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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Achtunddreißigste Homilie. Kap. XI, V.25-30.

1.

V.25: "In jener Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise Dich, Vater. Herr des Himmels und der Erde, weil Du dies den Weisen und Ein sichtigen verborgen, den Kindern aber geoffenbart hast.

V.26: Ja, Lob Dir, Vater, weil es Dir also gefallen hat."

Siehst du, auf wie vielfältige Weise der Herr seine Zuhörer zum Glauben führt? Zuerst tat er es durch das Lob, das er Johannes spendete. Indem er ihn nämlich als groß und bewundernswert hinstellte, hat er auch alles, was derselbe sagte, für glaubwürdig erklärt und die Jünger so zur Erkenntnis seiner selbst geführt. Zweitens tat er es durch die Worte: "Das Himmelreich leidet Gewalt, und die Gewalttätigen reißen es an sich"1 ; das sagte er, um sie anzuregen und aufzumuntern. Drittens indem er zeigte, dass alle Prophetien in Erfüllung gingen; auch das bewies ja, dass er derjenige sei, den die Propheten vorher verkündet hatten. Viertens durch den Hinweis darauf, dass alles, was durch ihn geschehen sollte, geschehen ist; hat er ja doch sogar die Parabel mit den Kindern erwähnt. Fünftens dadurch, dass er den Ungläubigen Vorwürfe machte und ihnen großes und schreckliches Unheil androhte. Sechstens, indem er für die Gläubigen Dank sagte. Denn der Ausdruck: "Ich preise2 Dich", bedeutet hier: Ich danke Dir. "Ich danke Dir", sagt er, "dass Du dies den Weisen und Einsichtigen verborgen hast." Aber wie? Du freust dich über ihr Verderben, und darüber, dass sie diese Dinge nicht kennen? Durchaus nicht; wohl aber ist das der beste Weg zum Heile, dass diejenigen, die meine Worte verschmähen und sie nicht annehmen wollen, auch nicht durch Zwang dazu gebracht werden. Nachdem sie eben trotz meiner Einladung nicht besser wurden, sondern den Herrn verließen und verachteten, so sollten sie durch ihre Verwerfung zum Verlangen nach diesen Dingen gebracht werden. Auf diese Weise mußten dann auch diejenigen eifrig werden, die auf ihn achteten. Denn dass seine Worte ihnen geoffenbart wurden, war gewiß ein Grund zur Freude; dass sie dagegen den anderen verborgen blieben, mußte nicht zur Freude, sondern zur Trauer stimmen. Dem entsprechend handelte auch der Herr; er weinte über die Städte. Also nicht über die Blindheit der einen freute er sich, sondern weil die anderen erkannten, was die Weisen nicht einsehen wollten. In ähnlichem Sinne sagt auch Paulus: "Ich danke Gott, dass ihr Sklaven der Sünde waret und doch von Herzen geachtet habt auf die Art der Lehre, die ihr empfangen habt"3 . Also auch Paulus freut sich nicht darüber, dass sie Sklaven der Sünde waren, sondern, dass sie, obgleich sie dies waren, dennoch solcher Gnaden gewürdigt wurden. Unter den Weisen versteht hier der Herr die Schriftgelehrten und Pharisäer. Dies sagt er, um seine Jünger zu ermutigen, und um zu zeigen, welche Auszeichnung den Fischern zuteil wurde, während jene alle zusammen dessen verlustig gingen. Mit der Bezeichnung "Weiser" meint er aber nicht die wahre und lobenswerte Weisheit, sondern jene, die sie durch eigene Tüchtigkeit erworben zu haben schienen. Deshalb sagte er auch nicht: Du hast es den Toren enthüllt, sondern den Kindern, das heißt den Ungebildeten und Einfältigen. Auch zeigt er dadurch, dass jene diese Gnaden nicht nur aus Billigkeitsgründen, sondern mit Fug und Recht vorenthalten wurde. Ebenso weist er uns durch all dies an, die Torheit zu fliehen, um die Einfalt dagegen uns zu bemühen. Deshalb sagte auch Paulus mit noch mehr Nachdruck dasselbe mit den Worten: "Wenn einer unter euch weise zu sein scheint in dieser Welt, so werde er zum Tor, damit er weise werde"4 . So wird ihnen nämlich die Gnade Gottes geoffenbart.

Warum aber dankt der Herr dem Vater, da doch er selbst dies bewirkt hat? Er tut dies im gleichen Sinne, wie er auch zum Vater betet und ihn bittet, seine große Liebe uns zu zeigen; auch das ist ja ein Beweis großer Liebe. Auch zeigt er damit, dass die Schriftgelehrten nicht bloß von ihm, sondern auch vom Vater sich lostrennten. Was er nämlich den Jüngern auftrug mit den Worten: "Werfet das Heilige nicht den Hunden vor"5 , das hat er selbst schon zum voraus so geübt. Sodann zeigt er mit diesen Worten, dass dies seinem eigenen vorwiegenden Willen entspreche, wie auch dem des Vaters; seinem eigenen, indem er dankt und sich über das Geschehene freut; dem des Vaters, indem er darlegt, dass auch der Vater dies nicht auf seine Bitten hin, sondern ganz aus eigenem Antriebe getan. Denn also, sagt er, war es wohlgefällig vor Dir; das heißt: so hat es Dir gefallen. Weshalb ward es aber vor jenen verborgen? Höre, was Paulus antwortet: "Weil sie die eigene Gerechtigkeit aufzurichten suchten, deshalb haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen"6 . Erwäge also, was die Jünger sich wohl gedacht haben werden, als sie dies hörten, dass nämlich sie erkannt hätten, was die Weisen nicht einsahen; und dass sie es erkannten, weil Gott es ihnen geoffenbart habe! Lukas dagegen sagt, in derselben Stunde, in der die Siebzig kamen und die Nachricht von den Dämonen brachten, da habe sich der Herr gefreut und diese Worte gesprochen, durch die er nicht nur ihren Eifer angespornt, sondern sie auch zur Demut angeleitet habe.7 . Da nämlich Gefahr war, sie würden sich selbst überheben, weil sie Teufel auszutreiben vermocht hatten, so demütigte er sie auch aus diesem Grunde. Sie verdankten ja ihre Erkenntnis nur einer Offenbarung, nicht ihrem eigenen Bemühen.

1: Mt 11,12
2: bekenne
3: Röm 6,17
4: 1 Kor 3,18
5: Mt 7,6
6: Röm 10.3
7: Lk 1o,1721

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger