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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Einundvierzigste Homilie. Kap XII, V.25-32.

1.

V.25: "Da aber Jesus ihre Gedanken kannte, sprach er zu ihnen: Jedes Reich, das gegen sich selbst geteilt ist, wird verwüstet werden. Und jede Stadt und jedes Haus, das wider sich selbst geteilt ist, wird nicht bestehen bleiben.

V.26: Und wenn der Teufel den Teufel austreibt, so ist er wider sich selbst geteilt. Wie soll also sein Reich Bestand haben?"

Schon früher hatten die Juden dem Herrn vorgeworfen, er treibe die Teufel im Namen des Beelzebub aus. Indes tadelte er sie damals nicht, sondern gab ihnen Gelegenheit, seine Macht an weiteren Wundern zu erkennen und seine Größe aus seiner Lehre zu ersehen. Da sie aber unaufhörlich dasselbe wiederholten, so hat er sie zuletzt auch getadelt. Zuerst zeigt er ihnen aber seine Gottheit dadurch, dass er ihre geheimen Gedanken ans Licht zieht, sodann auch durch die Leichtigkeit, mit der er die Teufel austreibt. Der Vorwurf der Juden war ja auch überaus unverschämt. Denn, wie schon gesagt, dem Neidischen ist es nicht um die Sache zu tun, sondern nur darum, irgend etwas zu sagen. Trotzdem verachtete Christus sie nicht, sondern verteidigte sich mit gewohnter Sanftmut und gab damit auch uns die Lehre, gegen unsere Feinde sanftmütig zu sein; und wenn sie selbst Dinge uns vorwerfen, deren, wir uns selbst gar nicht bewußt sind, und die gar keinen Sinn haben, so sollen wir uns nicht betrüben und verwirren lassen, sondern mit aller Sanftmut ihnen Rechenschaft ablegen. Geradeso machte es damals der Herr und lieferte damit den besten Beweis für die Unwahrheit ihrer Anklage. Denn ein Besessener wäre ja doch nicht imstande gewesen, soviel Sanftmut zu zeigen, und ebensowenig kann ein solcher die geheimen Gedanken erkennen. Denn gerade weil dieser Verdacht so ungeheuerlich war und weil sie sich vor dem Volke fürchteten, deshalb wagten es die Pharisäer auch nicht, ihre Anklage offen auszusprechen, sondern behielten sie in ihrem Innern. Während aber der Herr ihnen zeigt, dass er auch diese Gedanken kenne, macht er ihnen gleichwohl keine Vorwürfe und stellt ihre Schlechtigkeit nicht an den Pranger. Er gibt einfach die Antwort und überläßt die Beschämung dem Gewissen derer, die den Vorwurf erhoben hatten. Ihm lag eben nur eines am Herzen, den Sündern zu nützen, nicht, sie bloßzustellen. Denn hätte er eine lange Rede gegen sie halten, sie lächerlich machen und ihnen dazu noch die schwerste Strafe auferlegen wollen, so hätte ihn nichts daran hindern können. Indes unterläßt er dies alles und ist nur auf eines bedacht, seine Gegner nicht noch erbitterter, sondern sanftmütiger und auf diese Weise zum Guten tauglicher zu machen.

Wie verteidigt er sich also ihnen gegenüber? Er führte keine Beweise aus der Hl. Schrift an1 , vielmehr bringt er einen Vergleich aus dem gewöhnlichen Leben. "Jedes Reich", sagt er, "das wider sich selbst geteilt ist, wird keinen Bestand haben; und wenn eine Stadt und ein Haus geteilt ist, so wird es schnell zugrunde gehen." Auswärtige Kriege führen ja nicht so rasch das Verderben herbei als innere. Dasselbe ist auch bei den Leibern der Fall, wie überhaupt bei allen Dingen. Doch entnimmt der Herr seine Beispiele von bekannten Vorgängen. Denn was gibt es Stärkeres auf Erden als ein Königreich? Nichts. Gleichwohl geht es durch innere Wirren zugrunde. Wenn man aber schon bei ganzen Reichen die Hauptursache des Verderbens in inneren Zwistigkeiten suchen muß, um wieviel mehr, glaubst du, wird dies dann erst bei einer Stadt und bei einem bloßen Haus der Fall sein? Ja, mag es sich um etwas Großes oder Kleines handeln, wo innerer Zwiespalt ist, da kommt der Untergang. Wenn also ich einen Dämon habe und durch ihn die Teufel austreibe, so herrscht Zwietracht und Kampf und gegenseitiger Krieg unter den Dämonen. Wenn sie aber gegeneinander sich erheben, so ist ihre Macht gebrochen und vernichtet. "Denn wenn der Satan den Satan austreibt2 , so ist er wider sich selbst geteilt." Wenn er aber geteilt ist, so ist er geschwächt worden und geht zugrunde; wenn er aber zugrunde ging, wie kann er einen anderen austreiben? Siehst du, wie lächerlich die Anklage der Juden war? Wie töricht? Wie feindselig? Denn man kann doch nicht zu gleicher Zeit sagen, des Teufels Reich stehe fest, und der Teufel selbst treibe die Teufel aus, oder sagen, es stehe gerade aus dem Grunde fest, wegen dessen es hätte zugrunde gehen sollen. Das ist die Lösung der ersten Frage; die der zweiten nachfolgenden Frage betrifft die Jünger. Der Herr löst nämlich die Einwände seiner Gegner niemals bloß auf eine Art, sondern stets auch auf eine zweite und dritte, um so durch die Fülle von Gründen ihre Keckheit zum Schweigen zu bringen. So machte er es auch, als es sich um den Sabbat handelte, wo er den David zum Beweis anführte, die Priester und das Schriftzeugnis, das da lautet: "Erbarmen will ich und nicht Opfer"3 , und wo er auch die Ursache nannte, wegen deren der Sabbat eingesetzt war, indem er sagte: "Des Menschen wegen ist der Sabbat da"4 . Geradeso macht er es also auch hier. Nach der ersten Antwort gibt er die eine zweite, die noch deutlicher ist als die vorhergehende.

V.27: "Wenn nämlich ich, sagt er,"in Beelzebub die Teufel austreibe, in wessen Namen treiben eure eigenen Kinder sie aus?"

1: sie hätten ja doch nicht darauf geachtet, sondern nur alles weggedeutet
2: und er sagte nicht "der Dämon", um zu zeigen, dass sie gar sehr untereinander zusammenhalten
3: Hos 6,6
4: Mk 2,27

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger