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Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 9. Stellung des Pachomius zum Klerus.

So oft sich nun für sie die Notwendigkeit ergab, mit Pachomius an den unsterblichen Geheimnissen teilzunehmen, ließ er einen der benachbarten Priester kommen und feierte so das geistliche Fest. Denn er wollte nichts davon wissen, daß sich unter den Brüdern einer befände, der mit der Gewalt ausgestattet war, die Hände aufzulegen, er erklärte vielmehr, es sei besser und für die Mönche überaus nützlich, nicht nach Ehre und Würde und Ansehen zu streben, besonders beim gemeinsamen Leben, damit nicht aus diesem Anlaß Streit und Eifersüchteleien und Zwietracht entstehe. Denn wie der kleinste Funke, sagte er, der in die Scheuer fällt und nicht so rasch wie möglich ausgelöscht wird, oft die Ernte eines ganzen Jahres vernichtet, so schädigt auch der Gedanke an die Herrschlust, d. h. an die geistliche Würde, wenn er die Mönche befällt und nicht so schnell wie nur möglich unterdrückt wird, gar leicht auch die mühevollste Askese. Es ziemt sich mehr, sagte er, in gebührender Weise die Kirchen Gottes zu besuchen, und dies nützt [S. 823] auch den Mönchen. Wenn wir aber einen unter den Mönchen finden, der früher von den heiligen Bischöfen die Priesterwürde erhalten hat, den muß man als Diener dieses Priesteramtes annehmen. Denn in der alten Zeit bestand nicht das ganze Volk aus Leviten. Besonders den, der auswärts geweiht wird, um hier die priesterliche Tätigkeit auszuüben, wollen wir nicht gering schätzen, als ob er nach der Herrschaft strebte oder als ob er sich die Priesterwürde angemaßt habe. Wie sollten wir das erst bei dem, den wir freiwillig angenommen oder auch zu uns gerufen haben? Betrachten wir ihn doch lieber wie einen Vater, der auch darin gehorsam und ein Nachahmer der Heiligen wurde, besonders wenn er untadelhaft für Gott den Gottesdienst abhält. Wenn wir aber argwöhnen, er sei, da er eben ein Mensch ist, irgendwie vom rechten Pfade abgeirrt, so ist es nicht unsere Sache, über ihn zu richten. Denn Gott hat in seiner Gerechtigkeit für solche als Richter aufgestellt die Nachahmer der heiligen Apostel, die imstande sind, das Geistige mit gerechtem Entscheid zu beurteilen. Von uns aber wünscht unser Herr, daß wir mitfühlend und mitleidig gegeneinander werden, in beständigem Gebete zu Gott und im Eifer für seine Gebote, damit wir nicht in Versuchung fallen.

So sprach er darüber in schönen Worten und handelte auch danach. Denn wenn es sich einmal traf, daß ein Geistlicher zu ihm kam, der mit ihm zusammen zu sein wünschte, da ordnete sich Pachomius ihm und seiner Würde nach der kirchlichen Vorschrift in gebührender Weise unter, jener aber wiederum ahmte nach den Vorschriften der Askese die Brüder nach und war bemüht, sich freiwillig über das nötige Maß hinaus zu demütigen.

 

 

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Einleitung: Leben des heiligen Pachomius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger