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Chrysostomus († 407) - Homilien über den zweiten Brief an die Korinther

Achte Homilie.

I.

1. Da wir nun diesen Dienst haben, gemäß der Erbarmung, die wir gefunden, so verlieren wir nicht den Muth, sondern weisen von uns die schändlichen Heimlichkeiten.

Der Apostel hat Großes ausgesprochen und sich und die Gläubigen insgesammt über Moses gestellt; er fühlt nun die überschwengliche Größe des Gesagten und sucht sich wieder demüthig zu beschränken. Denn so war es angemessen, wegen der falschen Apostel und der Zuhörer seine Würde hervorzuheben und dann den hohen Ton wieder herabzustimmen, nicht etwa seine Worte zurückzunehmen; denn sonst wäre es ein leeres Spiel. Darum geht er dabei anders zu Werke, und zwar so, daß er zeigt, es sei das Ganze ein Geschenk der göttlichen Güte und nicht das Werk des eigenen Verdienstes; daher sagt er auch. „Da wir nun diesen Dienst haben.“ Wir haben weiter Nichts beigetragen, als daß wir einfach Diener geworden und zu den Gaben, die Gott uns verliehen, mitge- [S. 154] wirkt haben. Darum redet er nicht von einer Gabe oder Spende der Großmuth, sondern von einem Dienste, und auch damit noch nicht zufrieden fügt er bei: „Gemäß der Erbarmung, die wir gefunden.“ Denn schon Das, will er sagen, zu so hohen Dingen Dienst leisten zu dürfen, ist Erbarmung und Güte Gottes. Sonst gehört es zum Erbarmen, nur von Übeln zu befreien, nicht auch so hohe Güter zu schenken; aber das Erbarmen Gottes schließt auch die Güter in sich. — „Wir verlieren nicht den Muth.“ Auch Das muß man der göttlichen Güte zuschreiben. Denn die Worte: „Gemäß der Erbarmung, die wir gefunden,“ müssen wir sowohl auf die Berufung zum „Dienste“ als auch auf das Folgende: „Wir verlieren nicht den Muth,“ beziehen. Wie bemüht sich doch der Apostel, sein eigenes Verdienst verschwinden zu lassen! Wer so hoher und herrlicher Dinge ist gewürdigt worden, sagt er, und zwar aus reiner Erbarmung und Güte, was ist es von Dem Großes, wenn er solchen Mühen sich unterzieht, solche Gefahren und Drangsale besteht? Darum sind wir so weit entfernt, den Muth zu verlieren, daß wir sogar uns freuen und voll Zuversicht reden. Auf die Worte nämlich: „Wir verlieren nicht den Muth“ läßt er folgen:

2. Sondern wir weisen von uns die schändlichen Heimlichkeiten, nicht wandelnd in Arglist, noch fälschend das Wort Gottes.

Was ist denn unter den „schändlichen Heimlichkeiten“ zu verstehen? Wir machen nicht gleich den falschen Aposteln große Ankündigungen und Versprechungen, mit denen die Werke im Widerspruch stehen; darum auch die Mahnung: „Was vor Augen liegt, sehet!“1 Wir sind im Gegentheile so, wie wir uns zeigen; in unserer Seele [S. 155] ist kein Falsch; wir reden und thun nicht, was man aus Scham und Schande geheim halten und verbergen muß. Und Dieses näher erklärend fügt er bei: „Nicht wandelnd in Arglist.“ Denn was bei Jenen für preiswürdig galt, Das erklärt Paulus als schimpflich und verächtlich. Was heißt aber: „in Arglist“? Jene gaben sich nach aussenhin den Schein der Uneigennützigkeit, aber insgeheim nahmen sie Geschenke; sie standen im Rufe von Heiligen und von ächten Aposteln, aber ihr Inneres war über und über voll von Sünden. Ganz anders wir, versichert Paulus; wir haben solche Künste — denn Das versteht er unter den „schändlichen Heimlichkeiten“ — von uns gewiesen; wir sind so, wie wir erscheinen; wir haben keine Geheimnisse, weder was unser Leben betrifft noch auch unsere Lehre; denn Das heißt: „Nicht fälschend das Wort Gottes, sondern in Offenbarung der Wahrheit;“ nicht in Schein und eitlem Prahlen, sondern im Erweise von That und Wahrheit. „Uns empfehlend an jedes Gewissen der Menschen.“ Denn Gläubigen wie Ungläubigen sind wir offenbar und den Blicken Aller ausgesetzt, so daß sie unser Verhalten prüfen können, soviel sie wollen; und Das ist es, was uns zur Empfehlung dient, nicht etwa das Heucheln oder das Herumtragen einer glänzenden Maske. So versichern wir, Nichts in Empfang zu nehmen, und rufen euch zu Zeugen dafür an; wir versichern, daß wir uns nichts Schlimmes bewußt sind, und nehmen auch hiefür wieder von euch das Zeugniß; wir gleichen nicht Jenen, die ihr Thun und Treiben in Dunkel hüllen und so Viele täuschen. Wir stellen unser Leben vor Aller Augen und nehmen jede Hülle von unserer Lehre, so daß Alle sie deutlich ersehen können. Dann weil den Ungläubigen die Kraft des Evangeliums verborgen blieb, so fährt Paulus fort: Daran sind nicht wir Schuld, sondern ihre eigene Unempfänglichkeit. Darum heißt es:

[S. 156] 3. 4. Wenn aber auch unser Evangelium verhüllt ist, so ist es vor Denen verhüllt, die verloren gehen; in welchen der Gott dieser Welt geblendet hat den Sinn der Ungläubigen.

Wie es vorher hieß: „Den Einen Geruch des Todes zum Tode, den Andern Geruch des Lebens zum Leben,“ so kehrt auch hier dieser Gedanke wieder.

1: II. Kor. 10, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger