Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Zosimos (um 500) - Neue Geschichte (Historia nea)
Zweites Buch

Text des zweiten Buches.

[S. 117] 1 Diocletianus war ein Dalmatier und von niedriger Herkunft. Seine erste Handlung als Kaiser war, daß er den Aper, als Urheber von Numerianus Ermordung, in einer Versammlung der Soldaten, mit seinem Schwerte durchbohrte. Den übrigen ließ er Verzeihung angedeihen. Den Karinus überwand er in einem Treffen und tödtete ihn.2 Maximianus, welcher den Beinamen Herculianus in der Folge führte, wurde von demselben zum Mitkaiser ernannt und unterdrückte die Bagauden, Gallische Bauern, welche, von Amandus und Aelianus angeführt, Unruhen angefangen hatten. Als Karausius, ein Mann von dunkler Herkunft, durch Tapferkeit sich in diesem Kriege hervorthat und unter den Soldaten sich Ruhm erwarb, so wurde er ernannt, eine Flotte auszurüsten, und die seeräuberischen [S. 118] Einfälle der Franken und Sachsen abzutreiben.3 Nachdem er viele Barbaren gefangen, und die Beute weder den Landeseinwohnern, noch den Kaisern abgeliefert hatte, fiel er in Verdacht, daß er die Barbaren absichtlich herankommen ließe, um, wenn sie vorbeisegelten, sie auffangen, und mit ihrer Beute sich bereichern zu können. Sein Leben zu retten, warf er sich zum Kaiser auf, und bemeisterte sich Britanniens. Zu gleicher Zeit beunruhigte Achilleus Aegypten, die Quinquegentianer4 Afrika und Narseus den Orient. Aus diesen Ursachen ernannten die beiden Kaiser den Julius Konstantius und den Maximianus Galerius zu Cäsarn. Der erstere nahm des Herkulius Theodorus Stieftochter, Galerius des Diocletianus Valerianus Tochter zur Gemahlin. Und weil die Last der Kriege zu heftig drückte, so theilten sie gewissermaßen die Herrschaft: Konstantius überkam alle Provinzen jenseits der Alpen; Herkulius Afrika und Italien; Galerius die Illyrischen Küstenländer bis an die Pontische Meerenge; den Rest behielt Diocletianus. Die meisten Anmaßer des Kaiserthrons wurden von ihnen unterdrückt, und der Cäsar Maximianus abgeschickt, um die Einfälle der Perser zurückzutreiben; und [S. 119] anfänglich von dem Könige Narseus geschlagen; doch begab sich dieser unter Römischen Schutz. In Afrika bezwang er die Quinquegentianer. Achilleus machte in Aegypten wenig zu schaffen, und wurde nach seiner Niederlage hingerichtet. Diesen Sieg verfolgte Diocletianus auf eine grausame Weise; und erfüllte ganz Aegypten mit Achtserklärungen und Hinrichtungen. Doch machte er auch viele kluge Anstalten. Mit dem Karausius, den man vergebens bekriegt hatte, schloß man Friede. Nach sieben Jahren wurde er von Alectus umgebracht; der wiederum nach dreijährigem Besitze von Britannien, unter Anführung des Asclepiodotus, Oberster der Leibwache, unterdrückt; und also Britannien nach einer zehnjährigen Anmaßung wieder zum Römischen Reiche gebracht wurde. Der Cäsar Constantius kämpfte in Gallien gegen die Lingonen mit abwechselndem Glücke. Hierauf führten sie andere Kriege, theils mit vereinigten Kräften, theils einzeln; sie bezwangen die Karpier und Bastarnen, besiegten die Sarmaten, von welchen Völkern sie außerordentlich viele Gefangene in das Römische Gebiet übersezten. Als bei herannahendem Alter Diocletianus zur Staatsverwaltung sich minder aufgelegt fühlte, rieth er dem Herkulius, mit ihm zugleich in den Privatstand zurückzutreten, und das Steuerruder des Staats stärkern und jüngern Händen zu übergeben. Ungern gab ihm sein Amtsgehilfe nach; doch vertauschten sie an Einem Tage den Purpur [S. 120] gegen die Toga, zu Nikomedia Diocletianus, und Herkulius zu Mailand. In der Herrschaft folgten ihnen als ernannte Kaiser Konstantius und Galerius. Bei der Vertheilung der Römischen Welt unter sich, begnügte sich Konstantius mit Gallien, und überließ an Galerius die übrigen Provinzen.

1: Auch der Anfang dieses Buches fehlt in allen Handschriften. Wir liefern also aus den lateinischen Supplementen der R. [Reitemeier] Ausgabe einen Auszug der wichtigsten Begebenheiten.
2: Die gewöhnliche und glaubwürdige Erzählung läßt den Diocletian den Karinus nicht besiegen noch umbringen; sondern in einem für den Diocletian ungünstig werdenden Treffen wurde der unwürdige Karinus von einem Tribun, dessen Frau er verführt hatte, ermordet.
3: S. das 71ste Kap. des 1. B. auch Geogr. Gesch. und Statistik der vornehmsten Europ. Staaten B. 5 S. 70.
4: Ein Volk in Africa, über dessen Lage, u. s. w. Streit ist.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorrede zum zweiten Band
Ueber Zosimus und dessen Glaubwürdigkeit
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)
Bilder Vorlage

Navigation
. Erstes Buch
. Zweites Buch
. . Inhalt des zweiten ...
. . Text des zweiten Buches.
. . Erstes Kapitel.
. . Zweites Kapitel.
. . Drittes Kapitel.
. . Viertes Kapitel.
. . Fünftes Kapitel.
. . Sechstes Kapitel.
. . Siebentes Kapitel.
. . Achtes Kapitel.
. . Neuntes Kapitel.
. . Zehntes Kapitel.
. . Eilftes Kapitel.
. . Zwölftes Kapitel.
. . Dreizehntes Kapitel.
. . Vierzehntes Kapitel.
. . Funfzehntes Kapitel.
. . Sechzehntes Kapitel.
. . Siebenzehntes Kapitel.
. . Mehr
. Drittes Buch
. Viertes Buch
. Fünftes Buch
. Sechstes Buch

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger