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Chrysostomus († 407) - Erster Brief an Theodor (Ad Theodorum lapsum I)

19.

Da wir dieses alles wissen, laß uns nicht im Wirken des Guten ermüden oder davon ablassen, damit wir, wann wir auf den Rang der Sonne oder des Mondes nicht gelangen sollten, nicht auch den der Sterne gering achten. Wenn wir nur so viel Tugend bewähren, können wir doh im Himmel eine Stelle finden. Wenn wir auch nicht Gold oder ein Edelstein werden, so werden wir doch Silbers Werth erlangen und auf dem Grundstein ruhen. Nur zu jener Spreu laß uns nicht hinab sinken, die das Feuer schnellverzehrt; nur dem Geringen laß uns nicht absagen, wenn wir das Große auszuwirken nicht vermögen sollten; denn das wäre äußerste Thorheit, die soll von uns fern sein.

Wie der zeitliche Reichthum dadurch wächst, daß jene, die ihn lieben, auch den kleinsten Gewinn nirgends übersehen, so auch der geistliche. Das wäre thöricht, wenn der Richter auch für einen Trunk Wassers die Vergeltung nicht vorenthält, und wir wollten um die kleinen Werke unbekümmert sein, wenn wir es zu großen Thaten nicht bringen! Wer [S. 345] das Geringe nicht verschmäht, wird sich auch um das Größere viel Mühe geben; wer aber dieses unbeachtet läßt, wird auch von dem andern entfernt bleiben.

Damit dieß nicht geschehe, hat der Herr auch für das Geringe große Belohnungen verheißen. Was ist leichter als Kranke zu besuchen? Doch gibt er auch dafür große Vergeltung. Ergreife also das ewige Leben, erfreue dich deines Gottes, versöhne ihn, nimm sein sanftes Joch wieder auf dich, unterziehe dich der leichten Bürde, setze zum Anfang ein würdiges Ende; sei nicht sorglos darüber, ob dir ein solcher Reichthum entrinnt. Wenn du fortfährst, Gott damit zu erzürnen, was du thust, so stürzest du dich selbst ins Verderben. Wenn du aber, ehe der Schaden noch größer wird, ehe das ganze Gelände weggespült wird, die Ströme der Verkehrtheit noch abdämmest, so kannst du das Verlorene wieder gewinnen und einen weiteren nicht geringen Zuwachs noch dazu erlangen. Ueberdenk dieß alles, schüttle den Staub hinweg, steh auf von der Erde, und du wirst dem Widersacher furchtbar sein. Er hat dich zu Boden gestürzt, auf daß du nicht wieder erstehest. Sieht er aber deine Hände wieder streitbar gegen sich erhoben, so wird er, durch das Unerwartete überrascht, wenig Muth haben einen weitern Angriff zu vollführen; du aber hast an Sicherheit gewonnen, um nicht wieder eine solche Wunde zu erhalten. Ist schon der Schaden Anderer geeignet uns zu belehren, so noch viel mehr unser eigener. Das hoffe ich bald an dir noch zu erleben; du wirst mit Gottes Hilfe ansehnlicher noch dastehen und solche heldenkräftige Tugend erweisen, daß du auch Andre zu beschirmen vermagst. Nur verzage nicht und laß den Muth nicht fallen; dieses wird’ ich dir in jedem Gespräch, wo ich dich erblicke, auch durch Andre, zu wiederholen nicht ablassen; hörst du einmal nur auf dieses, so bedarfst du keiner ferneren Heilmittel.

 

 

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Einleitung: Erster Brief an Theodor

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger