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Zosimos (um 500) - Neue Geschichte (Historia nea)
Zweites Buch

Vier und vierzigstes Kapitel.

1. Konstantius, der aus den morgenländischen Provinzen zum Kriege gegen Magnentius auszog, glaubte, zuvor durch List den Vetranio sich zum Freunde machen zu müssen, damit er nicht gegen zween Anmaßer, sondern nur gegen Einen zu streiten hätte. 2. Aber auch Magnentius gab sich Mühe um Vetranio’s Freundschaft, um mit dessen Hülfe den Krieg gegen Konstantius zu führen. Beide schickten also deswegen Gesandte an denselben1; doch wollte Vetranio lieber diesem beistehen als dem Magnentius. 3. Als nun des Magnentius Gesandten unverrichteter Sachen sich entfernt hatten, schlug Konstantius eine Zusamenkunft2 beider Heere und eine gemeinschaftliche Ueberlegung vor, wie man den Krieg gegen Magnentius zu führen habe. 4. Vetranio wurde herbei gelockt, und beide bestiegen mit einander ein hierzu errichtetes Gerüste. 5. Konstantius erhielt, zur [S. 199] Ehre seiner Abstammung, zuerst das Wort3, und erinnerte überall in seiner Rede die Soldaten an die Freigebigkeit seines Vaters, und an die demselben geleisteten Eidschwüre, dessen Söhnen beständig ergeben zu seyn. 6. Zugleich bat er sie, nicht zuzugeben, daß Magnentius, Mörder von einem Sohne des Konstantinus, mit welchem sie so viele Kriege geführt, und von welchem sie sehr große Geschenke erhalten hätten, ungestraft davon komme. 7. Als dieses die Soldaten hörten, die vorher schon reichliche Geschenke erhalten hatten, riefen sie aus: Man müsse das Kaiserthum von dem, was nicht ächt sey, reinigen; und zugleich zogen sie dem Vetranio den Purpur aus4, und führten ihn als einen Privatmann von der Bühne herab. 8. Konstantius ließ demselben kein Leid zufügen, und wies ihm in Bithynien einen Aufenthalt nebst hinlänglichem Einkommen an5. So beschloß er dorten nach einiger Zeit sein geschäftloses Leben!

1: Der von Hrn. R. angeführte Tillemont sezt die vielen Gesandtschaften, welche zwischen Konstantius, Magnentius und Vetranio hin und her giengen, sorgfältig auseinander.
2: Zu Naissus in Obermösien, wie einige Alte wollen; oder zu Sardica, in Niedermösien, unweit Sophia, in Bulgarien, wie Zonaras B. XIII. angiebt.
3: Oder vielleicht, weil er älterer Kaiser war; denn diese Ursache hatte mehr Anschein, und war keine Beleidigung gegen Vetranio (wie die von Zosimus angegebene), welchen man doch im Anfange des Schauspiels noch zu schonen hatte.
4: Glaubwürdiger ists, daß Vetranio, wie Hr. R. aus Julianus anführt, als er die Soldaten nicht seinen, sondern nur Kostantius Namen, mit Beifall ausrufen hörte, selbst die Insignien der Kaiserwürde ablegte.
5: Zu Prusa in Bithynien beschloß er nach sechs in vergnügter Ruhe verlebten Jahren sein Leben.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorrede zum zweiten Band
Ueber Zosimus und dessen Glaubwürdigkeit
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger