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Chrysostomus († 407) - Homilien über den II. Thessalonicher-Brief

Fünfte Homilie.

1.

3. Aber der Herr ist treu und wird euch stärken und vor dem Bösen bewahren.
4. Auch haben wir in Rücksicht eurer das Vertrauen zu dem Herrn, daß ihr, was wir euch einschärfen, thuet und thun werdet.
5. Und der Herr leite eure Herzen zur Liebe Gottes und zur Standhaftigkeit Christi!

I. Vor zwei Fehlern hat man sich hauptsächlich zu hüten bezüglich der Anrufung der Heiligen: Manche glauben, die Anrufung der Heiligen um ihre Fürbitte mache Alles aus, und wofern sie nur dieses nicht unterlassen, dürften sie unthätig sein, könnten sie der Sünde dienen und brauchten selber nicht nach Tugend zu streben; Andere glauben auf den Bestand der Heiligen verzichten zu dürfen, woferne sie nur selber den Weg der Tugend wandelten. Auch diese letztere Anschauung ist ein Irrthum, denn mächtig und gewaltig ist die Fürbitte der Heiligen, freilich nur dann, wenn auch wir es an unserer Mitwirkung nicht [S. 795] fehlen lassen. Deßhalb beruft sich der Apostel auch hier wieder, indem er für die Gläubigen betet, auf die Verheißung: „Der Herr ist treu und wird euch stärken und vor dem Bösen bewahren.“ Denn wenn er euch zur Seligkeit auserwählt hat, so wird er sich nicht ungetreu werden und euch nicht verloren gehen lassen. Damit aber die Gläubigen nicht in dem Wahne, Gott allein werde Alles thun, in ihrem Eifer erlahmten und ganz unthätig würden, fordert der Apostel sie nachdrucksamst zur eifrigen Mitwirkung auf mit den Worten:

„Wir haben in Rücksicht eurer das Vertrauen zu dem Herrn, daß ihr, was wir euch einschärfen, thuet und thun werdet.“ Gott ist getreu, will er sagen, und wenn er versprochen hat, uns selig zu machen, so wird er es auch gewiß thun, aber nur unter den Bedingungen, unter welchen er es versprochen hat. Wie lauten diese? Daß wir selber auch selig werden wollen, daß wir seinen Willen vollziehen. Also nicht bedingungslos will er uns selig machen, nicht, wenn wir uns unthätig verhalten wie Holzklötze und Steine. Gar schön sagt auch der Apostel: „Wir haben das Vertrauen zum Herrn,“ d. h. wir bauen auf seine Liebe zu uns Menschen. Wenn der Apostel durch diese Worte wieder darauf hinweist, daß Alles von Gott abhänge, so leitet er die Gläubigen aufs Neue zur Demuth an. Hätte der Apostel gesagt: „Wir setzen das Vertrauen in euch,“ so wäre in diesen Worten wohl ein großes Lob enthalten gewesen, allein er hätte die Gläubigen nicht gelehrt, sich in allen Dingen von Gott abhängig zu wissen. Hatte er aber gesagt: Wir hegen das Vertrauen zu dem Herrn, daß er euch bewahren werde, ohne den Zusatz: „in Rücksicht eurer“ und „daß ihr, was wir euch einschärfen, thuet und thun werdet,“ so hatte er dadurch nur ihren Eifer verringert, indem er ja dann Alles nur der göttlichen Einwirkung zugeschrieben hätte. Allerdings müssen wir Alles dem Herrn anheimstellen, aber als solche, die selbst [S. 796] thun, was in ihren Kräften steht, als solche, die sich selbst Mühen und Gefahren unterzogen haben. Der Apostel lehrt ferner mit diesen Worten, daß, wenn auch die Tugend allein zur Erlangung der Seligkeit hinreichen würde, sie doch auch ausdauernd sein und uns bis zum letzten Athemzuge begleiten müsse.

Und der Herr leite eure Herzen zur Liebe Gottes und zur Standhaftigkeit Christi!

Diese Worte enthalten wiederum ein Lob und ein Gebet, wodurch er seine liebevolle Sorge für sie kundgibt. Er will ihnen nämlich nachher einen Verweis ertheilen und sucht jetzt ihre Herzen zur Empfänglichkeit zu stimmen dadurch, daß er sagt: „Ich hege das Vertrauen, daß ihr mich hören werdet;“ dadurch ferner, daß er sie um ihr Gebet bittet, und daß er ihnen hinwieder Heil und Segen wünscht.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger