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G. B. (von) Schirach, Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.). In: Geschichte des Zosimus. Erster Band und zweiter Band. Aus dem Griechischen zum Erstenmale übersetzt und mit Anmerkungen begleitet von Seybold und Heyler. (Sammlung der neuesten Übersetzungen der Griechischen prosaischen Schriftsteller 10), Frankfurt am Main 1802.
Ueber Zosimos (Historische Briefe von G. B. (von) Schirach. Zweiter Brief. Halle, 1770.8, S. 10 folgg.)

2.

Abergläubisch ist also unser Scribent nicht so sehr, daß er denjenigen nachgesetzt werden müßte, die unverdient zeither immer mehr Glauben, als er, erhalten haben: die eben dadurch Verderber der Geschichte geworden sind, weil man ihnen blind folgte, und nicht bedachte: daß politische und Kirchenhistorie zweierlei nach verschiedenen Absichten verfaßt, und darnach auch ganz verschieden zu behandeln sey. Allein in Absicht des Aberglaubens hat man den Zosimus nicht so sehr getadelt, vielmehr deßwegen, daß er andere getadelt hat.

Ich zweifle sehr, ob der Tadel des Zosimus ungerecht sey, vielmehr finde ich viel Einsicht, Wahrheit und praktische Klugheit darinnen: Einsicht in den Zusammenhang der Begebenheiten und ihre Triebfedern, Wahrheit durch Fakten und Zeugnisse anderer Scribenten bestätigt, und keine gemeine Kenntniß eines weisen [S. 224] Regierungs-Systems. Er verdient den stolzen Namen, die Verschwendung unserer Zeit, — des pragmatischen Historikers. Viel gesagt, werden Sie denken, aber ich werde dieses viel gesagte auch beweisen. Bis auf den Konstantin herab ist man immer mit unserm Schriftsteller zufrieden gewesen, aber alsdann — ja alsdann wird Konstantin der Grosse bei ihm sehr Klein. Und dafür auch hält diesen Kaiser die heilige Wahrheit, die ihm die Larve, von Schmeichlern geformt, mit gerechter Hand abreißt, und ihn in seiner eigenen Gestalt zeigt. Siege, oft Kinder des Glücks, oft Würkungen einer höhern Macht, die die Schicksale der Welt abwägt, Weihrauch, von Leuten gestreut, denen man das Geld dazu giebt, und überflüssige Reichthümer, Lob von gespeißten Heuchlern, die trunken von meinem Weine mich wie Betrunkene loben, wenn das den Grossen macht, wie elend ist der Grosse! — Es haben schon verschiedene Neuere den Konstantin angeklagt, verschiedene wieder vertheidigt. Dem ohnerachtet schmeichle ich mir mit dem, was ich sage, nicht zu späte zu kommen. Man redt oft [S. 225] über ein Ding hin und her, und am Ende weiß man nicht, was man selbst will.

 

 

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Einleitung zu:
Neue Geschichte (Historia nea) (Zosimos (um 500))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger