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Chrysostomus († 407) - Erster Brief an Theodor (Ad Theodorum lapsum I)

8.

Da wir nun solche Beispiele vor uns haben, so wollen wir doch ja nicht im Elend verharren und an der Bekehrung nicht verzweifeln. Auch wir wollen sprechen: „Ich will mich aufmachen zu meinem Vater,“ auch wir wollen uns zu Gott wenden. Denn nimmer kehret er sich von uns ab, vielmehr sind wir es, die sich von ihm entfernen. Denn er spricht1: „Ein naher Gott bin ich, und nicht ein ferner Gott.“ Und wiederum macht er ihnen durch den Propheten2 Vorwürfe, indem er spricht: „Setzen nicht eure Sünden eine Scheidung zwischen euch und mir?“

Da es also dieses ist, was uns von Gott ferne hält, wohlan, reissen wir diese verderbliche Scheidewand nieder, und nichts wird uns mehr verhindern, ihm nahe zu sein. Höre nun, wie dieses auch in Wirklichkeit geschehen sei.

Bei den Kormthiern hatte ein angesehener Mann eine solche Sünde begangen, als selbst unter den Heiden nicht genannt wurde. Ein Gläubiger war es, er gehörte zu den Anhängern Christi; Einige sagen sogar, daß er Priester ge- [S. 306] wesen. Was geschah? Hat Paulus ihn sofort aus dem Erbe der Seligen ausgerottet? Keineswegs. Denn er selber macht den Korinthiern tausendmal mancherlei Vorwürfe, daß sie ihn nicht zur Buße bewogen. Um uns zu zeigen, daß es keine Sünde gibt, die nicht geheilt werden kann, sagte er auch wiederum von jenem, der schwerer als die Heiden gesündiget3: „Uebergebet einen solchen dem Satan zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tag unsers Herrn Jesu Christi.“ So sprach er also vor der Buße; aber nachdem er Buße gethan, sagte er: „Es genüget für einen solchen diese Strafe, die von der Mehrzahl ausgeht“;4 und er schrieb ihnen, ihn wieder zu trösten und seine Buße anzunehmen, daß er keine Beute des Satans würde.

Ferners eine ganze Völkerschaft, nemlich die Galater, welche den Glauben angenommen und Wunder gewirkt und wegen des Glaubens an Christum viele Prüfungen ausgestanden hatten und doch wieder abgefallen waren, auch sie richtet er wiederum auf. Denn daß sie Wunder gewirkt, hat er in den Worten angedeutet: „Er, der euch den Geist ertheilt und Wunder unter euch wirkt.“5 Daß sie auch viel geduldet um des Glaubens willen, auch dieses hat er ausgesprochen mit den Worten: „Habt ihr vergeblich so Vieles erduldet, wenn doch nur wenigstens vergeblich.“ Und dennoch machten sie sich nach so großen Fortschritten einer Sünde schuldig, die groß genug war, sie Christo zu entfremden. Er erklärt sich hierüber in den Worten: „Sehet, ich Paulus sage euch: wenn ihr euch beschneiden lasset, so wird Christus euch nichts nützen.“6 Und wiederum7: „Wenn ihr durch das Gesetz wollet gerechtfertigt werden, so seid ihr aus der Gnade gefallen.“ Doch nimmt er sie nach so tiefem Fall wieder auf, indem er sagt8: „O meine Kindlein, für die ich wiederum in Wehen bin, bis daß Christus in euch [S. 307] gestaltet wild.“ Er zeigt dadurch an, daß es auch nach dem äußersten Verderbniß noch möglich ist, daß Christus in uns wiederum ausgestaltet werde. Denn er will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe.9

1: Jerem. 23, 23.
2: Jes. 59, 2.
3: I. Korinth. 5, 5.
4: II. Korinth. 2, 16.
5: Galat. 3, 4.
6: Gal. 5, 2.
7: Gal. 5, 4.
8: Gal. 4, 19.
9: Ezech. 18, 32; 33, 11.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Erster Brief an Theodor

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger