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Zosimos (um 500) - Neue Geschichte (Historia nea)
Viertes Buch

Sechs und dreißigstes Kapitel. Von der den Röm. Königen und Kaisern übertragenen Pontifexwürde, und wie Gratianus sie ausschlug.

1. Ich darf einen Umstand, der aufgezeichnet ist, nicht übergehen, da er der vorliegenden Erzählung nicht fremde ist. 2. Unter der priesterlichen Obrigkeit Roms waren die Pontifices die vornehmsten. Man könnte sie die Gephyräer1 nennen, wenn man die Benennung in die griechische Sprache übertragen wollte. Diesen Namen hatten sie aus [S. 62] folgender Ursache. 3. Als die Menschen den Bilderdienst noch nicht kannten, wurden die ersten Bilder der Götter in Thessalien gemacht, und weil es noch keine Kapellen gab — denn der Gebrauch auch von diesen war noch unbekannt — so stellte man die Abbildungen der Götter auf eine Brücke des Peneus. Diejenigen nun, die das Amt hatten, den Göttern zu opfern, hießen, von der ersten Aufstellung her, Gephyräer. 4. Dieses nahmen die Römer von den Griechen an, nannten diejenigen, die bei ihnen das Amt der Priester hatten, Pontifices, und beschlossen, daß auch die Könige, um ihrer vorzüglichen Würde willen, ihnen beigezählt werden sollten. 5. Der erste, der es wurde, war Numa Pompilius, und alle, die nach ihm Könige hießen; nach ihnen Octavianus selbst, und nach ihm alle, die ihm in der Römischen Monarchie folgten. 6. Denn jedem wurde, so bald er die Regierung übernahm, von den Pontifikern das priesterliche Gewand überbracht, und er als Pontifex Maximus eingeschrieben, das so viel, als Oberpriester, ist. 7. Alle Kaiser sahe man diese Würde mit Vergnügen annehmen, und sich dieses Titels bedienen, selbst den Konstantinus, da er zur Regierung kam, ob er gleich von dem rechten Wege im Gottesdienste abwich, und den Glauben der Christen annahm. 8. Das nämliche thaten seine Nachfolger, auch Valentinianus und Valens. 9. Da nun die Pontifices nach der Gewohnheit auch dem Gratianus das Priestergewand überbrachten, [S. 63] verwarf er ihren Antrag, weil er diese Tracht einem Christen für unerlaubt hielt. 10. Wie er nun die Stola zurückgab, soll der Vorsteher derselben gesagt haben: „Will der Kaiser nicht Pontifex heissen, so wird er bald Pontifex Maximus werden.“2

1: Brückenmacher, Brücker.
2: Den Doppelsinn dieses dem Haupte der pontificalischen Deputation, wahrscheinlich erst hinten nach, beigelegten Bonmots ist dieser: „Verwirft Gr. den Namen eines P. so wird er in der That bald Pontifex Max. seyn, und eine Brücke mit seinem Blute bespritzen; oder: so wird bald Maximus das seyn, was er nicht seyn will.“ Der letztere Sinn ist der bessere, im Deutschen aber nicht wohl auszudrücken, als wenn man etwas beisetzte: so wird bald ein anderer (Maximus) Pontifex Maximus seyn. Allein dann gienge der Doppelsinn verloren, und die angebliche Prophezeihung wäre zu deutlich.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorrede zum zweiten Band
Ueber Zosimus und dessen Glaubwürdigkeit
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger