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Apokryphe Literatur - Oden Salomos

22. Ode

Er, der mich herabbrachte aus der Höhe, wird mich [S. 53] auch hinaufführen aus den Niederungen, 2 er, der die in der Mitte befindlichen Dinge sammelt, der tut1 mich auch (mitten) hinein. 3 Er, der meine Feinde und meine Widersacher zerstreut, 4 ist der, der mir die Macht gab über die Fesseln, sie zu lösen. 5 Der du durch meine Hände den siebenköpfigen Drachen bezwangst, du hast mich auch über seine Wurzeln gestellt, daß ich seinen Samen austilgen möchte. 6 Du warst daselbst und halfst mir, und allerorten ward dein Name von mir gesegnet. 7 Deine Rechte hat sein schlimmes Gift2 zerstört, und deine Hand hat den Weg für die geebnet, die an dich glauben. 8 Du hast sie zusammengebracht aus den Gräbern und sie von den Toten gesondert. 9 Du hast die erstorbenen Gebeine genommen und sie mit Leibern überkleidet; 10 und sie waren unbeweglich, und du hast ihnen Hilfe3 zum Leben gegeben. 11 Unvergänglich ist dein Weg geworden und dein Antlitz4. Du hast deine Welt zur Vernichtung geführt, damit alles aufgelöst und erneuert würde, 12 und [S. 54] die Grundlage für alles dein Felsen würde, und auf ihn hast du dein Reich gebaut, und es ist der Wohnplatz der Heiligen. Hallelujah.

(Zu Ode 22.)

[Forts. v. [S. 52] ] Diese Ode ist auch in K erhalten.
1. Es ist wohl an Präexistenz zu denken (s. 28, 15; 41, 15 f.); aber ob der Messias hier spricht, ist sehr fraglich; jedenfalls ist an Jesus Christus nicht zu denken. Auch Harris sagt: „There is nothing definitely Christian about the Psalm …; it seems to be a Jewish product, or at least the work of a Judaeo-Christian“[?].
2. Die Lesart von K: „der, welcher die in die Mitte befindlichen Dinge dorthin getragen hat, hat mich über sie belehrt“, ist um einen Grad unverständlicher als die von S. Ist die Erde gemeint als die Mitte zwischen Himmel und Unterwelt? Ich verstehe den Vers nicht, ziehe aber S vor.
5. Ob unter dem Drachen ein bestimmter höllischer Feind gemeint ist oder der Satan, ist unsicher; letzteres ist wahrscheinlich; s. Hermas, Vis. IV, Test. Aser 7: ἐν ἡσυχίᾳ συντρίβων τὴν κεφαλὴν τοῦ δράκοντος, etc.
5 b. „Wurzeln“] das Bild ist seltsam; gemeint sind die Ursprünge, aus denen er sich neu zu bilden vermag. S. 38, 18 f.
6. Die LA von K: „und an allen Orten umgab mich Dein Name“, ist vorzuziehen.
9. Fleischesauferstehung der Gerechten.
11. „und dein Antlitz“] ist unverständlich; aber K und S lesen so.
12. K bietet statt „dein Felsen“ vielmehr „dein Licht“; da das Licht als Fundament unverständlich und da die Pistis Sophia sich mit dem Licht so viel zu schaffen macht, so scheint die LA von S glaubwürdiger; aber was ist unter dem Felsen Gottes zu verstehen? Die LA von S klingt an Matth. 16 an; doch ist das wohl nur zufällig. K bietet: „Du hast Deinen Reichtum (s. 41, 10: „sein Reichtum hat mich erzeugt“; 9, 4: „seid reich in Gott“; 11, 9. 14: „im Paradies ist der Reichtum der Lust des Herrn“) auf sie gebaut, und sie sind ein heiliger Wohnort geworden“. Diese LA ist viel weniger glatt als die von S, aber vielleicht doch die richtige. Non liquet. Harris sucht eine concrete, bekannte geschichtliche Situation für diesen Psalm zu ermitteln; aber das ist hoffnungslos, und er selbst zieht den Versuch halb zurück, indem er meint, es könne auch an den Descensus ad inferos gedacht werden. Das scheint mir weniger wahrscheinlich trotz einiger Verse, die man so deuten kann. — Von dieser Ode sind in K die Originalworte ἀντιδικους, ἐξουσιαν, ἐπαταξε, σπερμα, πιστοις, ταφοις, σωμα, ἐνεργειαν, αἰωνα erhalten. Letzteres (= Welt) ist nicht unwichtig (v. 11). — Vergleichen kann man Jes. 26, 5; Ps. 89, 11; 54, 6; 20, 2; 25, 8. 9; Ezech. 37, 12. 13; Ps. 18, 31 etc.

1: Der Kopte: „hat mich belehrt“; somit wäre es möglich, daß wir mit Harris ורדא ܘܪܕܐ statt ורמא ܘܪܡܐ zu lesen hätten.
2: d. Kopte: „Gift des Verleumders“.
3: d. Kopte: „Lebenskraft“.
4: so möchte ich mit dem Kopten trennen, denn פדצופ ܦܕܨܘܦ ist Mascul. und kann nicht mit der Femininform איתית ܐܝܬܝܬ verbunden werden. Harris: „dein Antlitz brachte die Welt zur Vernichtung“.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger