese (Reichen) sind elender als die Bettler auf den Straßen, als die Krüppel und Verstümmelten; in ihren seidenen Prachtkleidern sind sie elender als jene von Lumpen umhüllt; sie, die stolz auf dem Markte einherprangen, sind beklagenswerther als Jene, die an den Straßenecken umherschleichen, in die Vorhöfe eindringen und bettelnd hinaufschreien. Denn Diese preisen Gott und sprechen mitleiderregende und weisheitsvolle Worte; darum haben wir mit ihnen Erbarmen, reichen ihnen die Hand und machen ihnen keine Vorwürfe; die schlimmen Reichen hingegen stoßen harte und unmenschliche Worte, Worte voll Raub und teuflischer Gier aus; darum werden sie auch von Allen gehaßt und verlacht. Betrachte einmal, was von allen Menschen als schimpflich angesehen werde, ob von den Reichen fordern oder von den Armen! Offenbar von den Armen fordern. Das thun nun aber die Reichen, denn sie wagen es nicht, den noch Reichern zu nahen. Die Bettler aber heischen von den Reichen; kein Bettler fordert Etwas von einem Bettler, sondern vom vermögenden Manne; der Reiche hingegen zerrt an dem Bettler. Sage mir, was ist ferner anständiger, von Solchen Etwas annehmen, die es gerne geben und Dank verdienen, oder die Menschen gegen ihren Willen nöthigen und ihnen lästig [S. 223] fallen? Offenbar ist es anständiger, die Widerwilligen nicht zu behelligen. Aber auch Das thun die Reichen; denn die Armen empfangen ihre Gabe von den Vermögenden und sind dafür dankbar; die Reichen aber nehmen von Solchen, die nur gezwungen und widerwillig geben; und das ist ein Beweis größerer Armuth. Möchte doch nicht leicht Jemand zu einem Gastmahle gehen, wenn nicht der Einladende seinem Gast dafür dankt: wie sollte es anständig sein, mit Gewalt Geld zu erpressen? Fliehen und verabscheuen wir nicht darum die bellenden Hunde, weil sie uns fortwährend nachlaufen? Das thun auch die Reichen. „Allein es ist schöner, wenn der Geber aus Furcht gibt.“ Das wäre das Ällerschändlichste; denn wie sollte Derjenige nicht höchst lächerlich sein, der Alles in Bewegung setzt, um nur zu erwerben? Werfen wir doch oft, aus Furcht vor den Hunden, diesen Das zu, was wir in Händen haben. Sage mir wieder: was ist schimpflicher, wenn ein Mensch, der in Lumpen gehüllt ist, bettelt oder einer, der in Seide prangt? Wenn nun ein Reicher arme Greise, die noch dazu Kinder haben, zu gewinnen sucht, um ihre Erbschaft zu erhalten, — ist ihm Das zu verzeihen? Wenn ihr wollt, so laßt uns auch die Sprache untersuchen, welche die reichen Bettler führen und welche die armen. Was sagt nun der Arme? Wer Almosen spendet, möge nicht kargen, weil er von Gottes Gaben mittheilt; Gott sei gütig und werde Größeres wiedererstatten: das sind lauter Worte der Weisheit, der Ermahnung und des guten Rathes. Er bittet, du sollst auf den Herrn hinschauen, und er benimmt dir die Furcht vor künftiger Armuth. So findet man schöne Belehrungen in den Reden der Bettler. Welches sind aber die Reden der Reichen? Sie ziemten sich eher für Schweine, Hunde, Wölfe und andere Raubthiere. Denn Einige derselben reden beständig von Tafeln, Speisen, Leckerbissen, von allerlei Wein, von Salben, Kleidern und allem möglichen andern Aufwand; Andere sprechen von Zinsen und Wuchergeschäften, erdichten Schuldbriefe, als hätten sie dieselben von ihren Vätern und Großvätern überkommen, und steigern so die [S. 224] Schuld zu einer unerschwinglichen Summe und nehmen hier das Haus weg, dort das Feld, dort einen Sklaven, dort die sämmtliche Habe. Und was soll ich von den Testamenten sagen, die anstatt mit Tinte mit Blut geschrieben sind? Denn wenn sie sehen, daß Jemand etwas Weniges besitzt, schüchtern sie ihn durch Vorspiegelung einer großen Gefahr ein oder hintergehen ihn durch nichtssagende Versprechungen, daß er alle Verwandten, die oft vor Hunger umkommen, übergehen und sie an deren Stelle zu Erben einsetzen soll. Übersteigt Das nicht die Wuth und Raubgier der wilden Thiere? Darum ermahne ich, laßt uns allen schmählichen und mörderischen Reichthum dieser Art fliehen, laßt uns nach den geistigen Gütern streben und uns einen Schatz im Himmel sammeln! Denn wer einen solchen besitzt, der ist reich und glücklich in Dem, was hienieden und droben ist. Denn wer dem Worte Gottes gemäß arm sein will, dem steht jede Thür offen: denn wer um Gottes willen sich aller Güter entäussert, dem wird Jeder von dem Seinigen mittheilen; wer aber Weniges mit Unrecht erstrebt, dem bleiben alle Thüren verschlossen. Damit wir also die irdischen und himmlischen Güter erlangen, laßt uns jenes bleibende Gut und den unvergänglichen Reichthum erwählen, der uns allen zukommen möge durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus u. s. w. Amen.

[S. 225]

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger