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Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 17. Heilung von Besessenen.

Während er noch dastand, siehe, da kam ein Mann von ferne hergelaufen, fiel zu seinen Füßen nieder und bat und flehte ihn an, er möge sein Töchterlein, das von einem Dämon besessen sei, durch die ihm von Christus verliehene Gnade heilen.

[S. 839] Pachomius ließ den Mann draußen stehen und ging hinein in das Kloster. Dann schickte er, heißt es, den Türhüter zu ihm und ließ ihm sagen: "Es ist nicht unsere Gewohnheit, zu Frauen zu gehen. Schicke mir eines von den Kleidern des Mädchens, wir werden es im Namen unseres Herrn Jesus Christus segnen und wieder zurückschicken, und wir hoffen, daß das Kind geheilt wird." Das überschickte Kleidchen aber betrachtete der Heilige scharf und sagte dann: "Es ist nicht ihr Kleid." Als es ihr Vater bekräftigte und versicherte, daß es ihr gehöre, da sagte Pachomius zu ihm: "Es gehört ihr, das weiß ich auch selbst; sie bewahrt aber ihre Keuschheit nicht, obwohl sie gelobt hat, jungfräulich zu bleiben. Deshalb habe ich es, als ich das Kleid anblickte, gemerkt, daß sie nicht keusch ist und deshalb sagte ich auch, es gehöre nicht ihr. Sie mag dir indes versprechen, sich rein zu bewahren in Zukunft vor den Augen des Herrn, und der menschenfreundliche Herr Christus wird sich ihrer erbarmen und sie heilen." Der Vater fragte das Mädchen voll Zorn und Trauer aus, und das Kind machte ein Geständnis. Es versprach mit einem Eide, das nicht mehr zu tun. Nachdem dann der Heilige ein Gebet verrichtet hatte, schickte er ihr Öl; dies wandte sie gläubig an und wurde sogleich geheilt. Und er pries Gott, da sie mit dem Verschwinden des schrecklichen Dämons auch ihren Lebenswandel geändert hatte und in Zukunft auf reine Keuschheit bedacht war.

Dies Geschehnis wurde allgemein bekannt, und so kam ein anderer Mann, der seinen Sohn, der von einem hartnäckigen Dämon besessen war, Tag für Tag beklagte, ihn aber nicht zu dem Heiligen führen konnte, selbst zu ihm, warf sich auf die Knie nieder und bat ihn, über den Knaben zu beten. Pachomius tat dies und gab ihm ein Brot, wobei er ihn aufforderte, dieses zur Stunde der Mahlzeit dem Leidenden zu essen zu geben. Als ihn nun hungerte, brachte ihm der Vater das Brot. Wie das aber der Dämon merkte, ließ er ihn nicht davon essen, ja nicht einmal es nehmen, sondern der Knabe griff nach vielen anderen [S. 840] Dingen und stillte so sein Bedürfnis. Wieder nahm der Vater das Brot, brach es in kleine Stücke und umwickelte sie, mit Stückchen Käse gemischt, mit Datteln. Dies allein setzte er ihm vor, damit er, der von der Zurichtung nichts wußte, von dem gesegneten Brote nehme. Der aber wickelte das Gericht wieder auf und warf die Brotstückchen zur Erde, die Datteln aber ließ er voll Widerwillen stehen und wollte überhaupt nichts genießen.

Sein Vater ließ ihn nun viele Tage lang fasten und gewährte ihm keine Möglichkeit, etwas anderes zu sich zu nehmen als dies Brot allein. Da wurde er vom Hunger gequält und nahm von den Stücken und sogleich bekam er Ruhe und schlief ein, der schlimme Geist aber entwich von ihm. Da nahm der Vater das geheilte Kind und kam wieder mit ihm zu Pachomius und lobte Gott, der da durch seine Heiligen große Wunder vollbringt, ruhmvoll und gewaltig ohne Zahl.

Wie der Selige sah, daß durch ihn auch zahlreiche andere Heilungen vermöge der Kraft des Heiligen Geistes geschahen, da wurde er nicht etwa hochmütig in seinem Herzen - denn er hatte vom Herrn auch diese Gnade -, sondern er blieb ganz der gleiche, verständig und immer ernst. Wenn er aber einmal betete und seine Bitte wurde nicht erfüllt, dann verwunderte er sich nicht, sondern führte beständig jenes göttliche und gewaltige Gebet, das er gelernt hatte, im Munde: "Vater, Dein Wille geschehe".1

1: Mt 6,10 (26,42).

 

 

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Einleitung: Leben des heiligen Pachomius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger