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Zosimos (um 500) - Neue Geschichte (Historia nea)
Fünftes Buch

Zweites Kapitel. Rufinus läßt den Lucianus hinrichten, weil dieser sein Amt mit vielem Lobe verwaltete.

1. Florentius, der zur Zeit der Regierung des großen Julians die Würde eines Statthalters bei den Völkern jenseits der Alpen gehabt, hatte einen Sohn Namens Lucianus. 2. Dieser trat das Kostbarste seiner Habe an den Rufinus ab, und hatte ihn daher so sehr zum Gönner, daß Rufinus nicht müde wurde, dem jungen Mann seinen Dank zu bezeugen, und sein Lob dem Kaiser Arkadius vorzutragen. 3. Daher machte ihn dieser zum Comes des Morgenlandes. Wer dieses Amt verwaltet, ist allen morgenländischen Magistraten vorgesetzt, und kann, was nicht recht gethan wird, berichtigen. 4. Lucianus zeigte nun alle gute Eigenschaften eines Regenten gegen die Untergebenen, und war wegen seiner Gerechtigkeit, Mässigung und allen Tugenden, die einen Herrscher zieren können, berühmt. Weder an den Unterschied der Personen, noch an sonsten etwas [S. 107] dachte er, sondern nur an das, was das Gesetze befahl. 5. Als daher selbst der Oheim des Kaisers, Euchenius, ihn um etwas Unziemliches bat, und abgewiesen wurde, reizte er diesen so sehr, daß er ihn beim Kaiser verläumdete. Arkadius gab dem Rufinus Schuld, daß einem solchen Manne eine so große Gewalt anvertraut worden seie. Rufin zürnte, daß ihm der Kaiser Vorwürfe gemacht hatte, und nahm daher, ohne jemanden seine Absicht zu sagen, den Vorwand, nur in kleinem Gefolge nach Alexandrien zu reisen, kam dann Nachts in die Stadt, ergriff den Lucianus, zog ihn, ohne daß ein Mensch ihn anklagte, zur Vertheidigung, und läßt ihn mit bleiernen1 Kugeln auf den Nacken schlagen, und dann den Ohnmächtigen, bedeckt, in einer Sänfte alsobald wegtragen, daß jedermann glauben sollte, er seie nicht todt, sondern man zeige noch Menschenliebe gegen ihn. 8. Die Stadt war über diesen unerwarteten Auftritt unwillig, Rufinus aber besänftigte das Volk dadurch, daß er eine kaiserliche Halle erbauete ― ein Gebäude, dergleichen die Stadt kein prächtigeres hat!

1: Eigentlich mit Peitschen, an denen eine oder mehrere Kugeln von Blei befestigt waren – also eine Art von Knute, die besonders auch zur Zeit der Verfolgungen gegen die Märtyrer gebraucht wurden. Daher die ictus plumbei beim Prudentius, der in der 10. Hymne V. 117. sagt:
Plumbo cervix verberata extuberet.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorrede zum zweiten Band
Ueber Zosimus und dessen Glaubwürdigkeit
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger