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Chrysostomus († 407) - Erster Brief an Theodor (Ad Theodorum lapsum I)

2.

Denn deßhalb stürzt der Teufel uns in die Gedanken der Verzweiflung, um die Hoffnung auf Gott uns zu entreißen, diesen festen Anker, den Halt unsers Lebens, den Wegweiser zum Himmel, die Rettung der Verlornen Seelen. Denn es steht geschrieben1: „Durch die Hoffnung sind wir gerettet worden.“ Sie ist nemlich wie ein starkes Seil, das vom Himmel herabhängt und unsere Seelen trägt, um allmählig jene, die daran festhalten, zu jener Höhe empor zu ziehen und über die Fluth der Uebel dieser Welt zu erbeben. Wenn daher einer ermattet und diesen heiligen [S. 294] Anker losläßt, so muß er nun freilich hinabstürzen und in die Abgründe der Bosheit hinabfallend umkommen. Dieß weiß der böse Feind gut. Wenn er darum wahrnimmt, daß die drückende Last eines bösen Gewissens auf uns liegt, so tritt er auch heran und lädt uns den Gedanken der Verzweiflung auf, der schwerer ist denn Blei. Lassen wir uns diese Last auflegen, so müßen wir wohl, durch diese Wucht abwärts gezogen und von jenem Seil hinweggerissen, in die Tiefen des Unheils versinken: da befindest auch du dich nun! Die Gebote des sanften und demüthigen Herrn hast du verschmäht! aber die Gebote des harten Zwingers, jenes unversöhnlichen Feindes unseres Heils, vollziehst du alle, nachdem du das sanfte Joch zerbrochen und die leichte Bürde abgeworfen und dafür die eisernen Ringe dir umgelegt und noch dazu den Mühlstein an deinen Hals gebunden hast. Wann willst du denn endlich aufhören deine arme Seele wie in Meerestiefen zu versenken, nachdem du eine so fest bindende Nothwendigkeit dir auferlegt, immerfort abwärts zu stürzen!

Jenes Weib, das den einen Groschen wieder gefunden, rief die Nachbarn zusammen, an ihrer Freude theilzunehmen: freut euch mit mir, sprach sie. Ich aber muß nun alle meine und deine Freunde zum Gegentheil auffordern; ich darf nicht sagen: freut euch mit mir, sondern: weinet mit mir und stimmt die gleiche Klage an und schreit mit mir in gleichem Jammer auf! Wir haben ja den allergrößten Verlust erlitten. Nicht sind etwa so und so viele Pfunde Goldes mir aus der Hand gefallen, auch nicht etwa eine große Zahl Edelsteine; sondern einer, der höheren Werth hat denn all dieß, ist, während er mit uns dieses große, weite Meer durchschiffte, ich weiß nicht wie, ausgeglitten und in den offenen Schlund des Verderbens hinabgefallen.

1: Röm. 8, 24.

 

 

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Einleitung: Erster Brief an Theodor

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger