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Chrysostomus († 407) - Homilien über den I. Thessalonicher-Brief

Dritte Homilie.

1.

9. Denn ihr erinnert euch, Brüder, unserer Mühe und Beschwerde, wie wir, um Keinem von euch zur Last zufallen, Tag und Nacht arbeitend, euch das Evangelium Gottes gepredigt haben.
10. Ihr und Gott seid Zeugen, wie heilig und gerecht und tadellos wir uns bei euch Gläubigen betragen haben,
11. wie ihr denn wisset, daß wir jeden von euch, wie ein Vater seine Kinder,
12. gebeten, angetrieben und beschworen haben, Gottes würdig zu wandeln, der euch zu seinem Reiche und zu seiner Herrlichkeit berufen hat.

Der Meister darf Nichts von alle Dem für beschwerlich erachten, was das Seelenheil seiner Jünger betrifft. Denn wenn schon im alten Testamente der Patriarch Jakob [S. 573] sich Tag und Nacht abmühte, seine Heerde zu bewachen, um wie viel mehr muß Derjenige, dem Seelen zur Obhut anvertraut sind, alle Mühsal auf sich nehmen, und mag sie auch noch so groß sein, einzig und allein im Hinblick auf das Eine, daß es sich handle um das Seelenheil der Jünger und die daraus Gott erwachsende Ehre! Beachtet daher, wie sogar der Prediger und Apostel der ganzen Welt, St. Paulus selbst, trotz seines hohen Berufes sich mit Handarbeit beschäftigte, nur um seinen Jüngern nicht zur Last zu fallen.

Er sagt: „Denn ihr erinnert euch, Brüder, unserer Mühe und Beschwerde.“ Vorher hatte er gesagt: „Wir könnten euch zur Last fallen als Apostel Christi.“1 Und in dem Brief an die Korinthier schrieb er: „Wisset ihr nicht, daß Die, welche im Heiligthum beschäftigt sind, im Heiligthum auch essen?“2 Und auch Christus hat gewollt, daß Die, welche das Evangelium verkünden, auch vom Evangelium leben sollen. „Ich aber,“ sagt der Apostel, „habe das nicht gewollt, sondern habe gearbeitet. Ich habe nicht bloß gearbeitet, sondern mit Mühe und Plage gearbeitet.“ Beachtet, wie er weitersagt: „Ihr erinnert euch, — nicht etwa der Wohlthaten, so ich euch erwiesen, sondern — unserer Mühe und Beschwerde, wie wir, um Keinem von euch zur Last zu fallen, Tag und Nacht arbeitend, euch das Evangelium Gottes gepredigt haben!“ Anders spricht er zu den Korinthiern, nämlich: „Andere Gemeinden habe ich beraubt, habe Unterstützungen von ihnen angenommen, um euch zu dienen.“3 Allerdings hat er auch dort gearbeitet, aber Dieß erwähnt er jetzt nicht, sondern führt statt dessen etwas Anderes an, was mehr Eindruck aus die Gemüther machte, indem er gleichsam sagt: „Während ich mich für [S. 574] euch abmühte, wurde ich von Andern ernährt.“ Hier heißt es: „Tag und Nacht arbeitend“ ; dort spricht er: „Als ich bei euch war und Mangel litt, fiel ich doch Niemand zur Last;“ und weiter: „Ich nahm Unterstützung von Andern an, um euch zu dienen.“

Damit gibt der Apostel wohl zu erkennen, daß diese Gläubigen in ärmlichen Verhältnissen lebten, jene aber nicht. Darum ruft er sie immer wieder zu Zeugen auf. „Ihr und Gott seid Zeugen.“ So verschafft er seinen Aussagen Glaubwürdigkeit, besonders auch durch den Hinweis auf Thatsachen, die Jene am meisten überzeugen mußten. Denn während das Eine, nämlich die Heiligkeit seines Wandels, Denen, die Nichts davon wußten, unbekannt war, so konnte doch das Andere, nämlich daß er Tag und Nacht arbeitete, Keinem verborgen sein. Darüber nun, daß der Apostel sogar schwört, braucht ihr euch nicht zu wundern. Er dachte nicht daran, daß er selber, ein hl. Paulus, also sprach, nein, es ist ihm nur darum zu thun, sie recht zu überzeugen.

Darum ruft er aus: „Ihr und Gott seid Zeugen, wie heilig, gerecht und tadellos wir uns bei euch Gläubigen betragen haben!“ Er mußte sie gleich darauf wieder loben; darum schickt er Dieses voraus, was geeignet war, ihm Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Denn er führt folgenden Beweis: Wenn ich damals, als ich in Noth war, Nichts von euch angenommen habe, um wie viel weniger werde ich jetzt von euch annehmen wollen!

1: I. Thessal. 2, 7.
2: I. Kor. 9, 13.
3: II. Kor. 11, 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger