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Salvianus von Massilia († nach 480) - Des Timotheus vier Bücher an die Kirche (Ad ecclesiam)
IV. Buch

7. Wer sein Gut zu frommen Zwecken hinterläßt, schenkt es Christus und wird es so nach dem Zeugnis Christi wieder gewinnen

Wie viel besser - du magst sein, wer du willst - wie viel besser und heilsamer hättest du in Armut und Dürftigkeit gelebt als im Wohlstand! Denn die Armut hätte dich zu Gott hinführen können, der Reichtum hat dich zum Schuldigen gemacht. Es wäre also richtiger gewesen, wenn du infolge deiner Not gerettet wärest, als wenn du infolge deines Reichtums dich und andere belastet hättest - dich, indem du ihn auf schlechte Art vererbst, die anderen, indem sie dein Erbe selbst durch ihre unmenschliche Genußsucht auf schlechte Art besitzen und so auch nachher anderen wieder auf schlechte Art hinterlassen. Wenn du also einen Rat annehmen willst, wenn du das ewige Leben haben und gute Tage sehen willst, dann hinterlasse dein Vermögen den frommen Armen, den Lahmen, den Blinden, den Kranken! Dein Hab und Gut soll die Nahrung der Elenden sein, dein Reichtum die Lebensmöglichkeit der Armen, so daß ihre Labung dein Lohn werde und ihre Erquickung dich erquicke! Wenn nämlich jene von dem Deinigen essen werden, wirst du satt werden; wenn jene von dem Deinigen trinken werden, wirst du die heiße Glut deines Durstes löschen; ihr Gewand wird dich bekleiden, und ihre Freude wird dich erfreuen. Halte es also nicht für minderwertig und verächtlich, wenn du dein Vermögen den Unglücklichen und Dürftigen hinterlassest! Chri- [S. 375] stus ist es, den du in ihnen zu deinem Erben machst! Was will aber der Name Christi hier besagen? Ja, Christus machst du zwar zum Erben, aber du selbst wirst die Vorteile der Erbschaft genießen. Alles, was du Christus hinterlassest, alles wirst du durch Christus besitzen. Aber - so vermute ich - du hältst ja solche Sätze für unsinnig und verachtest sie wie Träumereien und Hirngespinste: du glaubst ja nicht, daß Christus die Wahrheit gesprochen hat. Die Sache beweist, daß du ihm gar nicht glaubst; denn wenn du seine Gebote nicht einmal auf dem Sterbebette erfüllst, nimmst du entweder an, daß sie gar nicht vorhanden sind, oder verurteilst sie als falsch. Alle wahrhaft Frommen müssen es beklagen und beweinen, daß du und deinesgleichen niemandem, aber auch niemandem weniger glaubet als Christus. Wenn dir irgendein Schankwirt etwas versprechen würde, du würdest ihm auf sein Versprechen hin dein Vertrauen nicht versagen; und wenn ein Krämer, ein Gewürzhändler dich auffordert, ihm etwas zu leihen, du würdest ihm nicht mißtrauen, daß er dir das Gegebene zurückgeben wird; und schließlich vertraut man bisweilen Lügnern und Meineidigen etwas an, wenn sie Sicherheit geben oder einen Gutständer beibringen. Nun hat aber Christus dir die festeste Bürgschaft und die besten Gutständer gegeben, die Bürgschaft in seinem Evangelium, als Gutständer seine Apostel - und wenn dir das noch zu wenig ist - seine Patriarchen, Propheten und Märtyrer, ja die ganze große Reihe der heiligen Schriften: und du glaubst ihm nicht, du schenkst ihm kein Vertrauen? Ich frage dich: Könntest du unter den Menschen einen solchen Verschwender, eine so elende Kreatur finden, daß du ihm bei so vielen Gutständern das Vertrauen abschlagen müßtest? Daher gibst du deine Habe dem Reichen und verweigerst sie den Armen, gibst sie den Prassern und verweigerst sie den Frommen, gibst sie vielleicht jedem Verworfenen und verweigerst sie Christus. Wie du also [S. 376] geurteilt hast, so wirst du beurteilt werden; wie du gewählt hast, wirst du erhalten; du wirst nicht teilhaben an Christus, den du verachtet hast; du wirst teilhaben an denen, denen du den Vorzug gabst.

 

 

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Allgemeine Einleitung zu Salvianus Leben und Werk

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger