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Chrysostomus († 407) - Homilien über den zweiten Brief an die Korinther
Neunte Homilie.

II.

Da nun verwandte Verhältnisse eine besondere Kraft, zu trösten, haben, darum sagt Paulus: „Da wir nun denselben Geist haben;“ d. h. durch die nämliche Bundesgenossenschaft, die den David gerettet hat, werden auch wir gerettet; aus dem Geiste, aus dem Jener geredet, reden auch wir. Hiedurch zeigt er, wie wunderbar das neue Testament mit dem alten übereinstimmt, wie es derselbe Geist ist, der in beiden waltet, und daß nicht wir allein in Gefahren sind, sondern auch die Alten alle, und daß man durch Glaube und Hoffnung sich aufrichten, und nicht alsogleich nach Erlösung aus den Drangsalen verlangen soll.

Nachdem nämlich der Apostel durch Gründe der Vernunft die Auferstehung und das Leben bewiesen hat, und wie die Gefahr kein Beweis der Schwäche und Verlassenheit ist, so führt er jetzt auch den (vertrauensvollen) Glauben ein und gründet Alles auf ihn. Aber auch für diesen beruft er sich wieder auf die Auferstehung Christi, indem er sagt: „Auch wir glauben, weßhalb wir auch reden.“ Was glauben wir denn, sage mir? „Daß Der, welcher Jesum auferweckt hat, auch uns auferwecken und darstellen wird sammt euch.“

15. Denn Alles ist um euretwillen, damit die Gnade, die Mehreren geworden, durch die Mehreren die Danksagung vervielfältige zur Verherrlichung Gottes.

Wiederum erfüllt er sie mit edlem Stolze, auf daß sie nicht Menschen, wie den falschen Aposteln, Dank wissen. Denn Gottes Geschenk ist das Ganze, der Vielen Gnade erweisen will, damit ein um so größerer Dank sich zeige. Um euretwillen also ist die Auferstehung und alles Übrige. Denn nicht um Eines willen allein, sondern zum Besten Aller hat Gott Dieses gethan.

[S. 170] 16. Darum verlieren wir nicht den Muth, sondern wenn auch unser äusserer Mensch zerstört wird, so erneuert sich dagegen der innere Tag für Tag.

Wie wird er zerstört? Durch Streiche, durch Verfolgung, durch endloses Ungemach. Und wie erneuert er sich? Durch Glaube, durch Hoffnung, durch guten Muth. So muß man also den Schrecknissen entschlossen begegnen. Denn je mehr der Leib Unzähliges duldet, desto schönere Hoffnungen hat die Seele, desto heller wird ihr Glanz, gleich dem des Goldes, je länger das Feuer währt. Und wie weiß der Apostel die Trübsale des gegenwärtigen Lebens als nichtig darzustellen!

17. 18. Denn das augenblicklich Leichte der Drangsal wirkt über die Maßen in Überschwenglichkeit ewige Wucht der Herrlichkeit, indem wir nicht auf das Sichtbare schauen, sondern auf das Unsichtbare.

In den Vereich der Hoffnung verschließt er die Sache, und was er im Briefe an die Römer sagt: „Durch die Hoffnung sind wir gerettet worden; eine Hoffnung aber, die geschaut wird, ist keine Hoffnung.“1 Das legt er auch hier dar; er stellt das Gegenwärtige dem Künftigen gegenüber, das Augenblickliche dem Ewigen, das Leichte dem Gewichtvollen, die Drangsal der Herrlichkeit. Und auch damit noch nicht zufrieden bedient er sich noch eines besonderen Ausdruckes und verdoppelt denselben, indem er sagt: „In Überschwenglichkeit über die Maßen.“ Dann zeigt er auch die Weise, wie so große Drangsale leicht werden. Und wie geschieht Das? Indem wir nicht auf das Sichtbare schauen, sondern auf das [S. 171] Unsichtbare.“ So wird sowohl Dieses, das Gegenwärtige gering, als auch Jenes, das Künftige, groß, wenn wir vom Sichtbaren das Auge wenden. „Denn das Sichtbare ist zeitweilig;“ also auch solche Drangsale. „Aber das Unsichtbare ist ewig;“ also auch solche Siegeskränze. Und der Apostel sagt nicht: Die Drangsale hienieden sind vergänglich, sondern: „Alles, was sichtbar ist,“ mag es Qual sein oder Erquickung, auf daß uns das Eine nicht schlaff mache und das Andere nicht beuge. Darum hat er auch vom Künftigen redend nicht gesagt. Das Himmelreich ist ewig, sondern: „Was unsichtbar ist, ist ewig,“ mag es nun das Reich sein oder wiederum die Qual; damit er mit dem Einen uns schrecke und uns zum Andern ermuntere.

Da nun das Sichtbare vergänglich, das Unsichtbare ewig ist, so wollen wir auf das letztere schauen. Denn welche Entschuldigung könnten wir finden, wenn wir das Zeitweilige dem Ewigen vorziehen würden? So mag denn, was gegenwärtig ist, süß sein, aber es ist nicht von Dauer; das Bittere jedoch, das ihm folgt, ist dauernd und findet niemals Vergebung. Denn womit werden Die sich rechtfertigen können, die des Geistes gewürdigt und ein so herrliches Geschenk gekostet haben, wenn sie dem Gemeinen nachgehen und sich wegwerfen an die Erde? Ich höre ja Viele, die solch verächtliche Sprüche im Munde führen: „Gib mir das Heute und nimm das Morgen! Denn verhält es sich mit den Dingen dort so, wie ihr eben sagt, so steht Eins gegen Eins; gibt es aber weiter überhaupt Nichts, so stehen Zwei gegen Nichts.“ Was ist nichtswürdiger als eine solche Sprache? was aberwitziger? Wir reden vom Himmel und von jenen unaussprechlichen Gütern; und du kommst uns mit der Sprache der Rennbahn und schämst und verhüllst dich nicht, daß du Reden führst, die für Wahnsinnige sich ziemen? Du erröthest nicht, so versunken in’s Irdische? Du willst nicht vom Wahnsinn und der Verrücktheit lassen und vom Aberwitze trotz deiner [S. 172] Jugend? Ja, wenn Heiden so sprechen, so braucht man sich nicht zu wundern; wenn aber gläubige Menschen Solches faseln, wie soll man Das verzeihen? Du hältst sie überhaupt für verdächtig, jene unsterblichen Hoffnungen? Sie erscheinen dir überhaupt zweifelhaft, diese Dinge? Und wie soll Das Vergebung verdienen? „Und wer ist gekommen, sagst du, und hat gemeldet, was dort ist?“ Von Menschen zwar Niemand, aber Gott, glaubwürdiger als Alle, hat es verkündet. „Aber du siehst sie ja nicht, die dortigen Dinge?“ Du schaust ja auch Gott nicht; wirst du folglich nicht glauben, daß ein Gott ist, weil du ihn nicht siehst? „Ganz fest glaube ich es,“ sagst du.

1: Röm. 8, 24.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger