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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Neunte Homilie.

II.

Ja, sagst du, so geht es bei den Menschen; aber Gott ist ja barmherzig. Nun, nicht einmal die Menschen strafen so aus Grausamkeit, sondern aus Liebe; und auch Gott, obgleich er barmherzig ist; denn groß wie seine Barmherzigkeit ist auch seine Gerechtigkeit. Sagst du also, daß [S. 150] gütig sei, so sprichst du eben dadurch einen triftigern Grund zu unserer Bestrafung aus, weil wir uns gegen einen solchen Herrn versündigen. Darum spricht auch Paulus: „Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“1

Ertraget doch, ich bitte euch, das Feuer meiner Worte; denn ich hoffe, daß ihr daraus einigen Trost schöpfen werdet. Welcher Mensch kann so strafen wie Gott gestraft hat? Er ließ die Fluth hereinbrechen und raffte das ganze Menschengeschlecht dahin; und bald darauf ließ er wieder Feuer vom Himmel regnen und vertilgte Alle durchs Feuer. Welche menschliche Strafe gleicht dieser? Und siehst du nicht, daß sie, so zu sagen, ewig währt? Viertausend Jahre sind vorüber, und die Strafe der Sodomiten dauert immer noch fort. Denn gleichwie seine Barmherzigkeit groß ist, so ist es auch seine Strafgerechtigkeit. Hätte er Beschwerliches und Unmögliches geboten, so könnte wohl Mancher die Härte der Gesetze vorschützen; da nun aber seine Gebote leicht sind, wie können wir uns verantworten, wenn wir auch so nicht darauf achten? Du kannst nicht fasten, nicht jungfräulich leben? Und doch kannst du es, wenn du nur willst, und Diejenigen, welche es konnten, strafen uns Lügen. Und doch war Gott gegen uns nicht so streng: er hat Dieses nicht befohlen und nicht zum Gesetze gemacht, sondern es der freien Wahl eines Jeden anheim gestellt; aber im Ehestande keusch leben kannst du, und vor der Trunksucht dich hüten. Das kannst du. Dein ganzes Vermögen kannst du nicht weggeben? Und doch kannst du es, wie Diejenigen beweisen, die es gethan haben. Allein Gott hat Das nicht geboten, sondern nur befohlen, nicht zu rauben und mit den Gütern den Armen zu helfen. Wenn aber Jemand sagt: ich kann mich mit einer Frau nicht begnügen, so irrt er und täuscht sich selber, und es be- [S. 151] schämen ihn Diejenigen, welche ohne Weib ein keusches Leben führen. Wie? sage nur, kannst du dich des Fluchens und des Lästerns nicht enthalten? Und doch ist es beschwerlicher, solche Sünden zu begehen, als sich ihrer zu enthalten. Wie unverzeihlich ist es nun, wenn wir nicht einmal Das befolgen, was so leicht und bequem ist?

Aus all dem Gesagten geht nun klar hervor, daß die Strafe ewig ist. Weil aber Einige glauben, die Worte Pauli seien dieser Behauptung entgegen, wohlan, so laßt uns dieselben zur Untersuchung vornehmen. Nach den Worten: „Wenn Jemandens Werk, das er darauf gebaut hat, besteht, so wird er Lohn empfangen geht aber Jemandens Werk in Feuer auf, so wird er Schaden leiden“ — fährt er fort: „er selbst wird gerettet werden, jedoch so, wie durch Feuer.“ Was sollen wir nun dazu sagen? Erwägen wir vorerst, was dieser Grund sei, was das Gold, was die kostbaren Steine, was das Heu, was die Stoppeln. Daß Christus der Grund sei, hat er deutlich zu erkennen gegeben mit den Worten: „Denn einen andern Grund kann Niemand legen, als der gelegt ist, und dieser ist Jesus Christus.“ Das Gebäude sind, nach meiner Meinung, unsere Handlungen: obgleich Einige behaupten, Dieses sei in Bezug auf die Lehrer und Schüler und die heillosen Ketzereien gesagt. Jedoch diese Auffassung duldet der Zusammenhang nicht. Wenn nämlich Das der Sinn ist, wie geht das Werk zu Grunde, und wie wird der Bauende gerettet, obschon nur wie durch Feuer? Da sollte doch eher der Urheber (des Gebäudes) zu Grunde gehen; hier aber wird das Gebäude (der Schüler) härter bestraft. War der Lehrer Urheber des Bösen, so verdient er größere Strafe. Wie wird er nun gerettet werden? War er aber nicht der Urheber, sondern waren es die Schüler durch eigne Verkehrtheit, so verdient er durchaus keine Strafe; ja er darf nicht einmal seinen Lohn verlieren, da er gut gebaut hat. Wie sagt er also: „Der wird Schaden leiden“? Daraus [S. 152] erhellet, daß von Werken die Rede ist. Weil er nämlich die Absicht hat, den Blutschänder zu bestrafen, so schickt er sich jetzt schon weit ausholend dazu an. Denn er versieht es da, wo er über einen Gegenstand redet, sich schon im Verlaufe der Rede den Weg zu einem andern zu bahnen, zu dem er übergehen will. So bildet er durch die Rüge, daß sie bei ihren Mahlzeiten einander nicht erwarteten, den Übergang zur Rede über die Geheimnisse. Da es ihn nun drängt, gegen jenen Unzüchtigen zu sprechen, so fährt er nach seiner Rede über das Fundament (des Gebäudes) also fort:

16. 17. Wisset ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn aber Jemand den Tempel Gottes entheiligt, den wird Gott zu Grunde richten.

Dieses sagt er, um jetzt schon das Herz des Unzüchtigen durch Furcht zu erschüttern. „Wenn nun Jemand auf diesen Grund fortbaut, ob Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stoppeln;“ denn nach dem Glauben muß das Aufbauen folgen. Darum sagt er auch anderswo: „Erbauet euch unter einander durch diese Worte!“2 Beim Baue wirken ja Baumeister und Schüler zusammen; darum sagt er: „Jeder sehe zu, wie er fortbaue!“

1: Hebr. 10, 31.
2: I. Thess. 5, 11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger