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Zosimos (um 500) - Neue Geschichte (Historia nea)
Fünftes Buch

Fünfzehntes Kapitel. Fortschritte Tribigilds.

[J. 399.] 1. Leon aber weilte in der Gegend des Hellespont, hatte nicht den Muth, dem Tribigildus ein Treffen zu liefern, und gab vor, zu [S. 129] fürchten, dieser möchte einen Theil seines Heers durch einen andern Weg in der Stille abschicken, um die Oerter des Hellespont zu zerstören. 2. Da also den Tribigildus niemand hinderte, so geschahs, daß jede Stadt1 mit Gewalt erobert, alle Einwohner mit den Besatzungen niedergemacht wurden, und keiner der Barbaren ein Gehülfe der Römer war. Denn sie schlugen sich in den Treffen mit den Römern zu ihren Landsleuten. 3. Gainas aber nahm die Miene des Mitleids mit den Unfällen der Römer an, bewunderte die Kriegslisten des Tribigildus, und nannte ihn einen Gegner, der durch Verstand und Scharfsinn noch mehr gewinne, als durch Macht. 5. Nun setzte er nach Asien über, griff aber keinen Feind an, sondern sahe gleichgültig den Untergang der Städte und des Landes, und folgte nur, gleichsam um zu beobachten, was geschahe, erwartete den Fortzug des Tribigildus ins Morgenland, und schickte auch heimlich Völker ab, ihn in seinen Unternehmungen zu unterstützen, noch aber offenbarte er seine Gedanken in der Sache nicht. 6. Wäre nun Tribigildus nach dem Angriffe Phrygiens nicht gegen Pisidien, sondern alsbald nach Lydien gerückt, so hätte ihn nichts verhindert, dieses mit Gewalt ohne sonderliche Mühe einzunehmen, und Ionien dazu zu verderben. Von da konnte er auf die [S. 130] Inseln hinüber schiffen, sich eine so große Flotte, als er wollte, anschaffen, das ganze Morgenland durchziehen, und bis Aegypten hin alles plündern, weil nirgends eine bedeutende Macht war. 7. Da er aber dieses nicht beherzigte, sondern beschloß, das den Pisidiern benachbarte Pamphylien zu überziehen, so gerieth er auf beschwerliche und für die Reuterei gänzlich unzugängliche Wege. 8. Kein Heer stund ihm entgegen. Nur ein gewisser Valentinus, der in Selga2, einem kleinen, auf einem Hügel gelegenen Städtchen Pamphyliens wohnte, ein mittelmäßig gelehrter Mann, des Kriegswesens nicht ganz unerfahren, sammelte eine Menge von Sklaven, und von Ackersleuten diejenigen, die in den beständigen Kämpfen gegen benachbarte Räuber geübt waren, und stellte seine Schaaren auf die höher liegende Zugänge, so, daß sie alle, die des Wegs reiseten, sehen konnten, ohne selbst gesehen zu werden, wenn auch die Feinde bei Tage durchziehen wollten.

1: Die er angriff.
2: Eine Lacedämonische Kolonie, ehemals eine Stadt von großem Namen, von der Eustathius erzählt (Not. zum 860. V. des Dionys. Pering.), sie soll 20000 Einwohner gehabt haben.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorrede zum zweiten Band
Ueber Zosimus und dessen Glaubwürdigkeit
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger