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Chrysostomus († 407) - Homilien über den II. Thessalonicher-Brief

Dritte Homilie.

1.

9. Diese werden mit dem ewigen Untergange gestraft werden durch das Angesicht des Herrn und die Herrlichkeit seiner Kraft,
10. wenn er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in Allen, die geglaubt haben.

I. Manche Menschen bauen ihre ganze Hoffnung nicht darauf, daß sie ihre Seele rein von Sünden halten, sondern darauf, daß, wie sie meinen, die Hölle nicht gar so schrecklich und entsetzlich sei, wie man sie der Drohung wegen oft mache, daß sie nicht ewig und endlos sei, und suchen weitläufig ihre Ansicht zu begründen.

Ich konnte nun zwar für unsern Glauben, daß die Hölle nicht gelinder, sondern weit schrecklicher sei, als die Drohung lautet, viele Beweise anführen und die Wahrheit dieses Satzes aus den Worten Christi selbst erhärten. [S. 763] Ich will mich aber jetzt nicht damit befassen, es reicht schon die Furcht hin, die uns beim bloßen Hören solcher Aussprüche befällt, wenn wir uns auch in nicht weiter vertiefen. Daß die Hölle nicht nur eine Zeit lang dauere, vernimm aus dem Munde des hl. Paulus, der von Denjenigen, welche Gott nicht kennen und dem Evangelium nicht glauben, sagt: „Sie werden mit dem ewigen Untergange gestraft werden.“ Wie kann Das, was ewig ist, nur eine Zeit lang dauern?

„Durch das Angesicht des Herrn.“ Was will das heißen? Damit will der Apostel andeuten, wie leicht diese Bestrafung vor sich gehe. Weil sie nämlich ob ihres Reichthums sich viel einbildeten, so gibt er ihnen zu verstehen, daß diese Bestrafung für Gott nicht mit einer besonderen Mühe verbunden sei, sondern Gott braucht nur zu erscheinen und sich sehen zu lassen, und mit einem Male sind Alle, die verdammt werden, der Strafe verfallen. Seine bloße Erscheinung nämlich wird für die Einen himmlische Seligkeit, für die Andern höllische Pein bringen.

Und durch die Herrlichkeit seiner Kraft, wenn er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in Allen, die geglaubt haben.

Was sagst du da? Gott soll verherrlicht werden? Jawohl, in seinen Heiligen. Und wie soll das geschehen? Dann, wenn die Hochmüthigen und Stolzen sehen werden, wie Diejenigen, welche sie gegeißelt, verachtet, verhöhnt haben, jetzt in der Nähe Gottes sich befinden, so wird das seine Verherrlichung sein, oder vielmehr ihre und seine Verherrlichung. Seine Verherrlichung, weil er sie nicht verlassen, sondern so hoch erhoben hat; ihre Verherrlichung, daß sie so großer Ehre gewürdigt wurden. Denn wie es sein Reichthum ist, Gläubige zu haben, so ist es sein Ruhm, [S. 764] daß er Erben seiner himmlischen Güter hat. Denn der Ruhm des Guten besteht darin, daß er Andere an seinen Gütern theilnehmen läßt.

„Und bewundert zu werden in Allen, die geglaubt haben.“ Das heißt, durch Die, welche geglaubt haben. Das „in“ steht hier wieder für „durch“. Durch diese zeigt1 er sich wunderbar. Denn wenn er diejenigen, die da arm und verachtet waren, die unzählige Leiden erduldet hatten und doch im Glauben nicht wankend wurden, wenn er diese zu solcher Herrlichkeit erhebt, da wird die Kraft Gottes sichtbar. Mögen sie hienieden auch verlassen erscheinen, werden sie nur dereinst droben verherrlicht werden, dann erscheint die Macht des Herrn in ihrem vollen und herrlichsten Glanze. In welcher Weise? Höre! Der Apostel fährt weiter:

Denn an jenem Tage wird an euch unser Zeugniß bestätigt werden.
11. Darum beten wir auch allzeit für euch.

Das will heißen: Wenn Jene hervortreten werden, denen man unzählige Drangsale bereitete, um sie zum Abfalle vom Glauben zu bewegen, ohne daß man sie in ihrer Treue wankend machen konnte, dann wird Gott verherrlicht, und dann findet auch ihre Verherrlichung statt. Da nun aber Viele keinen ächten Glauben besitzen, so sollst du Niemand vor seinem Ende glücklich preisen; erst an jenem Tage wird es sich zeigen, wer wahrhaften Glauben besessen.

1: Nach der Lesart: ἐπιδείκνυται statt ἀποδείκνυται.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger