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Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 14. Zurechtweisung weltlich gesinnter Brüder und ihr Austritt

Einige nämlich von den Brüdern, welche noch fleischlich dachten und den alten Menschen noch nicht abgelegt hatten, betrübten den Heiligen sehr. Oft wandte er bei ihnen heilsame Ermahnungen an, hatte aber so gut wie keinen Erfolg. Mutlos und sehr unglücklich ging er weg und betete für sich allein zu Gott für sie und sprach: "O Gott, Du hast uns geboten, den Nächsten zu lieben wie sich selbst; da Du nun meinen Eifer und festen Vorsatz erkanntest, so flehe ich Dich an, sieh nicht hinweg von der Rettung ihrer Seelen, sondern erbarme Dich ihrer und flöße ihnen Furcht vor Dir ein in das Herz, auf daß sie Dich erkennen und Dir dienen in Wahrheit und Reinheit des Lebens, damit auch sie die zuversichtliche Hoffnung auf Dich haben. Denn meine Seele ist tiefbetrübt, und alle meine Sinne [S. 835] schmerzen ihretwegen." Nachdem er dies gebetet hatte, beruhigte er sich.

Als er nach einigen Tagen wahrnahm, daß sie auch nach dem Gebet nicht besser wurden, da trat er wieder hin und betete, und er gab ihnen eine bestimmte Regel für das Gebet und für ihre sonstige Lebensführung, damit sie, wenn sie zunächst auch nur wie willig denkende Hausgenossen die Anordnung erfüllten, doch nach kurzer Zeit angeregt würden und so ihr Inneres mit Offenheit darlegten. Als sie aber wiederum sahen, daß man ihnen nicht gestatte, ihrem eigenen Willen zu folgen, da wurden sie durch den Geist der Feigheit verführt, und sie traten zurück, betäubt von seinem trefflichen Lebenswandel. Nachdem sie gegangen waren, war die übrige Herde gereinigt, und sie machten nur noch größere Fortschritte in ihrer Askese, wie Getreide, das herrlich aufsproßt auf den Feldern, wenn das Unkraut mit der Wurzel ausgerissen worden ist.

Dies habe ich ausführlich besprochen, da ich dabei auf ein Zweifaches hinweisen wollte: Einmal, daß es den weltlichen Leuten nichts schadet, wenn sie ihr Augenmerk auf die Strenge der Mönche richten, sondern daß dies vielmehr nützlich ist, daß den Mönchen weder Gebet noch die Gesellschaft der Väter Nutzen bringt, wenn sie in sich selbst leichtfertig sind.

 

 

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Einleitung: Leben des heiligen Pachomius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger