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Apokryphe Literatur - Oden Salomos

5. Ode

[Forts. v. [S. 30] ] Ich sage dir Dank, o Herr, denn ich habe dich lieb. 2 Höchster, verlaß mich nicht, denn meine Hoffnung bist du. 3 Umsonst habe ich deine Güte empfangen, ich lebe (oder: bin gerettet) durch sie. 4 Meine Verfolger werden kommen und mich nicht sehen; 5 eine Wolke der Finsternis wird auf ihre Augen fallen, und Luft der Dunkelheit wird sie umschatten, 6 und sie werden kein Licht haben, zu sehen, so daß sie mich nicht [S. 31] ergreifen (können). 7 Zum Stumpfsinn (?)1 möge ihr Gedanke werden, und was sie ausgesonnen haben, möge sich gegen ihr Haupt wenden; 8 denn sie haben einen Plan ausgedacht, und er ist ihnen nicht gelungen, sie haben sich böswillig vorbereitet, und es ergab sich, daß sie leer ausgingen. 9 Denn auf dem Herrn beruht meine Hoffnung, und ich werde mich nicht fürchten, und weil der Herr mein Erlöser ist, werde ich mich nicht fürchten. 10 Wie eine Krone ist er auf meinem Haupte, ich werde nicht beben, und wenn alles erschüttert wird, ich werde feststehen, 11 und wenn das Sichtbare zugrunde geht, ich werde nicht sterben; 12 denn der Herr ist mit mir, und ich mit ihm. Hallelujah.

(Zu Ode 5.)

[Forts. v. [S. 30] ] Diese Ode ist auch in der Pistis Sophia enthalten (s. o. S. 4. 14 ff. 20 f.); sie erinnert mehr als irgend eine andere an die kanonischen Psalmen und bedarf keiner Erklärung (Ps. 7, 17; 9,16; 146, 5).
1. Hier läßt sich nicht entscheiden, ob K („denn du bist mein Gott“) oder S („denn ich habe dich lieb“) das Ursprüngliche bietet. Möglich ist, daß der subjectiv stärker gefärbte Ausdruck der spätere ist; möglich, ja wahrscheinlicher ist, daß die Pistis Sophia diesen Ausdruck, der sich auch sonst in den Oden findet (s. Ode 3; 6, 2), vermieden hat.
2. „o Herr“ K, „Höchster“ S. Eine Entscheidung ist nicht möglich.
3. „Dein Gericht“ K, „deine Güte“ S. K kann im Rechte sein, wenn man, was Schmidt für gestattet hält, „dein Recht“ übersetzt. — Ohne Bedeutung ist die Variante „durch dich“ in K.
4. „hinfallen“ K, „kommen“ S; hier ist K wohl im Unrecht; denn erst 5 ff. wird von der Strafe berichtet.
7. Die Worte, wie sie in K lauten: „möge ihr Gedanke machtlos werden“, sind keine Variante.
8. In der Mitte dieses Verses finden sich in K die Worte: „und sie sind besiegt, obwohl sie mächtig sind“; sie sind als echt anzuerkennen; denn K bietet keine willkürlichen Zusätze. v. 8c lautet in K besser: „und was sie böswillig bereitet haben, ist auf sie herabgefallen“. S ist verderbt.
9. In K fehlt das zweite: „ich werde mich nicht fürchten“ (vorher heißt es: „denn Du bist mein Gott, mein Erlöser“). Die Fassung in S ist vielleicht vorzuziehen, weil sie einen Parallelismus ergibt. Non liquet.
10. S. Ode 1. 9. 17. 20. Specifisch Christliches findet sich in der Ode nicht. Von dieser Ode sind in K die Originalworte ἐλπις, ἀερος, κακως, σωτηρ erhalten. Letzteres ist nicht unwichtig. — Bemerkenswert ist, daß in Ode 3 die Liebe ein Hauptstichwort ist, in Ode 4 der Glaube, in Ode 5 die Hoffnung und in Ode 6 die Erkenntnis. Ist das zufällig?

1: wörtl. „Geschwulst“, in übertrag. Bed. vielleicht „Stumpfsinn“, wie das von derselb. Wurzel herstammendeלביותא ܠܒܝܘܬܐauch „Dicke“ und „geistige Stumpfheit“ bedeutet. Harris „dicke Finsternis“, Pistis Sophia: „möge ihr Gedanke machtlos werden“.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger