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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Erste Homilie.

I.

Kap. I.

1. 2. 3. Paulus, berufener Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, und Sosthenes, der Bruder, an die Kirche Gottes, welche zu Korinth ist, an die Geheiligten in Christo Jesu, die berufenen Heiligen, sammt Allen, welche anrufen den Namen unseres Herrn Jesus Christus, an jeglichem Orte, ihres sowohl als unseres (Herrn), Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

I. Sieh’, wie er gleich im Beginne ihren Stolz niederschlägt und ihren ganzen Eigendünkel zu Boden schmettert, indem er sich berufen nennt. Denn was ich weiß, spricht er, habe ich nicht selbst erfunden, noch bin ich durch eigene Weisheit dazu gekommen, sondern während ich die Kirche verfolgte und verheerte, bin ich berufen worden. Hier wird dem Berufenden Alles, dem Berufenen aber so zu sagen Nichts zugeschrieben als der Gehorsam — „Jesu Christi“. Euer Lehrer ist Christus; und ihr stellt Menschen auf zu Lehrmeistern? „Durch Gottes Willen.“ Denn Gott hat es gewollt, daß ihr so gerettet werdet. Denn wir haben [S. 15] keine eigenen Verdienste, sondern durch Gottes Willen haben wir das Heil gefunden; wir sind berufen worden, weil es ihm also gefiel, nicht als wären wir dessen würdig gewesen. — „Und Sosthenes, der Bruder.“ Hier zeigt er wieder seine Bescheidenheit, indem er sich dem viel Geringern gleichstellt: denn zwischen Paulus und Sosthenes war ein großer Unterschied. Wenn er sich nun hier, wo der Abstand so groß war, dem Geringeren gleichstellt, wie können sich dann Diejenigen entschuldigen, welche Männer gleichen Ranges verachten! — „An die Kirche Gottes.“ Nicht an die Gemeinde (Kirche) dieses oder jenes Menschen, sondern Gottes.„Zu Korinth.“ Siehst du, wie er durch jedes Wort ihre Aufgeblasenheit niederschlägt und durch Alles ihren Sinn zum Himmel emporrichtet? Kirche Gottes aber nennt er sie, um anzuzeigen, daß sie einig sein müsse. Denn ist sie Gottes Kirche, so ist sie einig und Eins nicht nur zu Korinth, sondern auf dem ganzen Erdkreise. Denn der Name Kirche bezeichnet nicht Spaltung, sondern Einigung und Übereinstimmung. „An die GeHeiligten in Christo Jesu.“ Wieder setzt er den Namen Jesu, nirgendwo den von Menschen. Was ist aber die Heiligung ? Das Taufbad, die Reinigung. Er erinnert sie nämlich an ihre eigene Unreinigkeit, wovon er sie befreite, und mahnt sie, von sich bescheiden zu denken; denn nicht durch die eigenen guten Werke, sondern durch die Menschenfreundlichkeit Gottes wurden sie geHeiligt. An „die berufenen Heiligen". Denn nicht einmal Das, daß ihr durch den Glauben gerettet werden seid, sagt er, ist euer Verdienst: ihr seid nämlich nicht aus eigenem Antriebe gekommen, sondern ihr seid berufen worden. Also ist auch nicht einmal dieses Wenige ganz euer Werk. Und wäret ihr auch aus eigenem Antrieb gekommen, ihr, die ihr zahllosen Übeln unterworfen waret, so würde selbst in diesem Falle nicht euch, sondern Gott der Dank gebühren. Darum schreibt er auch an die Epheser die Worte: „Durch die Gnade seid ihr errettet mittels des Glaubens, und Dieß [S. 16] nicht aus euch.“1 Aber auch der Glaube ist nicht ganz euer Werk; denn ihr seid nicht dem Glauben zuvorgekommen, sondern habt nur gehorcht, nachdem ihr berufen worden. — „Sammt Allen, welche anrufen den Namen unseres Herrn Jesus Christus,“ nicht den Namen von Diesem oder Jenem, sondern den Namen des Herrn.„An jeglichem Orte, ihrem sowohl als unserem.“ Ist auch der Brief nur an die Korinther geschrieben, so gedenkt er doch aller Gläubigen auf der ganzen Erde und zeigt, daß die Kirche, obgleich an vielen Orten zerstreut, auf der ganzen Erde Eins sein müsse, und um so mehr die zu Korinth. Sind die Gläubigen dem Orte nach auch getrennt, so vereinigt sie der Herr, weil er für sie gemeinschaftlich ist. Darum setzt er, um sie zu vereinen, hinzu: unserem sowohl als auch ihrem. Diese Gemeinschaft ist aber viel wichtiger, als jene (dem Orte nach); — denn gleichwie Diejenigen, die an einem Orte wohnen, aber verschiedenen und sich widersprechenden Herren dienen, getrennt sind, ohne daß der Wohnort zu ihrer Vereinigung das Mindeste beiträgt, da ihre Gebieter Entgegengesetztes befehlen und an sich zu ziehen bemüht sind (wie es ja heißt:2 ) „Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon“): so hindert bei: Denjenigen, die an verschiedenen Orten wohnen, die Verschiedenheit der Orte nicht ihre Eintracht, woferne sie nicht verschiedene Herren haben, da der eine Herr sie vereinigt. Ich sage nun nicht, daß ihr als Korinther nur mit den Korinthern in Eintracht leben sollet, sondern mit allen Menschen auf der ganzen Erde, weil ihr einen gemeinschaftlichen Herrn habt. Darum fügt er zweitens hinzu: „unseres.“ Weil er nämlich gesagt hatte: „den Namen unseres Herrn Jesus Christus,“ so setzt er neuerdings bei: „unseres und ihres Herrn,“ damit es den Unverständigen nicht scheine, als mache er einen Unterschied. [S. 17] Und damit das Gesagte noch verständlicher werde, will ich den Text dem Sinne nach lesen: Paulus und Sosthenes an die Kirche, die zu Korinth ist, und an Alle, die den Namen unseres Herrn und ihres Herrn anrufen an jeglichem Orte, seien sie zu Rom oder wo sie immer sein mögen: „Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ Oder auch so — wie ich es auch für richtiger halte: Paulus und Sosthenes an die GeHeiligten zu Korinth, an die berufenen Heiligen sammt Allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen an jeglichem Orte, wo sie oder wir sind; das heißt: Gnade euch und Friede euch, die ihr zu Korinth geHeiligt und berufen worden seid, aber nicht euch allein, sondern Allen, die wo immer den Namen Jesu Christi, unseres und ihres Herrn, anrufen. — Wenn aber der Friede von der Gnade kommt, warum bist du denn stolz, warum denn aufgeblasen, da du aus Gnade gerettet wurdest? Wenn du aber mit Gott Frieden hast, warum schließt du dich Anderen an? Das heißt ja Empörung stiften. Was soll es denn heissen, wenn ihr mit Diesem und Jenem Frieden habt und dabei in Gunst stehet? Ich aber wünsche, daß euch Beides von Gott gegeben werde, durch ihn und mit ihm Frieden zu haben. Denn nichts hat Bestand, wenn es nicht von oben herab gekräftiget wird, und Nichts wird uns nützen, was nicht auf ihn Bezug hat; denn es kann uns nicht frommen, wenn wir mit Allen im Frieden leben, mit Gott aber Krieg führen; sowie es uns auch nicht schaden kann, wenn wir von Allen bekriegt werden, mit Gott aber Frieden haben. Und wieder kann es uns Nichts helfen, wenn wir allen Menschen gefallen, Gott aber beleidigen, während wir hingegen ohne alle Gefahr sind, wenn uns Gott Beifall und Liebe schenkt, sollten uns auch alle Menschen schmähen und hassen; denn die wahre Gnade und der wahre Friede kommt von Gott. Denn wer bei Gott in Gnaden steht, fürchtet Niemanden, und sollte er auch unzählige Leiden zu erdulden haben; er fürchtet nicht einmal den Teufel, geschweige denn einen Menschen. [S. 18] Wer aber in der Ungnade Gottes ist, fürchtet sich vor Allen, wenn er auch ruhig zu leben scheint; denn das Menschengeschlecht ist unbeständig, und nicht bloß Freunde und Brüder ändern oft aus geringfügigen Ursachen ihren Sinn, sondern auch Väter haben sogar ihre eigenen Kinder und Kinder ihre Väter ärger als Feinde behandelt und vertrieben.

1: Ephes. 2, 8.
2: Matth. 6, 24.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger