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G. B. (von) Schirach, Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.). In: Geschichte des Zosimus. Erster Band und zweiter Band. Aus dem Griechischen zum Erstenmale übersetzt und mit Anmerkungen begleitet von Seybold und Heyler. (Sammlung der neuesten Übersetzungen der Griechischen prosaischen Schriftsteller 10), Frankfurt am Main 1802.
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)

1.

[S. 220] [im 2. Band der „Geschichte des Zosimus“] Zosimus, ein Heide, ein Tadler der christlichen Kaiser: abergläubisch in seiner Religion, wiedersprechend den Nachrichten anderer christlicher Scribenten: noch mehr ein bellender Teufel, wie Evagrius sagt, oder ein Hund, der die Frommen anbellt, wie Photius versichert: was wollen Sie mehr, um dem Z. nicht ferner zu glauben? Sie dachten wenigstens diejenigen, aus deren Händen wir die Geschichte des 5. und 6. Jahrhunderts empfangen haben, nach deren Geschichte wir unsern Begriff dieser Zeit zu bilden [S. 221] gewohnt sind. Keiner wagte sich an den bellenden Teufel, und die Apologie, welche Leunclav für ihn, mehr deklamatorisch, als kritisch verfertigte, war zu sehr Disputation, und zu sehr schulgerecht, um Aufsehen zu machen, oder kam zur unrechten Zeit, und stand vielleicht am falschen Orte. Ich edire und übersetze den Zosimus nicht, wie er; ich habe keine Ursache, dem Z. weder wohl noch übel zu wollen. Die Wahrheit litt: diese nur will ich vertheidigen. – Die erste Pflicht des Geschichtschreibers! In meinen ersten historischen Zweifeln verlor Dio sein Ansehen. Hier wird des Z. Ansehen gewinnen. Doch wir wollen erst sehen, ob er es verdient?

Daß er kein Hund oder Teufel sey, wie die Väter der Kirche, Evagrius und Photius zu versichern belieben, bedarf keines Beweißes. Desto gewisser ist es, daß er ein Heide war.

Und macht ihn dieses allein schon unglaubwürdig genug? Was war Livius? Xenophon? was waren die besten Geschichtschreiber? Aber vielleicht machen die veränderten Zeiten den Heiden verdächtig? Nicht doch! Zosimus hat mehr [S. 222] Wahrheit in seiner Geschichte, als Sozomenus, Zonaras und Nicephorus, und wie die weiter heißen, denen man zu folgen pflegt. Ich will mein kühnes Urtheil sogleich bestätigen. Nur geben Sie mir vorher zu, daß ein Heide von politischen Dingen auch vernünftig denken könne, und von politischen Dingen nur schrieb Zosimus. Auch hierinnen nur hätte man ihm folgen sollen. Was er von Konstantins Annehmung der christlichen Religion, (B. 2. Kap. 29.) von den säkularischen Spielen, (B. 2, 5.) von einem sibyllischen Orakel, wo er sich noch dabei des vorsichtigen: „Man sagts!“ (λέγεται) [legetai] bedient, und erzählt, das rechne man immer ab. Zuerst, welcher Geschichtschreiber ist ganz von Fehlern frei? und dann sind diese drei oder vier Stellen fast die einzigen, die man unserm Schriftsteller mit Grunde vorwerfen kann. Wie weit mehr Fehler entstellen die andern mit ihm gleichzeitigen, und noch dazu christlichen Skribenten? Aberglaube bleibt Aberglaube, und Einfalt, Einfalt; es sei ein Christ oder Heide der Sklave derselben; und hier ist es, warum Zosimus gegen seine widersprechende Zeitgenossen unendlich viel [S. 223] zum voraus hat. Ich getraue mir gegen jeden kleinen Fehler von dieser Art beim Z., immer fünf oder sechs noch größere in den andern Geschichtschreibern aufzustellen.

 

 

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Einleitung zu:
Neue Geschichte (Historia nea) (Zosimos (um 500))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger