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Chrysostomus († 407) - Homilien über den zweiten Brief an die Korinther

Zweite Homilie.

I.

6. Sei es daß wir bedrängt werden, so ist es zum Besten eures Trostes und Heiles, welches gewirkt wird im Ertragen derselben Leiden, die auch wir dulden; und unsere Hoffnung ist fest in Bezug auf euch.

Der Apostel hat bisher eine und zwar die reichste Quelle des Trostes im Leiden genannt, nämlich die Gemeinschaft mit Christus. Eine weitere Quelle, zu der er jetzt übergeht, ist das Heil, welches den Schülern aus den Leiden des Lehrers erwächst. Lasset darum, so ermahnt er sie, bei unseren Bedrängnissen den Muth nicht sinken, verscheuchet Unruhe und Furcht; ja eher sollen gerade unsere Leiden euere Zuversicht stärken. Denn würden wir den Trübsalen aus dem Wege gehen, so wäre es zu euer aller Verderben. Hätten wir nämlich aus Gemächlichkeit und Furchtsamkeit euch das Evangelium nicht verkündet, so daß ihr zur rechten Erkenntniß gelangen konntet, so stünde es schlimm mit eurem Heile. Hier sehen wir wieder die Kraft und Rüstigkeit seines Geistes. Denn was die [S. 27] Korinther mit Unruhe erfüllte, das weiß er in eine Quelle des Trostes zu verwandeln. Denn je heftiger, sagt er, gegen uns die Stürme sich erheben, desto fester und froher müssen euere Hoffnungen werden; denn in gleichem Schritte mehren sich die Voraussetzungen eueres Heiles und Trostes. In der That, wirksamer konnte der Apostel sie nicht trösten, als wenn er sie an die erhabenen Güter erinnerte, die ihnen aus dem Evangelium zugeflossen! Aber sogleich befürchtet er, sein eigenes Verdienst um ihr Heil in ein zu helles Licht zu setzen; darum beeilt er sich, auch ihren Antheil gebührend hervorzuheben. Denn auf die Worte: „Sei es daß wir bedrängt werden, so ist es zum Besten eueres Trostes und Heiles“ läßt er unmittelbar folgen: „welches gewirkt wird im Ertragen der gleichen Leiden, die auch wir dulden.“ Klarer spricht er den Gedanken im nächsten Verse aus, wenn er sagt: „Sowie ihr Theil nehmet an meinen Leiden, so auch an der Tröstung.“ Hier deutet er diese Theilnahme nur einstweilen an, indem er redet vom Ertragen der gleichen Leiden. Was er aber sagen will, ist Dieses: Wir verkünden unter Verfolgung das Wort Gottes; denn wir müssen mittheilen, was wir empfangen haben; ihr aber, die ihr die Lehre aufnehmet, müßt unsere Schicksale theilen, wenn ihr anders das Dargebotene euch aneignen und nicht wieder verlieren wollt. Was kann wohl, frage ich, mit dieser Demuth des Apostels sich vergleichen? Die Korinther standen so tief unter ihm, und doch sagt er: Im Dulden steht ihr auf derselben Stufe wie ich; ihr ertraget die gleichen Leiden. Denn nicht auf die bloße Annahme des Glaubens gründet ihr euer Heil, sondern auch auf Gleichheit und Gemeinschaft mit unserem Leiden. —

Ein Faust- und Ringkämpfer erregt Bewunderung durch seine bloße Erscheinung und Haltung, selbst wenn seine Kunst noch in ihm ruht. Wenn er aber seine Kraft entfaltet und wuchtige Schläge austheilt und aushält, so strahlt er im höchsten Glanze; denn jetzt schafft seine Stärke [S. 28] und Gewandtheit sich Geltung und offenbart sich der wahre Werth seiner Kunst. Gerade so ist es mit dem Heile. Denn es wird in höherem Grade dann gewirkt, das heißt geoffenbart, gemehrt, gesteigert, wenn wir zu leiden haben und Alles starkmüthig ertragen. Wirkung des Heiles ist also Übles leiden, nicht Übles thun. Und Paulus sagt nicht: Das Heil, welches ihr wirkt, sondern: „Das Heil, welches gewirkt wird.“ Er will nämlich zeigen, daß ausser ihrer eigenen Bereitwilligkeit Vieles der in ihnen wirksamen Gnade zukomme. — „Und unsere Hoffnung ist fest in Bezug auf euch.“ Mag nämlich über euch kommen, was da will, wir haben die feste Zuversicht, daß Nichts, selbst nicht euere eigenen Bedrängnisse euch irre machen werden. Ja so ferne liegt uns der Gedanke, es möchten die Trübsale, die über uns kommen, euch verwirren, daß sogar die Gefahren, in die ihr etwa selbst gerathet, uns ohne Besorgniß lassen. Siehe den reichen Gewinn aus dem ersten Briefe! Den Korinthern gibt Paulus ein viel schöneres Zeugniß als den Macedoniern, denen er doch allenthalben in diesem Schreiben so hohes Lob spendet. Für Diese ist er nicht ohne Sorge. Das ersehen wir aus seinen Worten: „Ich habe zu euch den Timotheus gesendet, damit er euch befestige und mahne wegen eueres Glaubens, auf daß Niemand wankend werde bei diesen Drangsalen; denn ihr selbst wißt, daß es so unsere Bestimmung ist.“1 Und wieder: „Darum habe ich, da ich es nicht mehr aushielt, (ihn) gesendet, um Kunde zu erlangen von euerem Glauben, ob nicht etwa der Versucher euch versucht hat und unsere Mühe möchte vereitelt werden.“ Aber das gerade Gegentheil von den Korinthern: „Unsere Hoffnung ist fest in Bezug auf euch.“

[S. 29] 7. Sei es daß wir getröstet werden, so ist es zu Gunsten eueres Trostes und Heiles,indem wir wissen, daß wie ihr Theil nehmt an den Leiden, so auch an der Tröstung.

Daß die Drangsale der Apostel wegen der Gläubigen seien, das hat Paulus eben gezeigt mit den Worten: „Sei es daß wir bedrängt werden, so ist es zum Besten eueres Trostes und Heiles.“ Jetzt will er zeigen, daß sie den Gläubigen auch den Trost zu verdanken haben. Auf Dieses haben schon gleich Anfangs, wenn auch weniger bestimmt, die Worte hingewiesen: „Gepriesen sei Gott, der uns tröstet in jeglicher Drangsal, auf daß auch wir trösten können Die, welche in jeglicher Bedrängniß sind.“ Hier nun wiederholt er in anderer Wendung diesen Gedanken und bringt ihn deutlicher und wirksamer zum Ausdrucke, wenn er sagt: „Sei es daß wir getröstet werden, so ist es zu Gunsten eueres Trostes.“ Damit will er sagen: Unser Trost wird für euch zur Erquickung, selbst abgesehen von unserem aufmunternden Worte. Wenn wir nur ein bißchen aufathmen, so fühlt ihr euch schon erleichtert, und wenn wir Trost empfangen, so ist das auch für euch eine rechte Freude. Denn wie ihr meine Leiden als euere eigenen betrachtet, so auch meinen Trost. Denn wenn ihr schon das Bittere mit mir theilt, warum nicht um so lieber das Süße? Und wenn ihr nun Alles, Freude und Leid, mit mir gemeinsam habt, was tadelt ihr mein langes Säumen? Zu euerem Besten sind ja die Bedrängnisse (die mich zurückgehalten); und auch den Trost habe ich euch zu verdanken. Es könnte ihnen nämlich schwer fallen, wenn sie hörten: Ihr seid der Anlaß meiner Leiden; darum fügt er bei: Ihr seid auch die Ursache meiner Tröstung. Und auch in den Gefahren, sagt er, fühle ich mich nicht verlassen; denn „ihr nehmt Theil an den gleichen Leiden.“

1: Thess. 3, 3. 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger