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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Vierzigste Homilie. Kap. XII, V.9-24.

1.

V.9: "Und er ging weg von dort und kam in ihre Synagoge.

V.10: Und siehe, es war da ein Mann, der eine verdorrte Hand hatte."

Wieder heilte der Herr am Sabbat und rechtfertigte so, was seine Jünger getan. Die anderen Evangelisten erzählen da, er habe den Mann in die Mitte gestellt und die Juden gefragt, ob es erlaubt sei, am Sabbat Gutes zu tun1 .Da sieh das Erbarmen des Herrn! Er stellte ihn in die Mitte, um sie durch dessen Anblick zu rühren; damit sie durch solch ein Schauspiel überwunden von ihrer Bosheit ab ließen und aus Scheu vor dem Manne ihre Wildheit besänftigten. Aber diese von unbändigem Haß erfüllten Menschen wollten lieber die Ehre Christi schädigen, als diesen Mann geheilt sehen. So zeigten sie auf zweifache Weise ihre Schlechtigkeit, einmal dadurch, dass sie sich überhaupt Christus widersetzten, dann aber auch dadurch, dass sie es mit solcher Hartnäckigkeit tun, dass sie sogar die Wohltaten, die anderen erwiesen wurden, zu hintertreiben suchen. Die anderen Evangelisten berichten da, der Herr selbst habe die Frage gestellt; Matthäus hingegen schreibt, er sei gefragt worden."Und sie fragten ihn und sagten: Ist es erlaubt am Sabbat zu heilen? Damit sie ihn verklagen könnten." Wahrscheinlich ist aber beides geschehen. Gottlos wie sie waren, und wohl wissend, dass er nur kam, um zu heilen, suchten sie ihm durch ihre Frage zuvorzukommen, in der Erwartung, dadurch die Sache verhindern zu können. Deshalb fragten sie auch: Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen? nicht um etwas zu erfahren, sondern "um ihn anklagen zu können". Und doch hätte ja die Tat selbst genügt, wenn sie ihn anklagen wollten. Aber sie wollten auch durch seine eigenen Worte eine Handhabe gewinnen, damit sie um so reichlicheren Stoff hätten. Christus in seiner Liebe geht auch darauf ein, er antwortet, hält ihnen damit die eigene Sanftmut als Beispiel vor Augen, wendet die ganze Sache gegen sie und zeigt, wie unmenschlich sie sind.

So stellt er also den Mann in die Mitte; er fürchtet sich nicht vor den Juden, sondern bemüht sich, ihnen zu nützen und sie zum Mitleid zu bewegen. Wie er aber auch damit sie nicht zu rühren vermochte, sa ward er betrübt und erzürnt über sie ob ihrer Hartherzigkeit2 und sprach:

V.11: "Wo ist unter euch ein Mensch, der ein Schaf besitzt, und wenn dieses am Sabbat in eine Grube fällt, es nicht anfaßt und herauszieht?

V.12: Wie groß ist aber der Unterschied zwischen einem Menschen und einem Schafe? Es ist also erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun."

Dieses Beispiel führt der Herr gegen sie an, damit sie keinen An laß hätten, ihre Böswilligkeit zu zeigen und ihm nicht wieder Gesetzesübertretungen vorwerfen zu können. Du aber beachte, auf wie vielfältige und verschiedene Weise er überall seine Rechtfertigungsgründe für die Übertretung des Sabbats vorbringt. Als er den Blinden heilte, da verteidigte er sich bei ihnen nicht darüber, dass er den Kot anmachte, obwohl sie ihm auch daraus einen Vorwurf machten; es genügt eben diese Art Schöpfung, um zu zeigen, dass er der Herr des Gesetzes sei. Als aber der Gichtbrüchige sein Bett wegtrug und die Juden ihm daraus einen Vorwurf machten, so verteidigte er sich sowohl als Gott, wie als Mensch; als Mensch, indem er sagte: "Wenn der Mensch am Sabbat die Beschneidung erhält, damit das Gesetz nicht übertreten werde3 , warum zürnt ihr mir dann, weil ich den ganzen Menschen gesund gemacht habe?"4 Als Gott verteidigte er sich durch die Worte: "Mein Vater wirkt bis jetzt und auch ich wirke"5 . Und als man ihm wegen seiner Jünger Vorwürfe machte, sagte er: "Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als er hungerte, er und seine Begleiter; wie er in das Haus Gottes hineinging und Schaubrote aß?"6 . Auch auf die Priester beruft er sich. Und wiederum sagt er da: "Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes oder Schlechtes zu tun?7 . Wer von euch hat ein Schaf usw.? Er kannte aber ihre Habsucht und wußte, dass diese Leidenschaft ihre Liebe zu den Menschen weit übersteige.

Indes sagt der andere Evangelist, der Herr habe bei diese Frage auch um sich geblickt8 , als ob er die Juden auch mit den Blicken an sich ziehen wollte. Aber trotzdem besserten sie sich nicht. Außerdem begnügt sich aber der Herr in unserem Falle mit dem bloßen Reden, sonst aber heilte er oft auch durch Händeauflegung. Allein nichts von all dem stimmt sie milde. Der Mann wurde zwar geheilt, die anderen dagegen wurden durch seine Heilung noch schlechter. Der Herr wollte allerdings die Pharisäer noch vor diesem heilen und versuchte tausend Arten und Heilmittel, sowohl durch seine vorausgehenden Handlungen, als auch durch seine Worte; da aber nunmehr ihre Krankheit unheilbar war, so ging er ohne weiteres ans Werk.

V.13: "Da sagte er zu dem Manne: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus und sie erwies sich so gesund wie die andere."

Was tun darauf die Pharisäer?

V.14: "Sie gehen hinaus und beratschlagen, wie sie ihn töten könnten."

Ohne dass ihnen ein Unrecht geschehen wäre, versuchten sie ihn zu töten.

1: Mk 3,4;:Lk 6,9
2: Mk 3,5
3: er sagt nicht, damit einem Menschen eine Wohltat erwiesen werde
4: Joh 7,23
5: ebd 5,17
6: Mt 12,34
7: Mk 3,5
8: Joh 7,23

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger