Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 11. Besuch des Athanasius.

Zu jener Zeit stand an der Spitze der Kirche von Alexandria der heiligste Athanasius. Er wünschte, die [S. 826] Kirchen Gottes der oberen Thebais und von Syene1 zu besuchen, um sie durch seine geistliche Unterweisung zu stärken. Auch an Tabennesis fuhr er vorüber.

Als dies Pachomius hörte, da zog er hinaus mit den Brüdern in Freude und Jubel der Seele unter Psalmen und Hymnen, um den Erzbischof zu empfangen. Und es entstand ein großes Gedränge von Brüdern um ihn, die Gott priesen für seine Anwesenheit. Pachomius aber zeigte sich nicht öffentlich, sondern er zog sich zurück und verbarg sich unter der Menge der Brüder. Der Bischof der Kirche von Tentyra aber machte den heiligen Athanasius aufmerksam auf ihn, indem er sagte: "Ich habe einen Vater der Mönche an den Orten, die mir unterstehen, einen wunderbaren und großen Mann, in Wahrheit einen Mann Gottes. Deshalb bitte ich deine Heiligkeit, ihn zum Vater aller Mönche einzusetzen, so daß er es als ein Geschenk der erzbischöflichen Gewalt empfängt." Gerade deshalb aber hatte sich der Greis zurückgezogen und sich unter den Brüdern verborgen, bis Athanasius sich entfernt hätte. Wie dieser nun von seinem Eifer nach dem Willen Gottes hörte, von seinem tugendhaften Lebenswandel, von den Verfolgungen, die er um des Heilandes willen in dem treuen Bekenntnis des wahren Glaubens erduldet hatte, von seiner Liebe zu allen, besonders aber zu den Brüdern, - da freute er sich sehr; er begrüßte ihn und pries Gott. Den Origenes2 aber haßte er grimmig als einen Lästerer und Abtrünnigen und verabscheute ihn, [S. 827] der vor Arius3 und Meletius4 von Heraklas,5 dem Erzbischof von Alexandria, aus der Kirche ausgeschlossen worden war. Denn dieser hatte in seinen eigenen Aufstellungen das, was wahrscheinlich schien, den wahren Lehren der Heiligen Schrift gleichsam wie verderbliches Gift beigemischt; er hatte zum Verderben einfacher Gemüter viele Bücher zusammengeschrieben; und wie die Ärzte ihre bittersten Arzneien mit Honig mischen und sie so den Widerwilligen geben, ebenso hatte auch er seinen Irrtum eingehüllt und den etwas Schwachen im Geiste mitgeteilt. Den Brüdern nun legte Pachomius dringend ans Herz, nicht bloß das törichte Geschwätz des Origenes nicht zu lesen, sondern sich auch nicht zu erkühnen, dem Lesen anderer zuzuhören. Man erzählt sich auch, daß er einmal ein Buch von ihm gefunden und sogleich in das Wasser geworfen habe mit den Worten: "Wenn ich nicht wüßte, daß der Name Gottes in ihm geschrieben steht, so hätte ich seine Lästerungen und unsinnigen Schwätzereien verbrannt." So war er ein Freund und Nachahmer der Guten, dagegen ein Feind der Widersacher der Wahrheit. Er freute sich immer und war beglückt über den Glauben und den Fortschritt der Rechtgläubigen; denn es schien ihm, als ob er durch sie den Heiland auf dem Thron der Kirche sehe.

Wenn er aber je einmal jemanden in irgendeinem Gespräch oder in einer Angelegenheit sie, die Rechtgläubigen, verleumden hörte, dann ertrug er das nicht, ja er entwich von ihnen wie von Schlangen, indem er [S. 828] gegen sie immer das Wort des Psalmisten anwandte und sprach: "Den, der heimlich seinen Nächsten verleumdete, habe ich ausgetrieben".6 Denn kein guter Mensch, so meinte er, bringt etwas Schlechtes aus seinem Munde hervor, am wenigsten gegen die heiligen Väter. Er erinnerte diese Leute immer an den Zorn Gottes über einen solchen Menschen, wie er sich aus vielen anderen Stellen der Heiligen Schrift zeigt, wie er sich aber vornehmlich offenbare bei der Verleumdung gegen Moses, die von Mariam7 ausging. Und er war offen und von gutem Einfluß auf alle, die mit ihm umgingen.

1: In der Thebais.
2: Origenes, geboren 182 wohl in Alexandria., 281 durch Erzbischof Demetrius vertrieben. Heraklas. der Bruder des ersten Schülers des O., war der Gehilfe des O. bei seiner Lehrtätigkeit. Er übernahm nach seiner Vertreibung die Leitung der Schule und wurde der Nachfolger des Demetrius. Er hat, wie es scheint, die Exkommunikation des O. wiederholt. O. starb 251 als Martyrer. - Im Verlauf der origenistischen Streitigkeiten sprach die Synode zu Alexandria 399 oder 400 die Verdammung des Origenes aus; damals war Erzbischof Theophilus (885-412). Dieser setzte die Verdammung der Lehre des Origenes auch bei den Mönchen in den nitrischen Bergen durch und vertrieb die ihm mißliebigen Mönche mit militärischer Hilfe. Die Erregung jener Zeit scheint hier noch nachzuzittern.
3: Arius vertrat seit 318 seine bekannte Irrlehre, die 325 auf dem Konzil von Nicäa verurteilt wurde. Vgl. auch S. 21 Anm. 2. [799].
4: Meletius war während der diokletianischen Verfolgung Bischof von Lykopolis. Vgl. über seinen Streit mit Petrus S. 21 Anm. 2. Die Meletianer machten dem Athanasius viel zu schaffen. Schon bei seiner Wahl hatten sie einen Gegenkandidaten aufgestellt. Auf Grund ihrer Anklagen wurde er auch auf der Synode von Tyrus 335 abgesetzt. Mehrere seiner schärfsten Gegner waren Meletianer; aber auch er bekämpfte sie mit Erbitterung. Noch um die Mitte des 5. Jahrhunderts muß es Meletianer in Ägypten, darunter auch Mönche, gegeben haben. Über Arius und sein Verhältnis zu den Meletianern vgl. S. 21 Anm. 2
5: Vgl. S. 48 Anm. 2 [826].
6: Ps 100,5.
7: Num 12,5 ff.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Leben des heiligen Pachomius
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . Kap. 3. Berufung zum ...
. . Kap. 4. Gemeinsames ...
. . Kap. 5. Berufung zum ...
. . Kap. 6. Erweiterung ...
. . Kap. 7. Angriffe der ...
. . Kap. 8. Aufnahme von ...
. . Kap. 9. Stellung des ...
. . Kap. 10. Ordnung des ...
. . Kap. 11. Besuch des ...
. . Kap. 12. Die Schwester ...
. . Kap. 13. Theodorus ...
. . Kap. 14. Zurechtweisung ...
. . Kap. 15. Die Beziehungen ...
. . Kap. 16. Pachomius ...
. . Kap. 17. Heilung von ...
. . Kap. 18. Des Theodorus ...
. . Kap. 19. Des Pachomius ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger