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G. B. (von) Schirach, Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.). In: Geschichte des Zosimus. Erster Band und zweiter Band. Aus dem Griechischen zum Erstenmale übersetzt und mit Anmerkungen begleitet von Seybold und Heyler. (Sammlung der neuesten Übersetzungen der Griechischen prosaischen Schriftsteller 10), Frankfurt am Main 1802.
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)

3.

Wenn Zosimus die Verlegung der Residenz nach Byzanz, wie man gemeiniglich pflegt, als den Urquell der folgenden Unruhen des Reichs angäbe, und dem Konstantin deßwegen Vorwürfe machte, würde ich mit ihm zürnen. Allein er urtheilt vernünftiger: der Haß gegen Rom, welches ihn haßte, war die Ursache von der Pracht Konstantinopels; Er, der Kaiser suchte einen Ort, den er dem stolzen Rom gleich machen könnte1. Sehen Sie hier den Ehrgeiz, den Hauptzug in dem Charakter des Konstantins. Diese Leidenschaft war es, welche ihn zur Treulosigkeit gegen seinen nächsten Anverwandten, aber Nebenbuhler des Ruhms, den Licin, bewegte, sie war es, welche die Kirchen reich, das Land arm, die Barbaren klug, die christlichen schmeichelnden Prälaten geehrt, und die Regierungsform neu, ich will nicht untersuchen, ob nicht auch den Kaiser zum Christen machte. Wenigstens kann ich bemerken, daß er,2 obgleich Christ, des Apolls und Castor und [S. 226] Pollux, und der Fortuna prächtige Denkmahle erhielt, und in Konstantinopel aufstellen ließ. In den noch aufbehaltenen Urkunden nennt er sich selbst: den siegreichen Konstantin den Grossen3. Ein Schriftsteller, dem man eher alles, als Partheilichkeit Schuld geben kann4, schildert diesen Kaiser so: „Immer pflegte er das Diadem zu tragen — den Wissenschaften war er günstig, und studierte sie selbst. Nach Lob geizte er mehr, als man beschreiben kann.“

Der heftigste Vorwurf, den Zosimus dem Konstantin macht, betrifft die unbedachtsame Verschwendung und Pracht. „Er verwendete viel öffentliches Geld auf unnützes Bauen5, er verschenkte viele unnöthige Summen an Unwürdige — er hielt die Verschwendung für Freigebigkeit.“ Leider, ist es wahr; aber man hat die Wahrheiten, wie oft geschieht, sehr übel genommen. Aurelius Victor unterdessen bestätigt sie ausdrücklich6. Auch die, die sie gewiß nicht bestätigen [S. 227] wollten, indem sie von einer übermäßigen Menge neuer, und prächtig gebauter Kirchen, in Rom, Konstantinopel und andern Orten, von ihren geschenkten Reichthümern, und der kostbaren Tafel des Kaisers uns unterrichten7. Jener setzt hinzu, daß man den Kaiser deßwegen in der letzten Zeit seiner Regierung einen Räuber und Mündel zu nennen gepflegt habe. Die Menge der Priester, welche, wie Eusebius erzählt, immer ihn umgaben, machten den alten guten Kaiser noch zu guter Letzt zum Mündel.

1: Zos. 2, 13.
2: 2, 31. Sozomenus 2, 5.
3: Νικητὴς κ. Μέγιστοσ [Nikētēs K. Megistos] s. den Eusebius, Leben Kostantins und Sokrates. Hist. Eccles. I. 7.
4: Aurel. Viktor, Epitome, Kap. 37.
5: Zos. 2, 32.
6: Aurel. Viktor, Epitome.
7: Euseb. Leben Konst. I, 4. besonders Kap. 43. wo von den geschenkten Summen geredet wird. add. Sozom. 2, 3. Socr. I, 16 seqq. Eutrop. 10. 4. Besonders Zonaras, Annal. T. X. Const. Byzant. Part. 2. p. 8.

 

 

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Einleitung zu:
Neue Geschichte (Historia nea) (Zosimos (um 500))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger