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G. B. (von) Schirach, Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.). In: Geschichte des Zosimus. Erster Band und zweiter Band. Aus dem Griechischen zum Erstenmale übersetzt und mit Anmerkungen begleitet von Seybold und Heyler. (Sammlung der neuesten Übersetzungen der Griechischen prosaischen Schriftsteller 10), Frankfurt am Main 1802.
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)

4.

So sieht es fast mit allen Beschuldigungen aus, die man gegen den Zosimus vorgebracht hat. Konstantins ungerechte Grausamkeit gegen seinen Schwager kennt man: ist es unbillig aus menschlichem Mitleiden dem Licin günstiger zu werden, als seinem würgenden Blutsfreunde, und altem Vertrauten? Ich würde es dem Zosimus vergeben, wenn er hier bitter gegen den Konstantin wäre. Er ist es nicht, sondern urtheilt [S. 228] blos, daß Licin wohl keine Ursache zum Zorne seines Schwagers gegeben, sondern dieser vielmehr treulos gehandelt habe1. Wie billig! wie gerecht! und so die übrige ganze Erzählung, welcher Eutropius2, und sogar der Kirchenvater Hieronymus wörtlich im Urtheile beistimmt. Sokrates zwar, der Lügner Zonaras, und Cedrenus wollen uns überreden, als wenn Licin wieder an eine Rebellion gedacht hätte. Gedacht müßte er nur daran haben, denn ein Privatmann in Verachtung und Armuth gestürzt, kann mehr nicht. Und mußte er denn getödtet werden? Wer den Sündern in der Geschichte glauben will, dem wünsche ich es zur Strafe, daß er auch dem Evagrius, und Nicephorus Beifall geben müsse, welche mit frecher Stirne auftreten, und läugnen, daß Krispus und Fausta vom Konstantin umgebracht worden sey, und den Zosimus grämisch, wie schielende Kritiker, anschnarchen, daß er so etwas erzählt habe. Eben dieser Evagrius war es, der den Zosimus einen bellenden Hund nannte. Wer erschrickt nicht über solche Frechheit? — [S. 229] So steht es mit der Byzantischen Geschichtschreiberei. Möchte doch ein Herkules des Augias Stall fegen!

Wo sein Held Lob verdient, da verschmäht ihn Z. nicht; ehrlich erzählt er Konstantins Gelindigkeit in Bestrafung des Maxentius3, und mit dem Pinsel der Wahrheit beschreibt er sein Bild4.

Wo er selbst zweifelt, beruft er sich, und oft, auf die empfangene Nachricht5. Und nicht allein Konstantin, sondern auch andere tadelt er, wo er Fehler findet, z. B. den Valerian6, den Honorius, und andere: denn er schrieb pragmatisch.

1: Libr. 2. cap. 18. sq. et 28. etc.
2: Libr. 10. cap. 4.
3: Libr. 2, 17.
4: Ebendas. 17.
5: 2, 27.
6: 1, 36.

 

 

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Einleitung zu:
Neue Geschichte (Historia nea) (Zosimos (um 500))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger