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Zosimos (um 500) - Neue Geschichte (Historia nea)
Viertes Buch

Acht und vierzigstes Kapitel. Thätigkeit des Theodosius, die übrig gebliebenen Räuber in Makedonien auszurotten.

1. Wie er selbst nach Thessalonich zurückkehrte, fand er in Makedonien keine geringe Verwirrung der Dinge. 2. Denn alle Barbaren, die sich in den Sümpfen und den Wäldern in der Nachbarschaft der Seen verborgen, und bei dem ersten Anfalle der Römer gerettet hatten1, nützten izt die Beschäftigung des Kaisers im bürgerlichen Kriege, Makedonien und Thessalien, wo ihnen niemand Widerstand leistete, zu plündern. 3. Als sie aber vom Siege und der Rückkehr des Theodosius Nachricht erhielten, verbargen sie sich wieder in die Sümpfe. Von da fielen sie heimlich aus, und raubten, was sie vorfanden. Sobald aber der Tag anbrach, begaben sie sich in die gewöhnlichen Oerter, so daß dem Kaiser der Gedanke einkam, es seyen eher Gespenster, als Menschen, die so ins Land fielen. 4. In dieser Verlegenheit theilte er seinen Entschluß niemanden mit, nahm fünf Reiter mit sich, und befahl, ein jeder solle drei oder vier [S. 84] Pferde am Zügel nachführen, damit der Reiter, wenn das Pferd, das er ritt, der Arbeit unterläge, ein anderes besteigen könnte, und damit die Pferde auf diese Art gegen die Beschwerlichkeit der Unternehmung, die er im Sinne hatte, ausdauerten. 5. Ohne daß jemand, der ihn sahe, den Kaiser in ihm muthmaßen konnte, untersuchte er die Gegend, und, wenn er mit seinem Gefolge Nahrung bedurfte, bat er sie sich von den Landleuten aus. Hier kam er nun auch in eine kleine Herberge, die von einer alten Frau bewohnt wurde, und verlangte von ihr Obdach und einen Trunk. 6. Als nun die Frau ihn liebreich aufnahm, Wein und was sie hatte, mittheilte, und die Nacht einbrach, verlangte er, auch da zu schlafen. 7. Auch dieses bewilligte sie. Der Kaiser legte sich in eine Ecke der Herberge, und bemerkte da einen Menschen, der nichts redete, und sich verbergen zu wollen schien. 8. Theodosius verwunderte sich darüber, rief die Frau herbei, und frug: wer und woher der Mensch sey? 9. Sie antwortete: Sie wisse es nicht, auch nicht, in welcher Absicht er gekommen sey, nur das, sprach sie, wisse sie: seit dem man Botschaft erhalten, daß der Kaiser mit dem Heere zurückgekehrt sey, kehre er bei ihr ein, bezahle jeden Tag, was er verzehrt habe, gehe den ganzen Tag außer dem Hause, wohin er wolle, umher, komme bei einbrechender Nacht zurück, wie von einer Arbeit ermüdet, nehme Speise zu sich, und lege sich dann, wie man hier sehe. Wie der Kaiser [S. 85] dieses hörte, glaubte er, die Anzeige der Alten untersuchen zu müssen, 11. ließ den Menschen greifen, und verlangte zu wissen, wer er sey. Noch hatte er den Trotz, nicht das geringste zu antworten, und nun wurde er durch Peitschenhiebe peinlich befragt. Auch dadurch ließ er sich nicht zwingen. Daher befahl der Kaiser den Reitern, ihm mit den Schwerdten den Leib zu ritzen, und gab sich zugleich als den Kaiser Theodosius zu erkennen. 12. Izt bekannte der Mensch: er sey ein Spion der in den Sümpfen verborgenen Barbaren, und melde ihnen, wo und welche Gegenden und welche Leute sie am besten überfallen können. 13. Alsbald ließ er ihm den Kopf abhauen, schickte nach dem Heere, das nicht weit davon sich gelagert hatte, und führts dahin, wo er nun wußte, daß die Barbaren sich aufhielten, fiel sie an, und richtete alle zu Grunde, indem er theils die in den Sümpfen Verborgenen heraustrieb, theils sie im Wasser niederhieb, so daß die Barbaren eine große Niederlage erlitten.

1: S. oben 45. Kap.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorrede zum zweiten Band
Ueber Zosimus und dessen Glaubwürdigkeit
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger