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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an Titus

Vierte Homilie.

I.

2. Die alten Männer sollen wachsam, ernst, besonnen sein, gesund im Glauben, in der Liebe, in der Geduld.
3. Deßgleichen sollen die betagten Frauen heiligmäßig in ihrer ganzen Aufführung sein, nicht verläumderisch, nicht vielem Weine ergeben.
4. Sie sollen als gute Lehrerinen die jungen Frauen anleiten, ihre Männer zu lieben,
5. ihre Kinder zu lieben, verständig, züchtig, häuslich, gut und den Männern unterwürfig zu sein, damit das Wort Gottes nicht gelästert werde.

I. Es gibt Fehler, welche dem Alter eigenthümlich sind, nicht der Jugend; und andererseits gibt es solche, welche charakteristisch sind für die Jugend. Das Alter leidet an [S. 454] Trägheit, Langsamkeit, Lethargie, Stumpfheit und Jähzorn. Deßhalb sagt der Apostel, indem er für das Alter Anweisungen gibt: „Die alten Männer sollen wachsam sein!“ Gar Vieles wirkt zusammen, um in diesem Alter die Wachsamkeit zu verhindern, und vor Allem eben Das, was ich schon erwähnte, die Interesselosigkeit für Alles, die Neigung zum Schlafe, die Schwerfälligkeit in den Bewegungen. Deßhalb setzt der Apostel auch bei: „ernst, besonnen“. Damit meint er die Verständigkeit; denn „Besonnenheit“ (σωφροσύνη) ist der „richtige Zustand des Sinnes“ (ἡ τῶν φρενῶν σωτηρία). Denn es gibt leider unter den Greisen auch wüthende Menschen, Sonderlinge, theils in Folge des Trinkens, theils in Folge von Hypochondrie. Das Alter erzeugt nämlich einen kleinlichen Sinn.

Gesund im Glauben, in der Liebe, in der Geduld.

Ganz gut: In der Geduld; Das ziemt ja zumeist dem Greisenalter.

Deßgleichen sollen die betagten Frauen heiligmäßig in ihrer ganzen Aufführung sein, — d. h. Haltung und Kleidung sollen ehrbar sein,— nicht verläumderisch, nicht dem Weine ergeben.

Gerade den Frauen ist der letztere Fehler eigen, und zwar den alten Frauen. Denn das kalte Blut des Alters begehrt sehr nach Wein. Deßhalb gibt ihnen der Apostel gerade in Bezug auf diesen Punkt Ermahnungen, indem er überhaupt durchweg die Trunksucht auszurotten bemüht ist und auch von den Frauen verlangt, daß sie diesem Laster ferne stehen und sich dadurch nicht dem Gelächter preisgeben. Denn bei ihnen steigt der Weindampf leicht nach oben und greift das ohnehin mit der Zeit schon schwach [S. 455] gewordene Gehirn an; und dadurch entsteht eben der Rausch. Allerdings ist der Wein für dieses Alter ein Bedürfruß wegen seiner Schwäche; aber er muß mäßig getrunken werden gerade wie in der Jugend, bei letzter freilich nicht aus demselben Grunde, sondern deßhalb, weil er das Feuer der Sinnlichkeit anfacht.

Sie sollen „gute Lehrerinen“ sein. Aber Paulus, du verbietest ja, daß die Frauen als Lehrerinen auftreten! Wie kommt es, daß du es ihnen hier gestattest, während du anderwärts sagst: „Dem Weibe aber gestatte ich nicht zu lehren“?1 Aber höre nur, was er beisetzt: „Und über den Mann zu herrschen.“ Die Männer haben von Anbeginn den Lehrberuf für beide Geschlechter. Den Weibern aber weist der Apostel das Gebiet der häuslichen Paränese zu, aber nirgends gestattet er ihnen, irgendwo den Vorsitz zu führen oder lange Reden zu halten. Deßhalb setzte er bei, daß sie „über den Mann nicht herrschen“ sollen.

Sie sollen die jungen Frauen anleiten.

1: I. Tim. 2, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger