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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Achte Homilie.

I.

Kap. III.

1. 2. auch ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden wie zu Geistigen, sondern wie zu Fleischlichen (Sinnlichen), als Unmündigen in Christo. Mit Milch nährte ich euch, nicht mit starker Speise; denn diese konntet ihr noch nicht vertragen; aber auch jetzt vermögt ihr es noch nicht, denn ihr seid noch fleischlich.

I. Nachdem er die heidnische Philosophie widerlegt und all ihren Dünkel vernichtet hat, kommt er auf ein anderes Thema. Denn jene (Christen) konnten natürlich entgegnen: „Wenn wir die Lehren des Platon oder des Pythagoras oder eines anderen Philosophen vortrügen, so hättest du wohl mit Recht gegen uns in so ausführlicher Rede gesprochen; da wir aber die Lehre des Geistes verkünden, warum bekämpfst du denn die heidnische Philosophie?“1 [S. 131] Höre nun, wie er sich darüber äussert: „Auch ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden wie zu Geistigen.“ Er will sagen: Wenn ihr auch vollkommen unterrichtet wäret, sogar in geistigen Dingen, so dürftet ihr darob nicht prahlen; denn was ihr lehret, ist nicht das Eurige und nicht eure eigene Erfindung. Nun aber wisset ihr nicht einmal Dieses nach Gebühr, sondern seid noch Schüler und zwar die allerletzten. Wenn ihr euch also auf die weltliche Weisheit viel einbildet, so ist erwiesen, daß sie nichtig und auch in Bezug auf das Geistige unsere Gegnerin ist; seid ihr aber stolz auf die Einsicht in geistigen Dingen, so seid ihr auch hierin weit zurück und steht auf der untersten Stufe. Darum sagt er: „Ich konnte mit euch nicht wie mit Geistigen reden.“ Er sagt nicht: ich habe nicht zu euch geredet, damit die Sache nicht gehässig erschiene, sondern er bekämpft ihren Dünkel auf zweifache Weise: einerseits dadurch, daß er zeigt, sie seien noch nicht vollkommen gebildet, andererseits dadurch, daß er ihnen selbst die Schuld davon beimißt. Zudem zeigt er noch drittens, daß sie es auch jetzt noch nicht werden können. Daß sie Dieß Anfangs nicht vermochten, lag wohl in der Natur der Sache; gleichwohl läßt er ihnen auch diese Entschuldigung nicht. Denn er sagt nicht, daß sie jene erhabenen Dinge darum nicht erfaßt hätten, weil sie es nicht vermocht, sondern darum, weil sie noch fleischlich (sinnlich) seien. Jedoch waren sie im Anfang deßhalb nicht so sehr zu tadeln; daß sie aber nach so langer Zeit noch zu keiner höhern Vollkommenheit fortgeschritten, das war ein Zeichen der äussersten Trägheit. Denselben Vorwurf macht er auch den Hebräern, jedoch nicht mit solcher Schärfe; denn er sagt, diese seien wegen der Trübsal, jene aber aus böser Begierlichkeit noch unvollkommen: Beides aber ist nicht einerlei. Auch zeigt er, daß er Dieses mit Wahrheit sage, zu den Einen, um sie zurecht zu weisen, zu den Andern, um sie mehr zu ermuntern; denn zu diesen (den Korinthern) spricht er: „Aber auch jetzt vermögt ihr es noch nicht;“ zu jenen aber: „Wir übergehen also die Anfangsgründe der Lehre Christi und [S. 132] wenden uns zu Dem, was für Vollkommene gehört;“ und wieder: „Doch obgleich wir diese Sprache führen, so versehen wir uns bei euch des Bessern und des Heilbringenden.“2

Wie nennt er denn aber Diejenigen sinnlich, welche einen solchen Geist empfangen hatten, und denen er Anfangs so großes Lob gespendet hatte? Weil auch Jene sinnlich waren, zu denen der Herr spricht: „Weichet von mir, ich kenne euch nicht, ihr Übelthäter,“3 — obgleich sie Teufel ausgetrieben, Todte erweckt und geweissagt hatten; es kann also auch ein Mensch, der Wunder thut, noch sinnlich sein. Denn auch durch Balaam wirkte Gott, und dem Pharao und Nabuchodonosor offenbarte er die Zukunft, und Kaiphas prophezeite, ohne zu wissen, was er sagte. Manche Andere, die es nicht mit Jesus hielten, haben in seinem Namen Teufel ausgetrieben, weil solche Wunder nicht wegen Derjenigen, die sie wirken, geschehen, sondern um Anderer willen. Oft ist dergleichen auch durch Unwürdige geschehen. Und kein Wunder, wenn Solches um Anderer willen durch unwürdige Männer vorkömmt, da es auch durch Heilige geschieht. Denn Paulus spricht: „Alles ist euer, sei es Paulus, sei es Apollo, sei es Kephas, sei es Leben, sei es Tod;“4 und wieder: „Derselbe bestellte Einige zu Aposteln, Andere zu Propheten, Andere zu Hirten und Lehrern, damit die Heiligen befähigt würden zur Verrichtung des Lehramtes.“5 Denn wäre Das nicht der Fall, so könnte wohl Nichts den Untergang Aller verhindern. Denn es kömmt ja vor, daß die Vorsteher schlecht und lasterhaft, die Untergebenen aber gut und rechtschaffen sind, daß die Laien einen gottesfürchtigen, die Priester hingegen einen verwerflichen Wandel führen; und wenn es bei der Gnade überall auf die Würdigkeit der Person ankäme, so würde [S. 133] durch solche (Unwürdige) weder die Taufe stattfinden noch der Leib Christi noch das Opfer vollbracht werden. Nun pflegt aber Gott auch durch Unwürdige zu wirken, und die Taufgnade verliert Nichts durch das (schlechte) Leben des Priesters; denn sonst würde ja der Empfangende dadurch verkürzt werden. Zwar geschieht Dieses selten, aber es geschieht doch. Ich sage Dieses darum, damit Keiner der Anwesenden den Wandel des Priesters vorwitzig erforsche und bei seiner Verwaltung der heiligen Geheimnisse Ärgerniß nehme. Denn der Mensch trägt Nichts bei zu Dem, was hier geschieht: Alles ist einzig das Werk der Kraft Gottes, und er ist es, der euch die heiligen Dinge mittheilt.

„Und ich, Brüder, konnte mit euch nicht wie mit Geistigen reden, sondern wie mit Sinnlichen. Mit Milch nährte ich euch, nicht mit starker Speise; denn diese konntet ihr noch nicht ertragen.“ Damit es aber nicht scheine, er habe aus Ehrfurcht gesagt, was er oben gesprochen: „Der Geistige kann Alles beurtheilen, er aber wird von Keinem beurtheilt,“ und: „Wir haben Christi Sinn,“ spricht er nun, um ihren Hochmuth zu demüthigen: Nicht darum habe ich geschwiegen, als wüßte ich euch Nichts mehr zu sagen, sondern darum, weil ihr sinnlich seid: „Ihr könnet es auch jetzt noch nicht ertragen.“

Warum sagte er nicht: Ihr wollet nicht, statt zu sagen: Ihr könnet nicht? Er setzt das Eine für das Andere; denn das Nichtkönnen kömmt ja vom Nichtwollen, was ihnen Tadel, dem Lehrer Entschuldigung bringt. Denn wenn sie von Natur aus nicht könnten, so müßte man ihnen billiger Weise verzeihen: da aber Dieses von ihrem freien Willen herkömmt, so entbehren sie der Entschuldigung. — Hierauf schildert er die Art und Weise, wie sie sinnlich seien:

[S. 134]

1: Τίνος ἕνεκεν τὴν ἔξωθεν σοφίαν ἄνω καὶ κάτω στρέφεις; Arnoldi übersetzt: Warum führst du beständig die Weltweisheit im Munde?
2: Hebr. 1, 6. 9.
3: Matth. 7, 23.
4: I. Kor. 3, 22.
5: Ephes. 4, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger