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Johannes Flemming, Einleitung. In: Ein jüdisch-christliches Psalmbuch aus dem ersten Jahrhundert, aus dem syrischen übersetzt von J. Flemming, herausgegeben von Adolf von Harnack (TU 35/4), Leipzig 1910.
Einleitung

1. Die Handschrift.

[S. 1] Rendel Harris1 hat eine syrische Papierhandschrift, die er seit mehr als zwei Jahren besitzt, nunmehr mit einer englischen Übersetzung und einem ausgezeichneten Commentare publiciert. Die Handschrift soll 3-400 Jahre alt sein und aus dem Tigrislande stammen2. Der Text ist gut; er ist sorgfältig, wenn auch etwas roh geschrieben, hin und her mit Vokalen in nestorianischer Weise ausgestattet; vereinzelt finden sich, wohl von späterer Hand, griechische Vokale in jakobitischer Weise. Die Handschrift zählt 56 Blätter (in Heften zu 6 Blättern), ist aber am Anfang und Ende defect. Vom ersten Heft fehlen drei Blätter, vom sechsten Heft ein Blatt. Ob sich daran noch ein oder mehrere Hefte schlossen, bleibt zunächst ungewiß. Ungewiß bleibt auch, was die Handschrift enthalten will, da Auf- und Unterschrift fehlen.

Allein die Ungewißheit läßt sich heben. Harris erkannte, daß die zweite, etwas kürzere Hälfte der Handschrift (jetzt auf dem 32., ursprünglich auf dem 35. Blatte beginnend) die 18 Psalmen Salomos enthält, und zwar vom 1. Psalm bis zum 17. (v. 37). Es fehlen also nur Ps. 17, 38—51 und Ps. 18, 1—14, d. h. 28 Verse. Da die 306 übrigen Verse in der Handschrift 25 Blätter füllen, so beträgt das fehlende Stück 25 multipliziert mit 28 dividiert durch 306 Blätter = 2 1/3, also drei Blätter.3 Die Handschrift hatte also ursprünglich 62 beschriebene Blätter, von denen am Anfang und Ende je 3 Blätter jetzt fehlen.

[S. 2] Die Psalmen Salomos sind in der Handschrift nicht von 1—18 (17) gezählt, sondern von Nr. 43—60, weil 42 (jetzt 40) Psalmen vorangehen, an die sich die bekannten Psalmen Salomos4 so anreihen, als bildeten sie mit ihnen ein Werk. Diese 40 Psalmen waren bisher unbekannt. Aber einem so gelehrten Manne wie Harris konnte nicht zweifelhaft sein, wo er zunächst zu suchen habe. Er erinnerte sich der „Oden Salomos“, die in der altchristlichen Literatur vorkommen, und diese Erinnerung war sofort mit einem vollen Erfolge gekrönt.

1: J. Rendel Harris, The Odes and Psalms of Solomon, now first published from the Syriac Version. Cambridge, 1909.
2: „From the neighbourhood of the Tigris“: mehr sagt Harris (p. 3) nicht; auch ist ein Facsimile nicht gegeben.
3: Harris nimmt infolge einer, wie mir scheint, irrtümlichen Berechnung fünf fehlende Blätter an.
4: S. die Ausgabe von Gebhardt, Texte u. Unters. Bd. 13, H. 2 (1895).

 

 

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Oden Salomos (Apokryphe Literatur)

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger