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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Zweiundvierzigste Homilie. Kap XII. V.33-37.

1.

V.33: "Entweder pflanzet einen guten Baum und dann ist auch seine Frucht gut, oder pflanzet einen schlechten Baum und dann ist auch seine Frucht schlecht. Denn an seiner Frucht erkennt man den Baum."

Von neuem beschämt der Herr die Juden durch ein anderes Beispiel und begnügt sich nicht mit dem früheren Tadel. Doch tut er dies nicht in der Absicht, sich selbst gegen Vorwürfe zu verteidigen1 , vielmehr will er die Juden bekehren. Der Sinn seiner Worte ist der: Keiner von euch hat den Geheilten einen Vorwurf gemacht, als ob sie gar nicht wirklich geheilt worden wären, noch hat einer gesagt, es sei eine Sünde, andere vom Teufel zu befreien. Denn wenn sie auch noch so ausgeschämt waren, das konnten sie doch nicht sagen. Da sie also den Werken selbst nichts anhaben konnten, so verdächtigten sie wenigstens den, der sie vollbrachte. Damit zeigen sie aber nur, dass ihr Vorwurf aller Vernunft und jedem sachlichen Urteil zuwider war. Das bringt aber nur vollendete Bosheit zustande, nicht bloß Böses zu tun, sondern selbst Dinge auszusinnen, die geradezu gegen den gesunden Menschenverstand sind. Beachte aber, wie unanfechtbar das Argument des Herrn ist. Er sagt nicht: Pflanzet einen guten Baum, weil seine Frucht gut ist. Vielmehr zwingt er sie in ganz überlegener Weise zum Schweigen und gibt dabei sowohl seine eigene Milde als die Böswilligkeit der anderen zu erkennen, indem er sagt: Wenn ihr auch meine Werke tadeln wollt, ich hindere euch nicht daran; nur sollen eure Vorwürfe nicht unverständig und sinnlos sein. Auf diese Weise konnte er sie nur um so offenkundiger fassen, da sie ja gegen die klare Vernunft ankämpften. Eure böse Absicht ist also umsonst und ihr kommt mit euren Reden in Widerspruch mit euch selbst. Der Baum wird ja nach seiner Frucht beurteilt, nicht die Frucht nach dem Baum. Ihr tut aber das Gegenteil. Denn wenn auch der Baum die Frucht hervorbringt, so dient doch die Frucht zur Beurteilung des Baumes. Wenn ihr nun aber mich anklagen wolltet, so wäre es nur folgerichtig gewesen, auch meine Werke anzuklagen, oder wenn ihr diese loben wolltet, hättet ihr auch mich, ihren Urheber, mit Vorwürfen verschonen sollen. Jetzt tut ihr aber das gerade Gegenteil; während ihr gegen meine Werke nichts vorzubringen habt, die doch nur die Frucht sind, urteilt ihr ganz anders über den Baum und nennt mich einen Besessenen. Das ist aber doch ein Zeichen von äußerstem Unverstand. Was nämlich der Herr schon früher gesagt hatte, das bringt er auch jetzt wieder vor, dass nämlich ein guter Baum keine schlechten Früchte bringen könne und eben sowenig umgekehrt. Ihre Vorwürfe waren also gegen alle Vernunft und gegen das Naturgesetz. Da es sich aber nicht um ihn selbst, sondern um den Hl. Geist handelte, so tadelt er sie auch in überaus scharfen Worten, und sagte:

V.34: "Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, da ihr doch selber schlecht seid?"

Damit hat er sie nicht bloß getadelt, sondern hat auch den Beweis für seine Worte von ihnen selbst genommen. Sieh nur, sagt er, weil ihr schlechte Bäume seid, könnt ihr auch keine gute Frucht bringen. Darum wundere ich mich auch nicht, dass ihr in dieser Weise redet; ihr seid eben schon schlecht erzogen worden, seid Kinder böser Voreltern und habt eine böse Gesinnung ererbt. Beobachte auch, mit welcher Vorsicht er seinen Tadel ausspricht, so dass sie ihm ganz und gar nichts anhaben können. Er sagt nicht: wie könnt ihr Gutes reden, da ihr ja eine Schlangenbrut seid? Das hätte seinem Zweck nicht entsprochen; vielmehr sagte er: "Wie könnt ihr Gutes reden, wenn ihr böse seid."Schlangenbrut nannte er sie aber deshalb, weil sie sich ihrer Abstammung immerfort rühmten. Er zeigt ihnen deshalb, dass ihnen das gar nichts nützt und entzieht damit ihrem Pochen auf ihre Verwandtschaft mit Abraham den Boden; dafür stellt er sie ihren gleichgesinnten Vorfahren an die Seite und benimmt ihnen so ihre diesbezügliche Prahlerei. "Denn der Mund redet aus der Fülle des Herzens." Damit gibt er wieder seine Gottheit zu erkennen, die auch die geheimen Gedanken sieht, und zeigt, dass sie nicht bloß für ihre Reden, sondern auch für die bösen Gedanken Rechenschaft abzulegen hätten, und dass er dieselben erkennt, weil er eben Gott ist. Doch sagt er, dass auch2 die Menschen die Gedanken erkennen könnten; denn es ist ganz natürlich, dass das innere Übermaß der Bosheit nach außen sich kundgibt durch die Worte, die aus dem Munde kommen. Wenn du also einen Menschen Böses reden hörst, so glaube nicht, es sei nur so viel Böses in ihm, als seine Worte verraten; schließe vielmehr daraus, dass die Quelle noch viel größer sein müsse; denn das äußere Wort ist ja nur die Überfülle des Innern. Siehst du da, wie fest der Herr sie packte? Wenn schon ihre Worte so schlecht und dem Teufel selbst aus dem Herzen gesprochen waren, so bedenke, wie erst die Wurzel und Quelle der Worte beschaffen sein muß. Diesen Schluß zieht man auch mit Recht. Denn die Zunge schüttet ja oft aus Schamgefühl ihre Bosheit nicht in so reichlichem Maße aus, während das Herz, das niemanden zum Zeugen hat, ungescheut Böses hervorbringt, soviel ihm gefällt; denn um Gott kümmert es sich nicht viel. Während also das gesprochene Wort geprüft und allen vorgelegt wird, bleibt das3 im Dunkel verborgen; deshalb sind die Worte weniger hoch anzuschlagen, während das Herz strenger zu beurteilen ist. Wird aber die Spannung im Inner zu groß, so macht sich das bisher Verborgene mit großem Zischen Luft. Wie diejenigen, die sich erbrechen müssen, im Anfang sich bemühen, die aufsteigende Flüssigkeit zurückzuhalten, dann aber, wenn sie nicht mehr können, den unreinen Stoff in Menge von sich geben, so machen es auch jene, die böse Absichten hegen und den Nächsten begeifern.

V.35: "Der gute Mensch bringt aus seinem guten Schatze Gutes hervor; der Böse dagegen aus seinem bösen Schatze Böses."

1: dafür genügte ja, was er früher sagte
2: statt ouk muß offenbar kai stehen
3: bloß im Herzen gedachte

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger