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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Fünfte Homilie.

III.

„Er wurde uns zur Weisheit gegeben.“

Wer ist also weiser als ihr, die ihr nach dem Willen Gottes nicht die Weisheit des Platon, sondern Christum selber besitzet? Was heißt aber Das: „von Gott?“ Da er Großes vom Eingebornen gesagt, spricht er auch von dem Vater, damit ja Niemand glaube, der Sohn sei unerzeugt. Wie er also davon sprach, daß Gott so Großes gethan, schrieb er das Ganze dem Sohne zu, indem er sagte, dieser sei uns gegeben worden zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlösung. Hinwieder eignet er durch den Sohn Alles dem Vater zu, da er sagt: „von Gott.“ Warum sagte er aber nicht: „Er hat uns zu Weisen gemacht,“ sondern: „Er ist uns gegeben worden zur Weisheit?“ Um die Größe des Geschenkes anzuzeigen; es ist, als wenn er sagte: Er hat sich selbst uns geschenkt. Betrachte, welche Ordnung er einhält. Zuerst machte er uns nämlich zu Weisen, indem er uns vom Irrthum befreite; dann machte er uns gerecht und Heilig, indem er uns den heiligen Geist mittheilte, und so erlöste er uns von allen Übeln, so daß wir ihm angehören, natürlich nicht durch seine Wesenheit, sondern durch den Glauben. Anderswo sagt er, wir seien durch ihn gerecht geworden: „Er ließ Den, der von keiner Sünde wußte, für uns ein Schuldopfer werden, damit wir vor Gott gerecht würden.“1 Hier aber heißt es, er selber sei uns zur Gerechtigkeit geworden, so daß also, wer da will, in reichlichem Maße an ihm Theil nehmen kann. Denn nicht irgend ein Mensch, [S. 77] sondern Christus hat uns zu Weisen gemacht. Wer sich also rühmt, der rühme sich in ihm, und nicht irgend eines Menschen. Durch Christus ist Alles geschehen. Daher setzt Paulus nach den Worten: „der uns gegeben wurde zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlösung,“2 hinzu:

31. Darum, wie die Schrift sagt: Wer sich rühmt, der rühme sich im Herrn.

Deßhalb ließ er sich auch so sehr aus gegen die Weisheit der Griechen, um gerade dadurch die Menschen zu bewegen, in Gott sich zu rühmen, wie es ja die Gerechtigkeit fordert. Denn wollen wir aus eigenen Kräften Das, was über uns ist, erforschen, so sind wir ganz thöricht und ohnmächtig. Zwar mag Jemand ein spitzfindiger Schwätzer sein; aber unmöglich kann er haltbare Lehren aufstellen; denn alle Vernunftbeweise, die wir so aus uns selber entwickeln, gleichen den Spinnengeweben. Einige sind gar in einen solchen Unsinn verfallen, daß sie die Wirklichkeit der Körperwelt leugneten und die Behauptung aufstellten, Alles sei anders, als es erscheine.

Also schreibe dir selbst Nichts zu, sondern bei Allem rühme dich im Herrn! Schreibe keinem Sterblichen Etwas zu! Denn wenn wir dem Paulus Nichts zuschreiben sollen, um soviel weniger dann anderen Menschen. Paulus sagt nämlich: „Ich habe gepflanzt, Apollo hat begossen, Gott aber hat das Gedeihen gegeben.“ Wer da gelernt hat, sich im Herrn zu rühmen, Der wird sich nie erbeben, sondern immer bescheiden sein und dankbar für Alles. Bei den Griechen aber ist es nicht so, sondern sie schreiben sich Alles selber zu. Daher vergöttern sie auch die Menschen: so sehr hat sie der Hochmuth erniedrigt.

[S. 78] Doch es ist nun Zeit, den Kampf gegen sie fortzusetzen. Wo blieben wir also gestern stehen? Wir sagten, es sei nach menschlicher Erwartung nicht möglich gewesen, daß die Fischer über die Philosophen siegten; und doch ist Dieß möglich geworden, woraus erhellet, daß es durch die Gnade geschah. Wir sagten, daß ihnen nicht einmal der Gedanke kommen konnte, so große Dinge auszuführen, und zeigten, daß sie nicht nur diesen Gedanken gefaßt, sondern auch mit leichter Mühe verwirklichet haben. Mit diesem Hauptpunkte unserer Rede wollen wir uns nun heute wieder beschäftigen, nämlich wie sie sich konnten in den Sinn kommen lassen, die ganze Welt zu besiegen, wenn sie nicht Christum, den Auferstandenen, gesehen hätten? Waren sie denn nicht bei Sinnen, daß sie ohne Grund und aufs Gerathewohl so Etwas dachten? Denn wahrlich, es übersteigt allen Wahnsinn, sich ohne Gottes Gnade einen solchen Erfolg zu versprechen. Wie aber konnten sie dieses Werk zu Stande bringen, wenn sie wahnsinnig und ausser sich waren? Waren sie aber bei Sinnen, wie Dieß die Thatsachen zeigten, wie konnten sie es wagen, ohne Beglaubigung vom Himmel und ohne göttlichen Beistand so gewaltige Kämpfe zu bestehen, Krieg zu führen zu Land und zu Wasser, die seit so langer Zeit bestandenen Sitten der ganzen Welt umzuwandeln? Wie konnten zwölf Männer Dieses wagen und so unerschrocken ausharren? Ja noch mehr: wie konnten sie erwarten, daß die Zuhörer ihnen Beifall zollen würden, da sie dieselben zum Himmel und zum Aufenthalte dort oben beriefen? Und wären sie auch berühmt, reich, mächtig und wohl unterrichtet gewesen, auch dann war es noch nicht wahrscheinlich, daß sie sich an ein so schwieriges Unternehmen gewagt hätten, wiewohl in diesem Falle ihre Erwartung einigen Grund gehabt hätte. Nun aber waren Einige von ihnen Fischer, Andere arbeiteten an Zelten, Andere waren in Zollbuden beschäftigt. Diese Beschäftigungen aber sind nun nichts weniger als geeignet, Jemandem hohe Weisheit beizubringen und erhabene Gedanken einzuflößen besonders wenn er kein Beispiel vor sich hat. Sie aber [S. 79] hatten nicht nur keine Beispiele, die ihnen einen guten Erfolg versprochen hätten, sondern sogar Beispiele vom Gegentheile, und die noch in frischem Andenken waren. Denn Viele, die nach Neuerungen trachteten, waren umgekommen. Ich rede da nicht von den Griechen, deren Zustand ganz bedeutungslos war, sondern von den Juden, die eben zu der Zeit nicht etwa mit zwölf Männern, sondern in großer Menge sich wider die bestehende Ordnung empörten. Denn Theudas und Judas, die zahlreiche Volksschaaren hatten, gingen mit ihren Anhängern zu Grunde; und die Furcht vor einem ähnlichen Loose war wohl geeignet, die Apostel zu schrecken, hätten sie nicht die volle Überzeugung gehabt, daß ohne göttlichen Beistand der Sieg unmöglich sei. Und wenn sie auch einen siegreichen Erfolg erwarten konnten: mit welcher Hoffnung bestanden sie so große Gefahren, wenn sie nicht auf das Zukünftige schämen? Und zugegeben, daß sie Hoffnung hatten zu siegen: welchen Gewinn konnten sie sich daraus versprechen, daß sie alle Menschen zu Dem hinführten, der, wie ihr sagt, nicht auferstanden ist?

1: II. Kor. 5, 21.
2: Jerem. 9, 23.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger