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Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 36. Pachomius weist einen Bruder zurecht, der gegen die Regel gehandelt hat.

Und wieder einmal verreiste der Vater auf mehrere Tage aus dem Kloster, das er erbaut hatte und kam zu einem der Klöster, die unter ihm standen. Und die dortigen Brüder gingen heraus und ihm entgegen und begrüßten ihn. Da begann ein Kind eben jener Schar, das [S. 870] mitgekommen war, ihm zuzurufen: "In Wahrheit, Vater, seit du von hier fortgereist bist, bis auf diese Stunde wurden uns weder Gemüse noch Getreidespreu gekocht." Darauf antwortete der Heilige freundlich und sprach: "Kränke dich nicht, mein Kind, ich werde es machen." Er ging in dem Kloster herum und trat dabei auch in die Küche; da fand er den dort mit der Arbeit betrauten Bruder, wie er an einer Binsenmatte arbeitete. Er sprach zu ihm: "Sage mir, Bruder: Wie lange schon ist es her, daß du den Brüdern kein Gemüse mehr gekocht hast?" Der antwortete: "Zwei Monate." Der Vater sagte weiter zu ihm: "Weshalb hast du deinen Auftrag nicht erfüllt?" Der verteidigte sich und sprach: "Ich wollte dies, Vater, jeden Tag tun. Als ich aber merkte, daß das Gekochte nicht verzehrt werde, da die Brüder fast vollständig enthaltsam leben - denn die Kinder allein sind es, welche essen -, damit nun nicht die mit so großer Mühe verbrauchten Lebensmittel weggeworfen würden, da kein Mensch davon nimmt, was ich für töricht und unnötig hielt, - deshalb habe ich nicht gekocht. Um aber nicht wegen Trägheit dem Urteil zu verfallen, mache ich mit den Brüdern Binsenmatten. Denn ich weiß, daß einer von den mit mir Aufgestellten allein für ein so geringes Bedürfnis genügen kann und zur Bereitung so geringfügiger Speisen, als da sind Oliven und kleines Gemüse." Als der Heilige das gehört hatte, sprach er zu ihm: "Und wieviel Matten sind es denn, die ihr fertig gemacht habt?" Er antwortete: "Fünfhundert." Pachomius befahl: "Bringt sie her!" Als man sie gebracht hatte, ließ er sie sogleich in das Feuer werfen. Und er sprach zu ihnen: "Wie ihr die Regel, die euch hinsichtlich der Sorge für die Brüder gegeben war, vernachlässigt habt, so habe auch ich schonungslos eure Arbeit verbrannt, damit ihr erkennt, daß es nicht recht ist, Gesetze der Väter zu verachten, die zum Heil der Seelen gegeben sind. Oder wißt ihr nicht, daß einer, der sich dessen enthält, das zu genießen ihm freisteht, einen größeren Lohn von Gott gewinnt; wenn einer aber über etwas kein Verfügungsrecht erhalten hat und sich dessen aus Zwang und Gewalt enthält, [S. 871] weil er es nicht hat, der fordert vergeblich einen Lohn dafür. Denn wenn mehr und verschiedenartige Lebensmittel zur Mahlzeit vorgesetzt worden wären, dann hätten sich jene um Gottes willen Enthaltsamkeit auferlegt und reichen Lohn gewonnen. Wie aber wird die Enthaltsamkeit in dem angerechnet, worüber sie nicht einmal das Vergnügen hatten, frei zu verfügen und es zu genießen? Wegen eines kleinen Aufwandes an Öl also habt ihr einen so großen Nutzen für die Brüder vernichtet."

 

 

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Einleitung: Leben des heiligen Pachomius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger