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Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 26. Die Ausdauer des Pachomius im Wachen. Zurechtweisung des Kornelius.

Als er nun einmal mit einigen Brüdern in das Kloster reiste und es noch nicht erreicht hatte, da sich der Tag schon zum Abend neigte, sagte er zu ihnen: "Wohlan, laßt uns diese Nacht wachen!" Sie antworteten: "Wie es dir gefällt, Vater." Er sprach wieder zu ihnen: "Zwei Arten des Gebetes lehrte mich unser heiliger Vater Palamon: Wollen wir beten bis Mitternacht und dann bis zum Morgen ruhen, oder wollen wir schlafen bis Mitternacht und dann mit dem Gebet beginnen bis zum Morgen?" Als sie die letzte Art erwählten, da blieb der Greis wach und wog mit Bedacht die Stunden des Schlafes und des Gebetes gegeneinander ab; denn er war des Wachens [S. 851] kundig und bereitwillig gegen die Fügsamen. Sie aber blieben weit hinter dem Mann zurück und legten sich nieder bis zur Stunde der Versammlung. Der eine nun verbarg sich gänzlich vor ihm - er war nämlich müde - und schlief die ganze Nacht hindurch. Der andere warf sich auf das Lager und gab sich lange Zeit dem Schlafe hin. Diesen rief Pachomius gegen Morgen und ließ ihn mit sich zum Gebet hintreten. Er selbst aber kreuzte nach seiner Gewohnheit die Arme die ganze Nacht hindurch und blieb unbeweglich, bis er sein Gebet vollendet hatte. Nachdem sie dann wieder viele Stadien gereist waren, kamen sie in dem Kloster an.

Als der Verwalter Kornelius1 hörte, daß der Große gekommen sei, fragte er den einen der Brüder, die ihn auf der Reise begleitet hatten: "Was sagte und tat unser Vater? Wo verweilte er die Tage in der Zwischenzeit?" Der Bruder antwortete ihm: "Du kennst den Mann und seinen Eifer. Gleichwohl hat er uns gehörig in seine Erziehung genommen in dieser Nacht." Nachdem er alles erzählt hatte, sprach Kornelius zu ihm: "O, diese Schwäche! Und du hast zugelassen, daß ein schwacher Greis dich, den jungen Mann, überwindet?" Während sie so redeten, hörte es der Große im Geiste.

Als es nun Abend geworden war, sprach er zu Kornelius: "Da mich gestern ein Anfall von Leichtfertigkeit überkommen hat, so wollen wir, wenn es dir recht ist, heute die Schuld tilgen und zum Gebet hintreten. Denn es steht geschrieben: "Betet und traget dem Herrn, eurem Gott, die Schuld ab!"2 -" Wohlan, wache mit uns!" Dieser erwiderte: "Wie es dir recht ist, mein Vater!" Sogleich vollbrachte Pachomius in der Zelle das, wonach ihn verlangte, und dehnte das Gebet lange aus, um so den Kornelius mit Rücksicht auf seine Worte gehörig in Zucht zu nehmen und ihn zu belehren, mitfühlend zu sein und zu glauben, daß der Alte doch der tüchtigere sei.

Nach dem allgemeinen Gottesdienst der Brüder in [S. 852] ihrer regelmäßigen Versammlung hörte er mit dem Gebete auf; da sprach zu ihm der Bruder: "Was hast du getan, mein Vater! Nicht einmal Wasser habe ich getrunken und abends habe ich zuletzt Nahrung zu mir genommen." Pachomius erwiderte ihm: "Und du hast es zugelassen, Kornelius, daß dich ein schwacher Greis im Gebete überwindet?" Da merkte der Bruder, daß dem Großen die Worte, die er zu dem Bruder gesagt hatte, nicht verborgen geblieben waren, sondern daß er zugegen gewesen, und er sprach: "Ich habe gesündigt; verzeihe mir, daß ich nicht recht gedacht und gesprochen habe; denn in dir wohnt der Heilige Geist , und die Kraft Gottes ist mit dir." Nachdem er so auch diesen zum Guten unterwiesen hatte, entließ er ihn.

Und er begann wieder und ermahnte die Brüder, nicht zu achten auf die Schönheit und die Pracht dieser Welt, nicht auf wohlschmeckende Nahrung noch auf schöne Kleidung. Denn ihre Schönheit zeigte er auf in den Geboten Gottes, nach dem Psalmisten, der da sagt: "In Deinem Willen, o Herr, gabst Du meiner Schönheit Kraft".3 Wir suchen allein die Schönheit der Tugenden, die zugleich nützt. "Denn sagt mir", sprach er, "war Joseph nicht sehr schön von Angesicht? Aber nicht wegen seiner sichtbaren Schönheit wurde er König, sondern wegen des ihm innewohnenden Glanzes der Tugenden entging er dem Schrecklichen, besiegte und mied er die greuliche und bestrickende Sünde, deren Finsternis auszumalen jetzt nicht die Zeit ist. Ammon4 aber oder Absalom5 waren nicht von der Art. Sie vertrauten auf die Schönheit des Körpers allein, bereiteten sich durch verschiedene Sünden Verderben und entgingen nicht dem Gerichte; so fanden sie gänzlich ihr Verderben. Wir aber, Geliebte, wollen auf uns achten, indem wir weit jede fleischliche Begierde von uns entfernen, damit wir so in den Besitz der ewigen Güter gelangen und wahre Schönheit erwerben.

1: Vgl. S. 42 Anm.1 und S. 44 Anm.1 [820/822].
2: Ps 75,12.
3: Ps 29,8.
4: 2Kön 13
5: Ebd. 14,25.

 

 

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Einleitung: Leben des heiligen Pachomius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger