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Chrysostomus († 407) - Homilien über den zweiten Brief an die Korinther
Erste Homilie.

V.

Welchem Märtyrer nun kann sich Job nicht würdig an die Seite stellen? Gewiß unzähligen! Denn Alles, Habe und Kinder, der eigene Leib, die Gattin, Freunde und Feinde, die Hausgenossen (denn auch diese spieen ihm in’s Angesicht), Hunger und Träume, Schmerzen und Pestgeruch. Alles zwang ihn zum Kampfe, und in jedem Kampf ward er Sieger. Darum sage ich, daß er nicht einem oder zwei oder drei, sondern unzähligen Märtyrern sich gleich stellen kann. Denn ausser dem Gesagten erhöht auch die Zeit, in der er lebte, den Glanz seiner Siege. Seine Leiden fielen ja in die Zeit vor dem Gesetze und vor der Gnade, sie dauerten viele Monate lang und überstiegen alles Maß, und zu gleicher Zeit drangen die Schrecken alle auf ihn ein. Jeder einzelne der Schläge, die ihn trafen, wäre kaum zum Aushalten, selbst der, welcher noch am [S. 22] erträglichsten erscheint, der Verlust des Vermögens. Viele wenigstens gibt es, die lieber Wunden ertragen als den Verlust der Habe, die lieber Streiche aushalten und Alles, was hart ist, als eine Einbuße am Vermögen. So ist nun das wieder ein Marterthum in anderer Form, solchen Verlust starkmüthig zu ertragen. Aber wie bringe ich Das zu Stande? frägst du. Wenn du lernst, daß du durch ein ewiges Wort mehr gewinnst, als du verloren hast, durch das Wort der Danksagung. Wenn wir nämlich bei der Nachricht vom Verluste nicht ausser Fassung kommen, sondern sprechen: Gepriesen sei Gott! so haben wir größeren Reichthum gefunden. Denn du magst all deinen Reichthum für die Dürftigen verwenden, du magst selbst umhergehen und die Armen aussuchen und an die Hungernden deine ganze Habe vertheilen, so reiche Frucht wie aus diesem einen Worte wirst du nicht ärnten. Auch den Job bewundere ich weniger darum, weil er den Nothleidenden sein Haus geöffnet, als ich ihn anstaune und preise, weil Der den Raub seiner Habe mit Danksagung hingenommen. Das Gleiche gilt vom Verluste der Kinder. Auch da wirst du keinen geringeren Lohn empfangen als der Patriarch, der seinen Sohn zur Opferung führte, wenn du dein Kind am Sterben siehst und dem gütigen Gotte dankst. Denn in was sollte ein solcher Vater dem Abraham nachstehen? Dieser sah den Sohn nicht todt zu seinen Füßen, es blieb bei der Erwartung. Wenn er Das voraus hat, daß er entschlossen war, den Sohn zu opfern, so steht er darin nach, daß hier das Kind wirklich todt ist. Dem Abraham brachte Trost der Gedanke, daß er Großes vollbringe, und daß die hochherzige That das Werk seines eigenen Heldenmuthes sei. Hier aber fällt all Dieses weg. Wahrlich eine Seele von Erz gehört dazu, den einzigen Sohn, der im Überflusse ausgewachsen, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, vor dem offenen Grabe hingestreckt zu sehen und den Gleichmuth zu bewahren. Wenn ein solcher Vater den ersten Aufruhr seines Innern beschwichtigt hat und dann ohne [S. 23] Thräne im Auge das Wort des Job wiederholt: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen,“ so verdient er um dieses einen Wortes willen neben Abraham gestellt und wie Job gepriesen zu werden. Und wenn er noch dem Wehklagen der Frauen wehrt und die Reihen der Klageweiber löst und zu gemeinsamer Lobpreisung Alle hinreißt, so wird er vom Himmel und von der Erde den ersten Kranz empfangen: es bewundern ihn die Menschen, die Engel jauchzen Beifall, und Gott reicht die Krone.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger