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Chrysostomus († 407) - Homilien über den zweiten Brief an die Korinther

Dritte Homilie.

I.

12. Denn unser Rühmen ist dieses: das Zeugniß unseres Gewissens, daß wir in Einfalt und Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in Gnade Gottes gewandelt sind in der Welt.

Hier enthüllt uns der Apostel wieder Grund und Anlaß zu einer neuen Art des Trostes, und zwar eines Trostes von so wirksamer Kraft, daß an ihm allein schon die unter der Last der Trübsale versinkende Seele sich wieder aufrichten könnte. Weil er nämlich gesagt hat: „Gott hat uns errettet,“ weil er seine Erhaltung ausschließlich den Erbarmungen Gottes und den Gebeten der Korinther zugeschrieben, so befürchtet er auf diesem Wege die Hörer lässig und sorglos zu machen, da sie sich ganz auf Gottes Barmherzigkeit und fremde Fürbitte verlassen könnten. Darum geht er jetzt daran, zu zeigen, wie auch er das Seinige redlich beigetragen. Theilweise hat er Dieses schon nahe gelegt, indem er sprach: „Gleichwie überreichlich sind die Leiden Christi, so ist auch überreichlich unser Trost.“ Hier aber führt er noch ein weiteres Verdienst an, das er sein eigen nennen darf. Und worin besteht dieses? In [S. 52] einem reinen, arglosen Gewissen, sagt er, wandeln überall in der Welt; das ist für uns keine kleine Ermuthigung, kein geringer Trost, ja noch mehr als Das, sogar Anlaß zum Rühmen. Es liegt in diesen Worten einerseits eine Ermunterung an die Korinther, in den Bedrängnissen muthig auszuharren, ja sich ihrer zu rühmen, wenn sie anders ein gutes Gewissen hätten, und andererseits ein strafender Fingerzeig auf die falschen Apostel. Und gleichwie er im ersten Briefe gesagt hat: „Christus hat mich gesendet, das Evangelium zu verkünden, nicht in Weisheit des Wortes, damit nicht entkräftet werde das Kreuz Christi;“1 und wiederum: „Damit euer Glaube nicht beruhe auf Weisheit von Menschen, sondern auf Kraft Gottes,“2 so versichert er auch hier: „Nicht in Weisheit, sondern in Gnade Gottes sind wir gewandelt.“ Aber noch etwas Anderes hat er im Auge, wenn er sagt. „Nicht in Weisheit,“ das ist nicht in Trug und Täuschung; es sind nämlich diese Worte zugleich ein Schlag auf die Weisheit dieser Welt. „Denn unser Rühmen,“ sagt er, „ist dieses: das Zeugniß unseres Gewissens,“ jenes Gewissens, das uns nicht zur Last legen kann, als hätten wir unsere Verfolgungen durch schlechte Handlungen verdient. Mögen darum auch die Schläge, die uns treffen, noch so schwer und zahlreich sein, mögen Angriffe und Gefahren von allen Seiten über uns kommen, für uns liegt genug des Trostes, ja nicht allein Trost, sondern eine wahre Krone in unserem eigenen Gewissen; denn dieses ist rein und gibt uns das Zeugniß, daß unsere Leiden nicht etwa eine verdiente Strafe sind, sondern daß sie im gnädigen Willen Gottes, in der Tugend und Weisheit und im Heile Vieler ihren Grund haben. — So haben wir denn zwei Arten des Trostes, die eine früher genannte kommt von Gott; die andere, von der jetzt die Rede, hat ihren Ursprung im eigenen In- [S. 53] nern und in der Reinheit des Lebens. Darum nennt Paulus diese zweite Art auch Gegenstand des Rühmens, weil sie das Werk der eigenen Tugend ist.

Was ist nun aber das für ein Rühmen, und was bezeugt uns unser Gewissen? „Daß wir in Einfachheit und Lauterkeit gewandelt sind,“ das ist: fern allem arglistigen, heuchlerischen, doppelsinnigen Wesen, fern allem Schmeicheln, Ueberlisten und Hintergehen, fern Allem, was zu diesem Gebiete gehört; sondern in Ehrlichkeit und Offenheit und Aufrichtigkeit sind wir gewandelt, mit reinem biederen Sinne und arglosem Herzen, nicht in gleissender Aussenseite bei verborgener Tücke. Derartige Künste waren der Stolz der Gegner; aber Paulus verschmäh solche Mittel; sie sind in seinen Augen, wie er Das ausführlich zeigt, unwerth des Rühmens, und weit entfernt, sie zu suchen, weist er sie vielmehr als schimpflich von sich. „Sondern in Gnade Gottes sind wir gewandelt in der Welt.“ Was heißt denn „in Gnade Gottes“? Das will sagen, von der Weisheit und Macht, die Gott uns verliehen, geben wir offenkundige Erweise durch Wunderwerke, durch Ueberwindung von Weisen, Rednern und Philosophen, von Königen und Völkern, und zwar ohne daß wir gelehrt sind oder menschliche Weisheit zu Hilfe nehmen. Das ist in der That kein gewöhnlicher Trost, kein geringes Rühmen, daß Paulus sich bewußt ist, bei seinem gesammten Wirken nicht auf menschliche Kraft, sondern einzig auf Gottes Gnade sich zu stützen. — „In der Welt.“ So nämlich nicht in Korinth allein, sondern überall in der Welt. — „Mit Vorzug aber bei euch.“ Was denn „mit Vorzug?“ sind wir nämlich in Gottes Gnade gewandelt. Denn Zeichen und Wunder haben wir unter euch gewirkt, noch größer war unsere Achtsamkeit und tadellos unser Leben. Denn auch das Letztere nennt Paulus Gnade von Gott; der Gnade schreibt er überhaupt Alles zu, auch was er selbst Gutes thut. Bei den Korinthern nämlich war er noch über die Schranken [S. 54] hinausgegangen, indem er ohne Entgelt das Evangelium verkündete, um ihrer Schwäche zu schonen.

13. Denn nicht Anderes schreiben wir, als was ihr leset oder auch sonst erkennet.

Der Apostel hat Großes von sich gesagt und schien in eigener Sache Zeugniß zu geben. Das pflegt man aber unlieb aufzunehmen. Darum ruft er wieder die Korinther selbst zu Zeugen auf für die Wahrheit seiner Worte. Es wähne Niemand, sagt er, meine Rede sei eitel Rühmen; ich erwähne ja nur Dinge, die ihr alle wißt; und mehr als Andere könnt gerade ihr die Richtigkeit meiner Aussage bezeugen. Denn während des Lesens erkennet ihr, daß ich im Schreiben Nichts sage, als was euch ebenso gut wie mir aus Thatsachen bekannt ist; und das Zeugniß, das mir geben müßt, steht nicht im Widerspruche mit dem Inhalte meiner Briefe, sondern im Einklang mit Dem, was ihr leset, ist die Ueberzeugung, die ihr schon vorher von von mir hattet. — „Gleichwie ihr auch zum Theil uns habt kennen lernen.“ Denn nicht vom Hörensagen, sondern aus eigener Anschauung kennt ihr mein ganzes Thun und Lassen. Das „zum Theil“ fügt Paulus aus Bescheidenheit hinzu, denn es ist so seine Art, wenn er einmal aus zwingenden Gründen — denn anders thut er es nicht — von sich Rühmliches gesprochen, dann schnell die hohen Worte wieder demüthig zu beschränken.

1: I. Kor. 1, 17.
2: I. Kor. 2, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger