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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Dritte Homilie.

IV.

Wenn also Gott, der beim Anfange keiner Gelehrten bedurfte, später geübte Redner sich wählte, so geschah Dieß nicht aus Bedürfniß, sondern weil es ihm einerlei war. Wie er aber zur Ausführung seines Planes keiner Sophisten bedurfte, so schloß er sie auch nicht aus, als sie sich fanden Du aber sollst mir zeigen, ob Petrus und Paulus geübte Redner gewesen; allein Das kannst du nicht; denn sie waren ungelehrt und unstudiert. Wie nun Christus, als er seine Jünger in die Welt aussandte, ihnen zuerst in Palästina seine Macht zeigte, indem er sprach: „Als ich euch ohne Beutel, ohne Reisetasche, ohne Schuhe ausgeschickt habe, hat euch Etwas gemangelt?“ Und wie er ihnen künftig Reisetasche und Beutel zu haben erlaubte, so machte er es auch hier. Denn hier handelte es sich darum, die Kraft Christi zu zeigen, nicht aber durch Weltweisheit Diejenigen, die da glauben wollten, abzuschrecken. Wenn daber die Heiden den Jüngern Unwissenheit vorwerfen, so können wir mit mehr Grund sie selbst beschuldigen. Niemand sage auch, Paulus sei ein Weltweiser gewesen; vielmehr wollen wir jene Männer, welche bei den Heiden als große Weise und hochgefeierte Redner [S. 47] gelten, erheben und sagen, die Unsrigen seien alle ungelehrt gewesen. Denn auch von dieser Seite werden wir über sie keinen geringen Vortheil gewinnen, denn so wird der Sieg ein glänzender sein.

Dieses habe ich gesagt, weil ich selbst einmal zugehört habe, wie ein Christ und ein Heide einen lächerlichen Wortstreit führten und eben Dasjenige bekämpften, was ihnen günstig war. Denn der Heide sagte, was der Christ hätte sagen sollen; und was zum Vortheil des Heiden war, Das brachte der Christ vor. Die Rede war von Paulus und von Platon; der Heide suchte zu beweisen, daß Paulus unwissend und ungelehrt gewesen sei; der Christ aber bemühte sich aus Einfalt zu zeigen, daß Paulus gelehrter, beredter gewesen. Wäre diese Behauptung richtig, so stände der Sieg auf Seite des Heiden; denn wofern Paulus den Platon an Beredsamkeit übertraf, so konnten Viele billig die Einwendung machen, er babe nicht durch Gottes Gnade, sondern durch Rednerkunst gesiegt. Also war Das, was der Christ behauptete, dem Heiden günstig; und was der Heide sagte, war zum Vortheil des Christen. Denn wenn Paulus ungelehrt war und dennoch den Platon übertraf, so war ja Dieß, wie gesagt, ein glänzender Sieg; denn dieser Ungelehrte überzeugte alle Anhänger Platon’s und zog sie an sich. Daraus erhellet, daß die Verkündigung des göttlichen Wortes nicht durch menschliche Weisheit, sondern durch die Gnade Gottes geschah. — Damit uns also nicht Dasselbe begegne, und damit wir uns durch dergleichen Dispute mit den Heiden nicht lächerlich machen, so wollen wir von den Aposteln gestehen, daß sie ungelehrt waren denn dieser Vorwurf ist Lob. Und wenn Jene sagen, die Apostel seien ungebildete Leute gewesen, so wollen wir noch hinzusetzen und sagen, sie seien unwissende, unstudierte, arme, niedrige und unberühmte Männer gewesen. Das gereicht den Aposteln nicht zur Schande, sondern zur Ehre, daß sie, da sie solche Männer waren, berühmter geworden sind als Alle auf dem ganzen Erdkreise. Denn diese Un- [S. 48] wissenden, Ungebildeten und Ungelehrten haben die Weisen und die Mächtigen, die Tyrannen und die von Reichthum, Ehre und andern äussern Gütern Aufgeblasenen, als wären diese keine Männer gewesen, aus dem Felde geschlagen. Daher ist es offenbar, daß die Kraft des Kreuzes groß ist, und daß Dieses nicht durch menschliche Kraft geschehen konnte. Denn was geschah, war nicht natürlich, sondern es überstieg die Kräfte der Natur. Wo aber Etwas die Kräfte der Natur übersteigt und weit übertrifft und zugleich gut und nützlich ist, da ist es klar, daß Dieses durch göttliche Kraft und Mitwirkung geschieht. Erwäge einmal: der Fischer, der Zeltmacher, der Zöllner, der Unwissende, der Ungelehrte — sie kamen aus dem fernen Palästina, brachten die Philosophen und die gewandtesten Redner alle zum Weichen und überwanden sie in kurzer Zeit, ungeachtet der vielen Gefahren und des Widerstrebens der Völker und Könige, ungeachtet sie die Natur und das Alterthum zu bekämpfen hatten; ungeachtet ihnen die verjährte Gewohnheit mächtig entgegenstand; unbeachtet die Dämonen bewaffnet waren und der Teufel, zum Kampfe gerüstet, Alles aufbot, — Könige, Fürsten, Völker, Nationen, Städte, Barbaren, Griechen, Philosophen, Rhetoren, Sophisten, Geschichtschreiber, Gesetze, Gerichte, mannigfache Strafen, zahllose und vielgestaltige Todesarten. Dennoch ward Dieß alles durch die Predigt jener Fischer besiegt und zerstreut wie leichter Staub, der dem Sturmwinde nicht zu widerstehen vermag. Lernen wir also mit den Heiden so disputiren, daß wir nicht wie Rinder und Schafe erscheinen, sondern bereit seien, Rechenschaft von unserer Hoffnung zu geben. Einstweilen wollen wir über diesen nicht unwichtigen Punkt nachdenken und zu ihnen sprechen: Woher kam es, daß die Schwachen die Starken, die Zwölfe den ganzen Erdkreis besiegt haben, da sie doch nicht gleiche Waffen hatten, sondern wehrlos gegen Bewaffnete standen?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger