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Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 25. Pachomius weist ketzerische Mönche ab, die ihn zu einem Wunderzeichen herausfordern.

Während er dies den Brüdern erklärte und ihnen deutlich die Angriffe des Feindes zeichnete, da kamen ketzerische Asketen, die durch ihre härenen Kleider ihr wahres Innere verbargen, und sagten zu den Brüdern am Tore: "Wir sind von unserem eigenen Vater zu dem Großen abgeschickt worden. Gehet hinein, befahl er, und saget zu ihm: Wenn du in Wahrheit ein Mann Gottes bist und glaubst, daß Gott auf dich hört, wohlan denn, so wollen wir mit unseren Füßen diesen Fluß überschreiten, damit alle wissen, wer von uns größeren Freimut gegenüber Gott besitzt, wir oder du."

Als dies die Brüder dem Pachomius gemeldet hatten, da wurde er unwillig und sprach zu ihnen: "Saget mir nur: Ihr habt es fertiggebracht, ihnen Gehör zu schenken, ihr habt nicht erkannt, daß derartige Streitfragen mit Gott nichts zu tun haben und ihm vollkommen fremd sind, fremd nicht nur unserem Lebenswandel, sage ich, selbst nicht einmal für die Weltleute, die verständig und wahre Christen sind? Denn welches Gesetz gebietet uns, dies zu tun oder [S. 849] vorzuschlagen? Was denn gibt es in Wahrheit Unseligeres als diese Torheit, die verlangt, ich soll aufhören, meine Sünden zu bejammern und, wie ich doch muß, die ewige Strafe zu meiden, die aber verlangt, statt dessen mit meinen Sinnen Kinderspiel zu treiben und mich mit solchen Vorschlägen abzugeben?"

Sie sprachen wiederum zu ihm: "Diese waren also Ketzer und Gott Entfremdete, da sie sich erfrechten, dich dazu herauszufordern?"

Er antwortete ihnen und sprach: "Gewiß, dies ist ein Vorschlag von Ketzern. Habt ihr den apostolischen Ausspruch nicht gelesen, der da sagt: 'Nach ihrer Verhärtung und der Unbußfertigkeit ihres Herzens hat sie Gott überliefert ihrem unbewährten Verstande, so daß sie unfähig sind, sich zu verteidigen'.1 Jetzt hätten sie vielleicht nach der Zulassung Gottes den Fluß überschreiten können wie über festes Land, indem ihnen der Teufel geholfen hätte, um die Ketzerei seiner Gottlosigkeit in denen zu befestigen, die sich auf ihn stützen, und um durch Ausführung dieses Unternehmens einigen von denen, die schon durch ihn verführt wurden, Glauben einzuflössen. Ich aber habe das jetzt nicht nötig zu tun. Gehet also hinaus und saget denen, die euch diesen Vorschlag gemacht haben: So spricht Pachomius, der Mann Gottes: Mein Kampf und mein ganzer Eifer besteht nicht darin, zu Fuß einen Fluß zu überschreiten oder über die Berge zu fliegen oder den wilden Tieren zu gebieten, die Gott von Anfang an den Menschen untergeordnet hat, sondern darin, in mich aufzunehmen das Gericht Gottes und die teuflischen Ränke zu vereiteln durch die Kraft des Herrn, der da befiehlt zu wandeln über Schlangen und Skorpionen und gegen die ganze Macht des Feindes.2 Denn wenn mir dies vom Herrn verliehen ist, wird auch das übrige von selbst folgen." Und nachdem er dies gesagt hatte, ermahnte er wiederum die Brüder, nicht stolz zu sein auf ihre eigenen guten Werke und die Gottheit nicht durch solche [S. 850] Bitten auf die Probe zu stellen. Denn zahlreich sind die Ränke des Widersachers, und derartige Dinge sind für jeden Menschen überflüssig und gefährlich, da das Wort des Heilandes gegen den Feind heißt: "Du sollst nicht versuchen den Herrn, deinen Gott".3

Nach all diesen Reden stand der Greis auf, betete und bat den Herrn, er möge immer seiner Lehre zum Heile eingedenk sein. Dann begab sich jeder der Brüder hinweg zu der ihm übertragenen Arbeit, indem sie über die Heilige Schrift nachdachten. Denn es war unmöglich, daß einer von ihnen ein unnützes oder weltliches Wort sprach. Sondern nach dem Wort der Schrift: "Mein Mund soll die Weisheit üben und die Übung meines Herzens ist die Einsicht",4 besprach sich jeder mit dem Nächsten entweder über eine Erklärung der Schrift oder über eine gute Handlung und das Leben des Vaters. So wurde von ihnen die Eitelkeit der Welt zertreten, daß einige von ihnen starben, ohne zu wissen, wie Gold oder Silber überhaupt aussehe.

1: Röm 2,5.
2: Lk 10,19.
3: Mt 4,7.
4: Ps 48,4.

 

 

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Einleitung: Leben des heiligen Pachomius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger