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Zosimos (um 500) - Neue Geschichte (Historia nea)
Zweites Buch

Vier und dreißigstes Kapitel.

l. Konstantinus erleichterte auch noch durch eine andere Handlung den Barbaren das Eindringen in das Römische Gebiete. 2. Denn da das Römische Reich überall an seinen Gränzen, durch die oben schon bemerkte Vorsicht Diokletians1, durch [S. 183] Städte, Schlösser und Burgen verwahrt war, als in welchen die ganze Kriegsmacht ihre Standquartiere hatte, so war den Barbaren das Eindringen unmöglich gemacht, weil überall eine Kriegsmacht ihnen entgegenstand und sie zurüketrieb. 3. Diese Sicherung der Grenzen vernichtete Konstantin, indem er den größten Theil der Kriegsvölker von den Gränzen zurükezog, und in Städte verlegte, die deren Hilfe nicht bedurften; diejenigen Gegenden aber, welche von den Barbaren beunruhigt wurden, des Schutzes entblößte und ruhige Städte der Verwüstung des Kriegsvolks preiß [S. 184] gab, wodurch mehrere Städte menschenleer, die Soldaten hingegen, die sich den Theatervergnügungen und andern Wollüsten überließen, weichlich wurden. 4. Kurz, zu dem bisher dauernden Verderben des Staats kömmt Anfang und Saame von ihm her.

1: Fast sollte es scheinen aus diesen Ausdrücken, als wollte Zosimus Diokletian für den ersten ausgeben, welcher durch angelegte Grenzkastelle u. s. w. für die Sicherheit des Reichs Sorge getragen; da doch schon andere Kaiser vor ihm dasselbige gethan. Auch darf man den Vorwurf, daß die Sicherheit der Grenzen durch Konstantin sey vernichtet worden, nicht in seiner ganzen Stärke annehmen, da es gewiß ist, daß er die Grenzen von Soldaten weder entblößet, noch auch um deren Bewachung unbekümmert gewesen. Durch die Verlegung eines Theiles der Soldaten in ruhige Städte, mußte freilich der Krieger allmählig mehr Geschmack und Neigung an städtischen Vergnügungen und Ueppigkeiten finden, und es zu der Weichlichkeit kommen, über welche Ammianus Marcellinus B. XXII K. 4. als über Hauptverderbnisse bei den Heeren unter Konstantins Söhnen klaget; nemlich, daß der Soldat nicht mehr einen Stein, sondern Federn und weiche Betten zum Lager suche; Pokale habe, welche schwerer als sein Schwerdt seyen; statt unter freiem Himmel in marmornen Häusern zu liegen begehre; trotzig und räuberisch gegen seine Mitbürger, und feige gegen die Feinde sey; übrigens sich vortrefflich darauf verstehe, die manchfaltigen Unterschiede des in solcher Ruhe sich erworbenen Goldes und der Edelsteine zu bestimmen.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorrede zum zweiten Band
Ueber Zosimus und dessen Glaubwürdigkeit
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger