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Chrysostomus († 407) - Homilien über den I. Thessalonicher-Brief
Erste Homilie.

3.

Und der Opfer 1 der Liebe.

Was für Opfer kostet es denn, überhaupt nur in der alltäglichsten Bedeutung des Wortes zu lieben? Keine. Wahrhaft und im vollsten Sinne des Wortes zu lieben aber, das kostet allerdings große Opfer. Oder sage mir: Wenn tausenderlei Dinge uns von der Liebe abziehen wollen, wir aber allen diesen Versuchungen widerstehen, kostet das keine Opfer? Was haben nicht die alten Christen erdulden müssen, um von ihrer Liebe nicht zu [S. 542] lassen! Sind die Feinde des Evangeliums nicht eingedrungen in das Haus Dessen, der den heiligen Paulus gastlich aufgenommen,2 und als sie diesen nicht fanden, haben sie da nicht den Jason hingeschleppt vor die Obrigkeit? Sag’ an, fordert das keine Opfer, wenn die Saat, die kaum gewurzelt ist, schon solche Stürme, solche Versuchungen zu bestehen hat? „Und sie forderten Bürgschaft von ihm“, heißt es, „und nachdem er diese gestellt, entließ man den Paulus.“3 War das eine Kleinigkeit? Hat er sich damit nicht selbst für Paulus der Lebensgefahr ausgesetzt?

Wenn also z. B. einzelne Christen sich in Ketten und Bande schlagen ließen, so nennt der Apostel dieses einen Beweis von „mühevoller, opferwilliger Liebe.“

Es ist hier auch zu beachten, daß Paulus zuerst von ihren Tugenden spricht und dann erst von sich selbst, damit er auch den Schein vermeide, als sei er zur Ruhmredigkeit geneigt, oder als ob er sie liebe ohne Grund.

Und der Ausdauer.

Jene Verfolgung dauerte nämlich nicht eine bestimmte Zeit lang, sondern immerfort, und sie war nicht bloß gegen den Lehrer Paulus gerichtet, sondern auch gegen seine Schüler. Und wenn man nun schon jene wunderthätigen, dabei aber sonst so achtunggebietenden Männer so sehr verfolgte, wie wird man verfahren sein gegen Hausgenossen und Mitbürger, welche vom nationalen Glauben abfielen? Und daß die Gläubigen in der That Schlimmes zu befahren hatten, gibt der Apostel durch die Äußerung zu erkennen: „Ihr seid Nachfolger der Gemeinden Gottes in Judäa geworden.“4

[S. 543] In der Hoffnung unsers Herrn Jesus Christus vor unserm Gott und Vater.

Eine herrliche Bemerkung! Denn alle die vorher bezeichneten Leistungen und Tugenden haben ihre Wurzel im Glauben und in der Hoffnung, und sind nicht nur ein Beweis von Starkmuth, sondern in viel höherem Grade ein Beweis von gläubiger Erwartung des verheißenen Lohnes. Deßhalb hat Gott zugelassen, daß bei Zeiten Verfolgungen über die Christen hereinbrachen, damit man nicht behaupten könne, das Christenthum habe ohne Schwierigkeit dadurch, daß es den Menschen schmeichelte, Bestand gewonnen, sondern auf daß der Eifer der Christen sich bewähre und es Allen offenbar werde, es sei nicht die Macht menschlicher Überredungskunst, sondern die Kraft Gottes gewesen, welche die christlichen Bekenner stärkte, sogar tausendfachem Tode entgegen zu gehen. Das wäre nicht der Fall gewesen, wenn nicht das Evangelium schnell tiefgewurzelt gewesen und unerschütterlich fest gestanden wäre.

1: Κόπος, nicht πόνος.
2: Apostelg. 17, 5.
3: Ebd. 17, 9—10.
4: I. Thess. 2, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger