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Chrysostomus († 407) - Homilien über den I. Thessalonicher-Brief

Achte Homilie.

1.

14. Denn das sagen wir euch als das Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, Denen, die entschlafen sind, nicht vorauskommen werden;
15. denn der Herr selbst wird beim Aufgebot, bei der Stimme des Erzengels und bei der Posaune Gottes vom Himmel herabsteigen, und die in Christo Gestorbenen werden zuerst auferstehen.
16. Dann werden wir, die wir noch leben und übrig geblieben sind, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken Christo entgegen in die Luft, und werden so immerfort bei dem Herrn sein.

I. Wenn die Propheten die Glaubwürdigkeit und Autorität ihrer Worte betonen wollen, so schicken sie denselben gewisse Formeln voraus, z. B.: „Gesicht, so gesehen hat [S. 660] Isaias;“1 oder: „Wort des Herrn, das an Jeremias ergangen;“2 oder: „So spricht der Herr,“3 und dergleichen. Viele von ihnen sahen sogar Gott selbst auf seinem Throne sitzen, so weit ihnen sein Anblick gegönnt war. St. Paulus aber hat Christus nicht auf seinem Throne gesehen, sondern er trug ihn in sich und darum sagt er statt jener bekannten Formel: „So spricht der Herr“: „Verlanget ihr einen Beweis dafür, daß Christus in mir spricht?“4 oder er sagt: „Paulus, Apostel Jesu Christi,“5 (wodurch er kundgibt, daß er seine Lehre nicht aus sich selbst habe; denn der Gesandte spricht im Auftrage Dessen, der ihn gesendet), oder an einer andern Stelle: „Auch ich glaube den Geist Gottes zu haben.“6 Was er nun an jenen Stellen gesagt hat, hat er auf Antrieb des heiligen Geistes gesagt, was er aber hier verkündet, das hat er mit ausdrücklichen Worten von Gott selbst vernommen, gleichwie er auch das Wort, das er in der Unterredung mit den Presbytern von Ephesus gesprochen: „Geben ist seliger als Nehmen“7 aus einer geheimen Offenbarung hat. Betrachten wir den Inhalt der oben bezeichneten Stelle näher.

14. Denn das sagen wir euch als das Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrige bleiben bis zur Ankunft des Herrn, Denen, die entschlafen sind, nicht vorauskommen werden;
15. denn der Herr selbst wird beim Aufgebot, bei der Stimme des Erzengels und beim letzten Posaunenschall 8 vom Himmel herabsteigen.

Ähnliches hat auch Christus einst verkündet, wenn er [S. 661] sagte: „Die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“9 Wozu aber der Posaunenschall ? Weil auch am Berge Sinai Posaunen, von Engeln geblasen, vernommen wurden. — Was soll der Ruf des Erzengels? Das ist derselbe Ruf, der an die Jungfrauen ergangen ist: „Auf, der Bräutigam kommt!“10 oder wie er bei der Ankunft eines Königs gehört wird; denn bei der Auferstehung werden die Engel ihrem Herrn und König dienen. Wenn nämlich der Erzengel ruft: „Auf, ihr Todten!“, so werden sie auferstehen, aber nicht etwa durch die Macht des Engels, sondern kraft des von ihm verkündeten göttlichen Willens. So ähnlich, wie wenn ein König gebietet: „Kommt hervor ihr Gefangenen!“ und die Diener dieselben hervorfuhren. Sie thun es dann auch nicht aus eigener Macht, sondern auf den Befehl des Königs.

Ähnlich wie der Apostel drückt sich Christus selbst aus, wenn er, von der Auferstehung sprechend, sagt: „Und er wird seine Engel mit der Posaune senden, mit großem Schalle; und sie werden seine Auserwählten von den vier Enden, von einem Ende des Himmels bis zum andern, zusammenbringen.“11 Dann eilen die Engel nach allen Richtungen hin fort. Den Erzengel aber halte ich für den Führer, welcher den ausgesendeten Engeln zuruft: „Machet, daß Alle bereit sind, denn der Richter ist da!“

Was heißt: „Beim letzten Posaunenschall?“ Damit will gesagt sein, daß in viele Posaunen gestoßen werden wird, und daß beim letzten Schalle der Richter herabkommen wird.

1: Is. 13, 1.
2: Jerem. 7, 1.
3: Ebend. 8, 4.
4: II. Kor. 13, 3.
5: Ebd. 1, 1.
6: I. Kor. 7, 40.
7: Apostelg. 20, 35.
8: Chrysostomus sagt statt des biblischen ἐν σάλπιγγι θεοῦ: ἐν σάλπιγγι τῇ ἐσχάτῃ.
9: Matth. 24, 29.
10: Ebd. 25, 6.
11: Ebd. 24, 31.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger