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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an Titus

Sechste Homilie.

I.

8. Und Das mußt du ihnen recht einprägen, damit Diejenigen, welche Gott glauben, sich bestreben, guten Werken eifrigst vorzustehen.
9. Dieß ist gut und für die Menschen heilsam. In thörichte Streitfragen, Genealogieen, Zänkereien und Streitigkeiten über das Gesetz laß dich aber nicht ein, denn sie sind unnütz und eitel.
10. Einen ketzerischen Menschen meide nach der ersten und zweiten Zurechtweisung.
11. Denn du weißt, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, indem er sein eigener Verurtheiler ist.

I. Nachdem der Apostel über die Barmherzigkeit Gottes und seine unaussprechliche Fürsorge für uns gehandelt und gesagt hat, was wir waren, und wozu uns Gott gemacht [S. 485] fährt er fort und spricht: „Und Das mußt du ihnen recht einprägen, damit Diejenigen, welche Gott glauben, sich bestreben, guten Werken eifrig vorzustehen,“ d. h. Das muß er predigen, und Das muß er als Motiv benützen, um sie zum Almosenspenden zu veranlassen; denn die Erinnerung an Das, was Gott gethan, soll nicht nur dazu beitragen, daß wir uns demüthigen, uns nicht überheben und Andere nicht schmähen, sondern daß wir auch jede andere Tugend üben. So spricht der Apostel auch zu den Korinthern: „Ihr wisset, daß (Christus) arm wurde, obschon er reich war, damit wir durch seine Armuth reich würden.“1 In der Erinnerung an die Fürsorge Gottes und seine übergroße Barmherzigkeit soll Titus seine Gemeinde zur Wohlthätigkeit auffordern, und zwar nicht so obenhin und nebenbei.

„Damit sie sich bestreben,“ heißt es, „guten Werken eifrigst vorzustehen;“ d. h. sie sollen auch Denen zu Hilfe kommen, die Unrecht leiden, nicht bloß mit Geld, sondern auch mit Beistand; sie sollen Wittwen und Waisen schützen und Alle, denen Unrecht geschieht, gegen dasselbe sicher stellen; Das heißt „guten Werken vorstehen“.
Das ist gut und für die Menschen heilsam. In thörichte Streitfragen, Genealogieen, Zänkereien und Streitigkeiten über das Gesetz sollst du dich aber nicht einlassen; denn sie sind unnütz und eitel.

Was ist denn wohl mit den „Genealogieen“ gemeint? Auch im Briefe an Timotheus spricht der Apostel [S. 486] von „Fabeln und endlosen Genealogieen“. Jedenfalls meint er hier wie dort die Juden, welche stolz auf die Abkunft von Abraham um ihre weiteren Angelegenheiten sich nicht kümmerten. Darum nennt er diese Dinge „thöricht“ und „unnütz“. Eine Thorheit ist es, seine Hoffnung auf unnütze Dinge zu setzen. Unter den „Streitigkeiten“ versteht er die mit den Ketzern. Er will, daß wir uns damit nicht vergeblich abmühen, weil sie keinen Erfolg haben. Man erreicht Nichts damit. Denn wenn er ganz verkehrt ist und um keinen Preis seine Meinung ändert, warum mühst du dich vergeblich ab mit dem Säen auf Felsen, während du diesen schönen Fleiß auf deine Gemeinde verwenden solltest, indem du ihnen Wohlthätigkeit gegen die Armen predigst und sonstige Tugenden.

Warum spricht er aber anderswo davon, daß „Gott ihnen vielleicht eine Sinnesänderung verleihe,“2 und hier sagt er: „Einen ketzerischen Menschen meide nach der ersten und zweiten Zurechtweisung; denn du weißt, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, indem er sein eigener Verurtheiler ist.“ Dort spricht er von Solchen, die noch Hoffnung auf Bekehrung geben, und die einfach andere Meinungen haben. Wenn er aber ein offenkundiger Widersacher ist, weßhalb lässest du dich auf einen vergeblichen Kampf ein? Warum führst du Lufthiebe?

Was heißt: „indem er sein eigener Verurtheiler ist“? Er kann nämlich nicht behaupten, es habe ihm Niemand Etwas gesagt, Niemand ihn aufmerksam gemacht. Wenn er also trotz der Mahnung derselbe bleibt, so hat er sich selber verurtheilt.

[S. 487] 12. Wenn ich den Artemas zu dir schicke oder den Tychikus, dann beeile dich, zu mir nach Nikopolis zu kommen.

Was sagst du da, o Paulus? Du hattest den Titus zum Bischof von Kreta gemacht, und jetzt rufst du ihn wieder zu dir? Er will ihn jenem Wirkungskreise nicht entfremden, sondern ihm nur weitere Informationen ertheilen. Denn daß er ihn nicht deßhalb zu sich ruft, um ihn mit sich in der Welt herumzuführen und ihn überall bei sich zu haben, darüber höre, was folgt: „Denn dort habe ich beschlossen, zu überwintern.“ Dieses Nikopolis liegt übrigens in Thracien.

13. Zenas, dem Gesetzeskundigen, und Apollo gib sorgfältig Geleite, damit ihnen Nichts abgehe.

Das waren noch nicht mit kirchlichen Ämtern betraute Persönlichkeiten, sondern nur Männer aus des Titus Umgebung. Der bedeutendere war Apollos, der Schriftstellerei gut mächtig und ein beredter Mann. Wenn aber Zenas ein „Gesetzeskundiger“ war, könnte man einwenden, so hätte er ja nicht nöthig, daß Andere für seinen Unterhalt sorgten. Aber unter dem „Gesetzeskundigen“ ist hier ein der jüdischen Gesetze kundiger Mann zu verstehen.

Der Apostel will sagen: Versieh dieselben reichlich mit Allem, damit ihnen Nichts abgehe!

14. Es sollen aber auch die Unsrigen lernen, guten Werken vorzustehen für die nothwendigen Bedürfnisse, damit sie nicht unfruchtbar seien.

[S. 488] 15. Es grüßen dich Alle, die bei mir sind. Grüße Die, welche uns lieben im Glauben!

Entweder meint Paulus Die, welche ihn persönlich lieben, oder überhaupt die Gläubigen.

Die Gnade sei mit euch allen! Amen.

1: II. Kor. 8, 9.
2: II. Tim. 2, 25.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger